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Kurzfassung: Entwicklungshilfe mit Espresso

Von der Röstung bis zur Verpackung: Die gesamte Wertschöpfung des Solino-Kaffees liegt im Erzeugerland Äthiopien.
Von der Röstung bis zur Verpackung: Die gesamte Wertschöpfung des "Solino"-Kaffees liegt im Erzeugerland Äthiopien. Foto: Felix Ahlers

Tagsüber ist Felix Ahlers Chef eines führenden Lebensmittelunternehmens, in der Freizeit unterstützt er äthiopische Kaffeeproduzenten – so sieht wirkungsvolle Entwicklungsarbeit aus.

Das Kaffeeangebot in den 42 Perfetto-Feinkostmärkten von Karstadt ist bunt und vielfältig. Vielleicht fallen deshalb die schlank verpackten neuesten Produkte – denn sie sind weiß und mit ihrer schlichten, dunklen Beschriftung nahezu puristisch gestaltet. Noch wichtiger als das Äußere ist der Grund, warum der "Solino Espresso" auf den deutschen Markt gekommen ist: "Dies ist nicht irgendein Kaffee, sondern er kann auch zeigen, wie nachhaltig Arbeitsplätze in einem Land der so genannten Dritten Welt geschaffen werden können", sagt Felix Ahlers.

Normalerweise lenkt Ahlers den Bremerhavener Tiefkühlkosthersteller Frosta. Mit "Solino" hat er nun privat ein Hilfsprojekt der besonderen Art gestartet. "Um die ungleichen Verhältnisse zu bekämpfen, reicht es nicht aus, ungeheure Summen von Entwicklungsgeldern von Nord nach Süd zu leiten", meint Ahlers: "Wenn wir dauerhaft etwas ändern wollen, müssen die Menschen in den armen Ländern an der Wertschöpfungskette insgesamt und nicht nur an ihrem Anfang beteiligt werden."

Die Chance dazu eröffnete sich, als die Europäische Union 2008 die Zollbestimmungen für die Entwicklungsländer des Asien-Karibik-Pazifik-Raumes lockerte. Früher durfte etwa Äthiopien nur rohe Bohnen zollfrei nach Deutschland einführen – jetzt auch gerösteten Kaffee.

Kaffee aus Äthiopien zählt zu den besten Sorten der Welt, und die Solino-Rösterei liefert seit Jahren hochwertige Ware für den heimischen Markt: "Wir hatten also von Anfang an ein konkurrenzfähiges Produkt", sagt Ahlers, der eher zufällig in Adis Abeba einigen Kaffeeröstern über den Weg gelaufen war, mit denen er nun kooperiert.

Damit auch die weiteren Verarbeitungsschritte in Äthiopien möglich wurden, stellte er seine Erfahrung zur Verfügung. "Wie müssen Verpackungen aussehen, wie müssen Kaffeeschachteln bemessen sein", gibt der Unternehmer einen kleinen Einblick. Einen guten Vertriebspartner fand Ahlers schließlich in den Feinkostmärkten.

"Die Qualität ist einfach super"

Entwicklungshilfe im Feinkostregal: Felix Ahlers unterstützt die äthiopischen Produzenten dabei, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Foto: W. Heumer
Entwicklungshilfe im Feinkostregal: Felix Ahlers unterstützt die äthiopischen Produzenten dabei, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Foto: W. Heumer

Nach gut zwei Jahren ist nun der erste Container mit "Solino"-Produkten eingetroffen und die Ware mittlerweile an die Filialen verteilt. Ahlers hat keine Zweifel, dass sich "Solino" gut vermarkten lässt. "Die Qualität ist einfach super, das werden die Verbraucher bei den geplanten Verkostungsaktionen bestimmt bestätigen."

Einen Container pro Monat abzusetzen ist das Ziel, das große Wirkung haben könnte. Während Rohkaffee für den Export in Addis Abeba derzeit mit zwei bis drei Euro pro Kilo gehandelt wird, erzielt die Kooperative mit fertig verpacktem Röstkaffee zwischen 6,70 und 8,90 Euro pro Kilogramm, die direkt Äthiopien zugute kommen.

Die Rösterei stellte bereits neue Mitarbeiter ein und kann ihnen künftig auch das Dreifache des üblichen Monatslohns von 20 Euro zahlen. Für Ahlers unterstreicht dies die Bedeutung des Vorhabens: "Nur den Kaffeebauern etwas mehr Geld zu zahlen reicht nicht. Wenn neue Berufsgruppen entstehen, kann sich das Land wirklich entwickeln."

Dass es bis zum Durchbruch von "Solino" noch einige Mühen und viel Engagement kosten wird, ist ihm klar – und zugleich egal. "Ich wollte immer schon etwas tun, was anderen nützt", sagt er. Und: "Im Grunde kann man das Prinzip auf jedes Produkt anwenden, für das die Landwirte in den armen Ländern die Rohstoffe liefern."

Mehr unter www.solino-kaffee.de

3.509 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Felix Ahlers

E-Mail: ahlers.f[at]frosta.de