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Kurzfassung: Auferstanden aus Ruinen

Fred Rese gehört in Osterholz-Tenever zu den Mietern der ersten Stunde und hat schwierige Zeiten im Stadtteil erlebt. Mittlerweile lebt er wieder gerne hier.
Fred Rese gehört in Osterholz-Tenever zu den Mietern der ersten Stunde und hat schwierige Zeiten im Stadtteil erlebt. Mittlerweile lebt er wieder gerne hier. Foto: Thomas Joppig

Kein anderer Stadtteil Bremens hat sich in den vergangenen Jahren so verändert wie Osterholz-Tenever. Jahrelang als Hochhausghetto verschrien, gilt das Quartier heute als Musterbeispiel dafür, was aus einer heruntergekommenen Großwohnsiedlung werden kann.

Vor ein paar Jahren noch, da war Fred Rese kurz davor wegzuziehen. In den Hausfluren in Osterholz-Tenever im Bremer Osten stank es damals nach Müll, Dreck und Urin, frustrierte Mitbewohner traten die Türscheiben der heruntergekommenen Hochhäuser ein, und so mancher, der ein kaputtes Sofa oder sonstigen Sperrmüll loswerden wollte, kippte einfach alles auf die Straße. Fred Reses Frau traute sich abends nicht mehr nach draußen – aus Angst, zwischen den düsteren Häuserschluchten überfallen zu werden.

In den Medien war das in den 70er Jahren als innovatives Architekturprojekt errichtete Tenever damals längst zu einer traurigen Berühmtheit gelangt. Heute muss kein Fremder hier mehr suchen, wo sich denn nun inmitten der grauen Betonfassaden eigentlich die Haustür befindet. Hohe, weinrote Eingänge mit überdimensionalen Nummernschildern weisen den Weg, alle Klingeln sind einheitlich beschriftet – und der Fußboden im lichten Eingangsbereich ist fast so sauber wie in einem Krankenhaus. Der moderne Edelstahl-Fahrstuhl saust empor in den vierten Stock, wo Fred Rese mit seiner Frau und seinem Sohn lebt. Wenn der 54-Jährige heute von seiner Loggia aus nach unten blickt, schaut er nicht mehr in einen tristen Innenhof, sondern auf ausgedehnte, gepflegte Rasenflächen, einen Spielplatz und Basketballkörbe.

Vorbei sind die Zeiten, als in Tenever fast ausschließlich Menschen ohne Job wohnten, weil günstige Wohnungen nur mit einem Berechtigungsschein des Sozialamts zu bekommen waren: "80 Prozent unserer neu eingezogenen Mieter sind berufstätig", sagt Ralf Schumann von der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba, die die meisten Wohnungen in Tenever unterhält. In der Tat sind nahezu alle der 1.411 Gewoba-Wohnungen im Stadtteil vermietet. "Leerstände", sagt Schumann, "gibt es heute nur noch für wenige Wochen. Genau wie in jedem anderen gefragten Stadtteil. Das hätte hier noch vor gut einem Jahr niemand für möglich gehalten." In den 90ern gar hatten bis zu 65 Prozent der Wohnungen leer gestanden.

Mit der Abrissbirne in die Zukunft

Sie haben gemeinsam viel für Osterholz-Tenever erreicht. Quartiermanager Joachim Barloschky und Gewoba-Projektleiter Ralf Schumann.
Sie haben gemeinsam viel für Osterholz-Tenever erreicht. Quartiermanager Joachim Barloschky und Gewoba-Projektleiter Ralf Schumann. Foto: Thomas Joppig

Die Zukunft Tenevers begann mit einem Abriss. Verwahrloste Schrottimmobilien mit insgesamt 930 Wohnungen fielen vor sechs Jahren den Baggern und eisernen Birnen zum Opfer. Der Blick aus den verbliebenen Hochhäusern wurde freier, dunkle Ecken und hässliche, überirdische Betonwege zwischen den Wohnkomplexen verschwanden. "Weg mit den Angst-Räumen – das war das Motto", erinnert sich Tenevers Quartiermanager Joachim Barloschky.

72,3 Millionen Euro investierten Bremen, der Bund und die Gewoba in die Sanierung Tenevers. Eine groß angelegte Werbekampagne nannte Osterholz-Tenever lässig "OTe", und vielen Bremern dämmerte, dass der Stadtteil nicht mehr der alte war. Mittlerweile gilt Tenever bundesweit und auch international als Musterbeispiel für den Wandel einer heruntergekommenen Großwohnsiedlung zum gefragten Quartier. "Bremen war die erste westdeutsche Stadt, die im großen Stil Hochhäuser abreißen ließ", so Martin Karsten, Projektleiter bei der Bundestransferstelle Stadtumbau West. "Besonders die Kombination aus Abriss und Verbesserung der sozialen Infrastruktur ist bundesweit einzigartig." Und Fred Rese? Der freut sich heute, dass er nicht weggezogen ist.

Mehr unter www.gewoba.de

3.492 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakte:

Projektgruppe Tenever

Joachim Barloschky

E-Mail: Projektgruppe[at]bremen-tenever.de

GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen

Karin Liedtke

E-Mail: liedtke[at]gewoba.de

Bundestransferstelle Stadtumbau West

Martin Karsten

E-Mail: karsten[at]forum-oldenburg.de