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Vom Knetgummi-Dildo zum Design-Vibrator

Rund 1,3 Millionen Sexspielzeuge verlassen jährlich die Fun Factory. 60 Prozent der Ware geht in den Export.
Rund 1,3 Millionen Sexspielzeuge verlassen jährlich die "Fun Factory". 60 Prozent der Ware geht in den Export. Foto: Jörg Sarbach

Vor 15 Jahren hätte sich Dirk Bauer wohl nicht träumen lassen, dass er einmal mit einem Vibrator Designwettbewerbe gewinnen würde. Heute ist seine Firma Fun Factory eine der Großen der Erotikspielzeugbranche - und expandiert.

Es gibt Geschichten, die behalten ihren Witz – man kann sie noch so oft erzählen. Dazu gehört zweifelsohne die Gründungslegende von Fun Factory. Und die geht so: 1995 sitzen die Freunde Dirk Bauer und Michael Pahl zusammen. Bauers damalige Frau führt in Bremen einen Erotikshop für Frauen und klagt, dass die meisten Produkte weder besonders ansprechend noch qualitativ gut verarbeitet seien. Die Freunde basteln am Küchentisch einen ersten Dildo aus Knetgummi, er ist die Vorlage des "Paddy Pinguin", der später in die Produktpalette von Fun Factory eingehen soll. Der erste "Paddy" aus Silikon trocknet in einem Weizenbierglas aus. Die Prototypen werden verkauft – aus dem VW-Bus auf Märkten in Norddeutschland.

Sex sells - auch quietschbunt

In den Neunzigern sei es nicht schwer gewesen, Akzente zu setzen, sagt Dirk Bauer heute. Was auf dem Markt war, war meist aus Plastik – und hautfarben. "Am besten noch mit Adern drauf." Fun Factory setzte auf Fantasie statt Realismus, auf bunte Dildos und Vibratoren, weiches Silikon und witziges Design, auf Produktnamen wie "Patchy Paul", "Delight" oder "Twist’n’Shake".

Sex sells – den Leitspruch haben sich die beiden Ingenieure mit Spaß zu Eigen gemacht. "Wir sind in einer Phase gestartet, in der wir in der Erotikwelt Akzente setzen konnten. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagt Bauer heute. Inzwischen ist er Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das die europäische Marktführerrolle im Erotikspielzeuggeschäft für sich beansprucht.

Im Besprechungsraum der Firma, die gerade den Umzug in ein größeres Gebäude in einem Bremer Gewerbegebiet vollzieht, hängt noch eine Weltkarte an der Wand. Sie ist mit bunten Mini-Dildos übersät, die wie kleine Fähnchen aus der Karte ragen und die Länder markieren, in denen sie vertreten sind. Egal ob USA, Spitzbergen, Mauritius oder Spanien: Weltweit werden Dildos "made in Germany" verkauft, 60 Prozent der Produktion gehen inzwischen in den Export. Rund 1,3 Millionen Sexspielzeuge verlassen das Haus im Jahr, der Jahresumsatz lag 2009 bei 15 Millionen Euro, die Mitarbeiterzahl bei 85.

Erotikspielzeug: ein Wachstumsmarkt

Pornofrei: Spaß und anspruchsvolles Design sind zum Markenzeichen der Bremer Fun Factory geworden.
Pornofrei: Spaß und anspruchsvolles Design sind zum Markenzeichen der Bremer "Fun Factory" geworden. Foto: Jörg Sarbach

Die Erotikspielzeugbranche ist längst ein Wachstumsmarkt, das haben auch große Elektronikhersteller wie Phillips erkannt. Phillips ist 2008 in den Markt eingestiegen. Bei Fun Factory baut man auch angesichts der Konkurrenz auf den Erfahrungsvorsprung und die Entwicklungsarbeit. Während in der Fertigung also die violette Serie des vor einem Jahr entwickelten Männervibrators "Cobra Libre" zusammengesetzt wird, tüftelt man in der Entwicklungsabteilung bereits an neuen Produkten.

Hier ist auch das Büro von Mitgründer Michael Pahl. Der Ingenieur kümmert sich um das technische Innenleben der Spaßmacher. Vibratoren sollen schnurren und nicht rütteln, das ist sein Anspruch. Hier geht es um Funktionalität, um Bedienungsfreundlichkeit, aber auch darum, die technischen Möglichkeiten wohldosiert einzusetzen. Ein Lernprozess, sagt Pahl: "Technisch ist noch viel mehr möglich, aber ob es sinnvoll ist, ist eben die zweite Frage. Es soll ja auch noch etwas im Kopf stattfinden." Zwei Jahre Entwicklungsarbeit – von der Formentwicklung bis zur Technik – steckt beispielsweise im Vibrator "Delight", der 2008 den Designpreis "red dot award" erhielt. Übrigens in der Kategorie "Sport, Spiel und Freizeit".

Der nächste Schritt: die Öffentlichkeitsoffensive

"Love yourself" lautet das Motto, mit dem die Firma seit fast 15 Jahren die Branche mitgeprägt hat. Nicht Schmuddel, sondern Lifestyle ist die Botschaft, und die hat neue Kundenkreise angesprochen. "Wir agieren pornofrei und haben keine Abbildungen von Körperteilen", betont Bauer. Spaß und anspruchsvolles Design sind zum Markenzeichen geworden.

In der Branche hat sich Fun Factory einen Namen gemacht. Jetzt will das Unternehmen seine Produkte auch in der breiten Öffentlichkeit bekannter machen. "Wir sind der größte Hersteller in Europa, und keiner kennt uns", sagt Bauer. "Wir müssen unsere Marke bekannt und erlebbar machen." Der erste Schritt: Im Frühjahr wurde das erste Verkaufsgeschäft in Berlin eröffnet, das mehr mit einer Edel-Boutique denn einem herkömmlichen Erotikshop gemein hat. Seit November wird täglich eine Verkaufssendung im Fernsehen ausgestrahlt.

Und auch in Bremen will das Unternehmen künftig Gesicht zeigen. Regelmäßig gebe es Anfragen für Betriebsführungen, heißt es bei Fun Factory. Vereine, gar Parteien würden gern mal sehen, wie "Paddy Pinguin" und "Patchy Paul" entstehen. Das soll ab 2011 möglich sein.

Mehr unter www.funfactory.de

4.800 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Fun Factory GmbH

Am Hohentorshafen 17-19
28197 Bremen

E-Mail: brandl[at]funfactory.de