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Kurzfassung: Cuvée Karacho von der Hausmauer

Weinhändler Ralph Saxe erntet die Weinreben von Häuserfassaden mitten im Bremer Stadtgebiet.
Weinhändler Ralph Saxe erntet die Weinreben von Häuserfassaden mitten im Bremer Stadtgebiet. Foto: Focke Strangmann

Ein Bremer Weinhändler keltert Wein aus Trauben, die mitten in seiner norddeutschen Heimatstadt gewachsen sind.

Mit Plastikeimer und einer Trittleiter unter dem Arm steuert Ralph Saxe auf eine alte Stadtvilla im gutbürgerlichen Bremer Stadtteil Schwachhausen zu: Der Bremer Weinhändler ist zur Weinlese unterwegs. Gleich schräg gegenüber seinem Geschäft in der Wachmannstraße erntet er die letzten Trauben eines Blauen Portugiesers, die noch an einer Hausmauer hängen. Vorsichtig greift er an den herbstträgen Wespen vorbei, die, wie Saxe erklärt, mitten in der Stadt kaum andere Nahrung als den Wein finden und deshalb "ungern teilen".

Seit 2007 betätigt sich Ralph Saxe nicht mehr nur als Händler edler Tropfen, sondern auch als Hobbywinzer. 25 Weinstöcke erntet er jeden Herbst im Stadtteil ab. Im reichen Jahrgang 2009 erbrachte allein ein einziger unter Bremer Sonne gereifter Weinstock, der eine ganze Hauswand überrankt hat, etwa 80 Kilogramm Trauben.

Insgesamt erntete Saxe in dem Jahr 360 Kilogramm, aus denen ungefähr 180 Liter Wein wurden. Gemäß seiner Herkunft aus der Wachmannstraße heißt sein Produkt "Wachmann Wein", den es in Sorten mit so vielsagenden Namen wie "Cuvée Karacho", "Finesse Air" oder "Finesse**" gibt. Das künstlerisch gestaltete Etikett erklärt augenzwinkernd, dass der "Karacho" von einer "ururalten Rebe" stamme.

Mit 30 Kilogramm Trauben von der Nachbarin fing alles an

Nicht für den gewerbsmäßigen Verkauf: Hobbywinzer Ralph Saxe präsentiert den Wachmann Wein aus ururakter Rebe.
Nicht für den gewerbsmäßigen Verkauf: Hobbywinzer Ralph Saxe präsentiert den "Wachmann Wein" aus "ururakter Rebe". Foto: Focke Strangmann

"Eine Nachbarin hat den Anstoß gegeben", erzählt Saxe. "Eines Tages brachte sie 30 Kilogramm Weintrauben und fragte mich, ob ich daraus Wein herstellen wolle. Da habe ich erst mal geschluckt. Und dann habe ich sie angenommen und mit dieser Geschichte angefangen."

Man spürt, wie viel Spaß ihm die Hobbywinzerei macht. Gleichzeitig ist klar, dass der Weinkenner nach professionellen Maßstäben produziert. "Unter 80 Öchsle mache ich nichts. Der hat dann aber Kabinettqualität", fachsimpelt er über die mögliche Qualität und den Alkoholgehalt seiner Produkte.

2010 ist "ein schwieriger Jahrgang". Saxe rechnet dieses Jahr mit nicht mehr als 80 Litern Wein aus insgesamt nur 160 Kilogramm Trauben. "Zwei von den drei über 100 Jahre alten Stöcke waren ein Totalausfall", berichtet er. "Es war erst so lange zu kalt. Dann kam dieser sehr heiße trockene Sommer. Das mag der Wein auch nicht so gerne."

So besonders der "Wachmann Wein" ist, der nördlichste Wein Deutschlands ist er nicht. Das dürfte einmal der aus Keitum auf Sylt sein. Dort stehen seit 2009 auf zwei Hektar 1.600 Weinstöcke. Und im Hamburger Stadtteil St. Pauli wächst der "Hamburger Stintfang Cuvée", der vom Bürgerschaftspräsidenten an besondere Persönlichkeiten verschenkt wird.

Für eine gute Sache

"Gottseidank muss ich nicht alle Trauben alleine ernten, viele Menschen bringen mir ihre Früchte", sagt Saxe. Die Traubenspender bekommen ein oder zwei Flaschen als "Belegexemplare" kostenlos. Ansonsten verkauft Weinhändler Saxe seinen „Wachmann Wein“ im Laden.

Der Händler darf seine Eigenproduktion allerdings nicht gewerblich nutzen – Cuvée Karacho und Co. sind in keinem regulären Anbaugebiet entstanden. Dennoch bezahlen seine Kunden stolze 15 Euro für die Halbliterflasche. Diese Einnahmen spendet der dreifache Vater und Kommunalpolitiker zu 100 Prozent für die Sache der Kinder: für ein neues Spielgerät und eine Skulptur der Kinderrechte, die an einem zentralen Platz im Stadtteil aufgestellt werden soll.

3.407 Zeichen, Autorin: Ulrike Bendrat

Pressekontakt:

Vinum Weinhandel

Ralph Saxe

E-Mail: vinumsaxe[at]ewetel.net