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Kurzfassung: Intelligenz auf Rädern

Christian Mandel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bremen, programmiert den Computer unter der Sitzfläche des Rollstuhls.
Christian Mandel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bremen, programmiert den Computer unter der Sitzfläche des Rollstuhls. Foto: Focke Strangmann

Unterwegs mit Rolland und iWalker: Bremer Forscher basteln an Hilfsmitteln für eine alternde Gesellschaft.

Erst fährt Burkhard Körner eine enge Kurve, dann eine Rampe hinauf und vorsichtig wieder hinunter, doch statt der geplant scharfen Kehrtwende rollt Körner nun versehentlich geradewegs auf ein Mäuerchen zu. Bevor das Gefährt dagegen prallt, bremst es ab, ohne dass der 61-Jährige etwas dazu getan hätte.

"Montag war’s noch ungewohnt, aber heute geht es schon ganz gut", sagt Körner über die letzte halbe Stunde an diesem Mittwoch. Er ist Testfahrer, wie einige andere Patienten im Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen erprobt er im Innenhof der Klinik einen neuartigen Rollstuhl. Genauer: ein handelsübliches Modell, das vom Forschungsbereich Sichere Kognitive Systeme (SKS) des Deutschen Zentrums für Künstliche Intelligenz und der Universität Bremen umgebaut wurde.

"Rolland" heißt dieses Versuchsfahrzeug. Sein wesentliches Markenzeichen erklärt Dr. Christian Mandel vom SKS: "Es weicht selbsttätig Hindernissen aus." Möglich machen das zwei Lasersensoren an dem Rollstuhl. Sie erkennen frontale und seitliche Hindernisse und geben die Informationen an einen Mini-Computer weiter, der gezielt Räder bremsen kann und so ausweichen lässt.

Der Rolland ist eines der herausragenden Projekte des SKS auf dem Forschungsfeld "Ambient Assisted Living" (AAL), in etwa: Hilfssysteme für ein unabhängiges Leben. Gedacht sind sie vor allem für Ältere, deren körperliche und geistige Fähigkeiten nachlassen. Aber auch Menschen mit Behinderungen sollen profitieren.

Drei Wochen werden die Tests im Freien dauern, dann zieht Rolland zurück in ein Labor der besonderen Art: das "Bremen Ambient Assisted Living Lab". Dabei handelt es sich um eine 60 Quadratmeter große alten- und behindertengerechte Wohnung, die auf den ersten Blick wie ein ganz normales Appartement aussieht. Doch das Bett ist ebenso elektrisch verstellbar, wie sich die Küchenschränke herauf und herunter fahren lassen, und verlassen Besucher das Schlafzimmer, geht hinter ihnen das Licht aus, und die Fenster schließen sich.

In der Wohnung erproben Forscher technische Hilfsmittel und fragen, ob und wie sie weiterentwickelt werden müssen. Und neben dem Rolland testen sie hier eine weitere Erfindung für die Zukunft einer alternden Gesellschaft: den „iWalker“. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein intelligenter Rollator mit ähnlichen Fähigkeiten wie der Rolland, zu denen auch gehört, dass sie auf Kommando selbsttätig von einem Punkt zum anderen fahren können. Vorausgesetzt, ihre Computergehirne haben eine Karte der Umgebung abgespeichert, in der eine feste Route zwischen Wand und Tür vorgegeben ist.

Für die Marktreife noch zu teuer

Bernhard Körner steuert den Rollstuhl durch den Parcours - die Sensoren für die Steuerung per Kopfbewegungen stecken in der weißen Mütze.
Bernhard Körner steuert den Rollstuhl durch den Parcours - die Sensoren für die Steuerung per Kopfbewegungen stecken in der weißen Mütze. Foto: Focke Strangmann

Zurück nach Friedehorst. "Der Rollstuhl ist schön, aber ich brauche so etwas nicht, ich kann ja die Hände noch benutzen", sagt Burkhard Körner, denn in diesen Tagen wird Rolland in einer speziellen Ausführung getestet: statt der sonst üblichen Lenkung mit Sprache oder Joystick mit Kopfsteuerung.
Ob der kluge Stuhl – oder auch der Rollator – einmal in Serie geht? "Noch sind die Laserscanner viel zu teuer", sagt Mandel. Der Rollstuhlhersteller würde sie zwar gern integrieren, glaube aber, dass sie die Stühle allenfalls um 500 Euro verteuern dürften, um marktfähig zu sein.

Mehr unter www.dfki.de/sks

3.349 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Julia Gantenberg

E-Mail: Julia.Gantenberg[at]dfki.de