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Kurzfassung: "Ich dachte, ich würde fliegen"

Schwung nehmen, die Füße auf die Pedalen und losradeln - das lernen auch Erwachsene in den Kursen des ADFC Bremen. Foto: Astrid Labbert
Schwung nehmen, die Füße auf die Pedalen und losradeln - das lernen auch Erwachsene in den Kursen des ADFC Bremen. Foto: Astrid Labbert

Rad fahren kann doch jedes Kind – ein Irrglaube. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bietet Kurse für Erwachsene an. Die Nachfrage steigt.
Ein Schulhof in Bremen. Auf dem Pflaster stehen signalrote Hütchen in einer langen Reihe. An deren Ende sitzen drei Frauen auf 24er-Rädern. Eine von ihnen strahlt: Bona Kadiu hat gerade den Parcours absolviert. Anfangs wackelte ihr Lenker, das Schwungholen hatte sie kurz aus dem Gleichgewicht gebracht, aber jetzt hält sie sicher an der Ziellinie. Erst gestern trat sie zum ersten Mal im Leben in die Pedale. Das Gefühl, versichert die 36-Jährige, sei unglaublich gewesen: "Ich dachte, ich würde fliegen."

Gründe, nicht Rad fahren zu können, gibt es heute noch viele: In manchen Familien hat Rad fahren keine Tradition, manchen Eltern ist es für ihre Kinder zu gefährlich, bei Zuwanderern war in der Heimat das Rad oft nicht erschwinglich oder verbreitet.

Ausflüge mit der Familie

Bona Kadiu (l.) will im nächsten Sommer Radausflüge mit ihrer Familie machen. Die Mitarbeiter des ADFC geben ihr noch Tipps mit auf den Weg. Foto: Astrid Labbert
Bona Kadiu (l.) will im nächsten Sommer Radausflüge mit ihrer Familie machen. Die Mitarbeiter des ADFC geben ihr noch Tipps mit auf den Weg. Foto: Astrid Labbert

So wie bei Bona Kadiu, seit acht Jahren in Deutschland: Als die gebürtige Albanerin klein war, hatte in ihrem Dorf kaum jemand ein Fahrrad. Ihre Kinder hätten in Deutschland selbstverständlich Rad fahren gelernt, sagt sie. Im nächsten Sommer will sie mit Mann und Kindern endlich Ausflüge machen wie alle anderen.

Wie viele Erwachsene nicht Rad fahren können, ist unbekannt. Aber es gibt sie eben, das wusste der Bremer ADFC-Landesverband, als er vor rund elf Jahren die ersten Kurse anbot. Anfangs waren unter den Teilnehmern – von 16 bis 80 Jahre, von Hausfrau bis Arzt – jene, die nach dem Krieg keine Gelegenheit hatten, auf ein Rad zu steigen. Inzwischen bietet der ADFC bundesweit mit der Volkshochschule oder Stadtteilinitiativen Kurse an, größtenteils für Migranten.

Schrittweises Lernen

In den ersten zwei Tagen fahren die Teilnehmer Roller, um ein Gefühl für Gleichgewicht und Bewegungsabläufe zu bekommen. Am dritten Tag geht's auf die Räder, noch ohne Pedale. Einen Tag später werden dann bei den meisten die Pedale ausgeklappt – und los geht es.

Männer üben lieber allein

Wenn es gut läuft, machen die Teilnehmenden in der zweiten Woche einen Ausflug in den Straßenverkehr. Nach dem zweiwöchigen Kurs können die meisten allein weiterüben. Vorrangig sind Frauen in den Kursen. "Alle zwei Jahre haben wir vielleicht mal einen Mann dabei", sagt ADFC-Bremen-Geschäftsführer Klaus-Peter Land. Woran das liegt? Vermutet werde, so Land: Männer trauten sich in der Regel weniger zuzugeben, dass sie nicht radeln können. Oder sie üben lieber allein.

Mehr unter www.adfc.de

2.866 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

ADFC e.V.

Bundesverband
Bettina Cibulski

E-Mail: bettina.cibulski[at]adfc.de