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Modell für die anderen

Verkehrsminister Dr. Ramsauer, Prof. Dr. Frank Kirchner (DFKI), Dr. Gerald Rausch (Fraunhofer IFAM), der niedersächsische Verkehrsminister Jörg Bode und der Bremer Umweltsenator Dr. Loske (v.l.n.r.). Foto: Modellregion Elektromobilität Bremen/Oldenburg
Verkehrsminister Dr. Ramsauer, Prof. Dr. Frank Kirchner (DFKI), Dr. Gerald Rausch (Fraunhofer IFAM), der niedersächsische Verkehrsminister Jörg Bode und der Bremer Umweltsenator Dr. Loske (v.l.n.r.). Foto: Modellregion Elektromobilität Bremen/Oldenburg

Nordwesten als Zentrum für Elektromobilität ausgewählt – Forschungsinstitute bereiten groß angelegte Projekte vor

Saubere und bezahlbare Mobilität für alle – nach Ansicht der Bundesregierung ist dieses Ziel nur durch Elektromobilität zu verwirklichen, die damit auch wirtschaftliche Interessen verfolgt: Bis 2020 soll Deutschland zum Leitmarkt für E-Mobility geworden sein. Sie fördert darum seit dem vergangenen Jahr Vorhaben in acht Modellregionen für Elektromobilität mit insgesamt 115 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Unter 130 Bewerbern konnte sich auch die Modellregion Bremen/Oldenburg behaupten – ein Grund, weshalb Elektromobilität ein Schwerpunkt-Thema des Bremen-Standes auf der Expo 2010 in Shanghai ist.

Zu verdanken hat die Region den Fluss an Fördermitteln zwei Instituten mit Sitz in Bremen: dem Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) und der Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH. Sie überzeugten das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung mit ihren Konzepten für Vorhaben in der Modellregion. "Hinter den anspruchsvollen Zielen, neue Verkehrskonzepte nachhaltig zu generieren, steckt für unsere Region schon ein sehr konkreter Projektplan", so Professor Dr.-Ing. Matthias Busse, der als Institutsleiter des IFAM die Gesamtleitung hat.

Diese Region sei als einzige unter den ausgewählten Projekten stark ländlich geprägt, so Busse. Sie hat mit einer Fläche von knapp 12.000 Quadratkilometern ein Einzugsgebiet mit Entfernungen von rund 150 bis 200 Kilometern. In diesem Gebiet leben rund 2,4 Millionen Menschen, die vielfach über erhebliche Strecken unterwegs sein müssen, um zum Beispiel ihrer Arbeit nachzugehen. Die Vision lautet nun, die Region in der Fahrzeugtechnik weitgehend unabhängig von Erdöl zu machen und die Innenstädte frei vom Ausstoß schädlicher Schadstoffe zu machen.

Schaltzentrale wird das Personal Mobility Center

Die Wissenschaftler haben ihr Vorhaben in vier Module gegliedert, von denen eines die Schaltzentrale des Projektes werden soll: das in Gründung befindliche "Personal Mobility Center" (PMC) nahe der Bremer Universität. Es soll auf längere Sicht als Informationszentrum und Anlaufstelle für die breite Öffentlichkeit fungieren, in gewissem Rahmen für die Betreuung der Nutzer von Elektromobilen zuständig sein, erklärt Dr. Gerald Rausch, Projektmanager am IFAM. Vorerst kümmert sich das PMC um die Organisation der drei weiteren Arbeitsfelder.

Dazu gehört, bis Jahresende bis zu 100 Elektro-Fahrzeuge anzukaufen, zu mieten oder im Rahmen des Projektes mitnutzen zu dürfen: Privatautos oder Busse für den Nahverkehr, Fahrräder, Mopeds und Motorräder, Liefer- und andere Nutzfahrzeuge, Wagen für das Car-Sharing. Zum Beispiel zählen die beiden ersten Elektroautos mit Namen E3 zu der Flotte, die das Oldenburger Energieversorgungsunternehmen EWE AG auf der Expo präsentiert.

Partner erhalten finanzielle Förderung

Projektleiter Dr. Gerald Rausch vom Fraunhofer Institut IFAM hat konkrete Pläne für die elektromobile Modellregion Bremen/Oldenburg. Foto: Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung IFAM
Projektleiter Dr. Gerald Rausch vom Fraunhofer Institut IFAM hat konkrete Pläne für die elektromobile Modellregion Bremen/Oldenburg. Foto: Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung IFAM

Derzeit kümmern sich Rausch und seine Kollegen auch darum, Partner zu gewinnen, die die heute noch sehr teuren Elektrofahrzeuge testen und dafür ankaufen wollen. Mit im Boot sind beispielsweise bereits die Bremer Straßenbahngesellschaft, die teilelektrische Busse einsetzen will, oder der Bremer Energieversorger SWB AG, der in seinen Fuhrpark weitere Elektroautos integriert. Ihr Interesse: Langfristig hoffen sie zum Beispiel, günstiger zu fahren, weil sie Benzin sparen. Kein geringer Anreiz ist aber auch, dass über das Förderprojekt ein Zuschuss zur Beschaffung der Fahrzeuge realisiert werden kann. Im Gegenzug überlassen die Partner den Forschern die in den Fahrzeugen im laufenden Betrieb erhobenen Daten zur Auswertung. "Inzwischen sind über 20 Fahrzeuge auf den Straßen der Modellregion unterwegs", sagt Rausch. "Bald werden auch die ersten Privatnutzer ihre Erfahrungen mit den Elektroautos machen."

Eine weitere Säule des Projekts ist die "Intelligente Integration". Darunter verstehen die Forscher Fragestellungen, die sich mit Informationstechnologie lösen lassen und die Domäne des DFKI sind. Zum Beispiel sollen Verkehrsaufkommen und Pendlerströme simuliert werden, um die Zahl der nötigen Stromtankstellen in der Region abzuschätzen. Nur ein weiteres Thema ist die Kommunikation zwischen Batterie und Abrechnungseinheit in der Stromtanksäule.

Der vierte Themenschwerpunkt kreist um die Entwicklung geeigneter Verkehrskonzepte und Geschäftsmodelle. Mit welchen Ideen können sich die Politiker in der Modellregion anfreunden, um E-Mobilität zu fördern? Denkbar wären Vorzugsparkplätze oder die Erlaubnis, mit Elektroautos Busspuren zu befahren, erklärt Rausch. Und: "Nur wenn sich mit Elektromobilität Geld verdienen lässt, wird sie eine Chance haben." Wie könnten Dienstleistungen für E-Mobilisten berechnet werden, wie können Abrechnungsmodalitäten aussehen? E-Auto-Fahrer müssen ihre Akkus an jeder Stromtanksäule aufladen können – doch wie bezahlt zum Beispiel ein EWE-Kunde an einer SWB-Säule?

Institute verfolgen langfristige Ziele

Um ihre Pläne zu realisieren, haben die Wissenschaftler ehrgeizige Zeitvorgaben: Der Förderzeitraum reicht zunächst nur bis Mitte 2011. "Wir verfolgen aber darüber hinausgehende Ziele", sagt der Projektmanager. Interesse des IFAM und des DFKI sei es, Technologie für E-Mobility zu entwickeln. Deshalb arbeite bereits seit April 2009 eine IFAM-Forschungsgruppe mit 40 Mitarbeitern in Oldenburg in enger Abstimmung mit der Universität Oldenburg und dem EWE-Forschungszentrum Next Energy an Komponenten und Systemen für E-Autobatterien. "Wir hoffen mit dem aktuellen Vorhaben, uns mit dem Partnernetzwerk so zu etablieren und zu festigen, dass wir weitere Projekte für die Modellregion akquirieren können."

5.728 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann