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Kurzfassung: Das Streben nach Glück

Ein Lächeln kann Glück bedeuten, aber auch Verlegenheit - auch kulturelle Unterschiede untersucht die Happiness Research Group an der Jacobs Universität. Foto: Jörg Sarbach
Ein Lächeln kann Glück bedeuten, aber auch Verlegenheit - auch kulturelle Unterschiede untersucht die "Happiness Research Group" an der Jacobs Universität. Foto: Jörg Sarbach

Wie werde ich glücklich? 80.000 Google-Einträge liefert diese Frage. Die Suche nach dem Glück ist populär, und neben anderen liefern Bremer Glücksforscher die Fakten dazu.

"Glück kann man nicht kaufen", sagt der Volksmund. "Falsch", sagt der Soziologe Jan Delhey von der privaten Bremer Jacobs University. Kürzlich hat er mit einem Kollegen eine Studie zur Ungleichheit von Glück in einer Gesellschaft abgeschlossen, wobei für Soziologen der Gradmesser die Lebenszufriedenheit der Menschen ist.

In seiner Untersuchung fand Delhey einen engen Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück: Wer mehr hat, äußert sich zufriedener mit seinem Leben als der weniger Gutbetuchte. Allerdings nimmt die Bedeutung von Geld mit dem Wohlstandniveau einer Gesellschaft ab. In reichen Ländern definiert sich Glück weniger stark über materiellen Besitz als in ärmeren.

Bei seinen Studien kam auch heraus, dass die Glücksungleichheit in reichen Gesellschaften geringer ausfällt als in armen. "Auf einem höheren Wohlstandsniveau ist das Leben durchaus für viele relativ erträglich", so Delhey. Kein Wunder sei also, dass im weltweiten World Value Survey immer wieder Länder wie Dänemark oder die Schweiz die Rankings anführen und nicht Bangladesh, Bhutan oder Nigeria, wie gelegentlich zu lesen. "Das sind Anekdoten. Solche Ergebnisse fördern allenfalls einzelne Umfragen von zweifelhafter Qualität zutage."

Delhey ist nicht der einzige, der sich an der Jacobs University mit dem beschäftigt, was Menschen glücklich macht. Auch Hilke Brockmann, ebenfalls Soziologin, forscht am Glück - oder Arvid Kappas, Psychologe, der die Emotionen der Menschen untersucht. Mit fünf anderen Soziologen, Ökonomen und Psychologen haben sie sich zur "Happiness Research Group" zusammengeschlossen. Unter dem gemeinsamen Label haben Delhey und Brockmann 2008 eine erste Konferenz veranstaltet, zur Dynamik von Glück. Im Januar 2001 folgt nun die zweite Tagung. Thema diesmal: "Ist mehr immer besser?"

"Ist es nicht", sagt Hilke Brockmann. Sie untersucht unter anderem das Glück der Chinesen. Das Land erlebt einen rasanten Wirtschaftsaufschwung. "Man sollte meinen, es wird alles besser - aber die Leute werden immer unglücklicher", sagt die Wissenschaftlerin.

Glück ist relativ

Die Erklärung liege im Vergleich mit anderen. "Glück ist keine absolute Größe, sondern relativ." Nur wenige schwimmen auf der Bugwelle des Aufschwungs. Die große Mehrheit verdient zwar auch mehr als früher, der wachsende Abstand an Einkommen, aber auch an Bildung und Einfluss macht unzufrieden.

Arvid Kappas kann das Glück erfragen, er kann es aber auch regelrecht im Labor messen. Er legt dafür Probanden Sensoren an ihre Gesichtsmuskulatur. "Wenn ich beispielsweise frage: 'Wie war der letzte Urlaub?', und der war schön, dann entspannt sich der Muskel, der die Augenbrauen zusammenzieht", sagt er.

Sensibel für ein Lächeln

Sind dem Glück auf der Spur: Prof. Dr. Arvid Kappas (li.), Prof. Dr. Hilke Brockmann und Prof. Dr. Jan Delhey spüren an der Bremer Jacobs University dem Glück nach. Foto: Jörg Sarbach
Sind dem Glück auf der Spur: Prof. Dr. Arvid Kappas (li.), Prof. Dr. Hilke Brockmann und Prof. Dr. Jan Delhey spüren an der Bremer Jacobs University dem Glück nach. Foto: Jörg Sarbach

Seine Methoden zur Erforschung von Gefühlen bringt er nun in ein internationales Projekt ein. Die Forscher wollen mit 2,5 Millionen Euro EU-Mitteln computergestützte Erziehungsprogramme für Kinder und junge Erwachsene entwickeln, die die Sensibilität für kulturelle Unterschiede und die Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen fördern sollen - ein Lächeln bedeutet eben nicht immer Glück, sondern kann auch Verlegenheit ausdrücken oder aufgesetzt sein.

Kappas' Aufgabe ist es zu erreichen, dass Spieler in der Auseinandersetzung mit virtuellen Personen im Computer ein Einfühlungsvermögen entwickeln, das später auf echte Begegnungen übertragbar sein sollte. Dafür wird er unter anderem messen, wie Probanden auf den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen reagieren: Wie ändern sich Herzfrequenz, Hautleitwiderstand, Aktivität der Gesichtsmuskeln?

Reichlich Teilnehmer für interkulturelle Studien sind ihm und den anderen Forschern gewiss: An der Jacobs University lernen 1.200 Studenten aus mehr als 100 Ländern. In ersten soziologischen Untersuchungen habe sich gezeigt, dass sich auf dem Campus dieselben Werte und Unterschiede zwischen den Kulturen fänden wie in der richtigen Welt, sagt Jan Delhey. Hier lassen sich darum im Kleinen Hypothesen testen für große Studien. Deshalb sieht der Forscher für die Glücksforschung an der Jacobs University noch viel Zukunft: "Wir bilden hier sehr viel ab, das sonst nur in sehr teuren, riesigen Projekten darzustellen wäre."

Mehr unter www.jacobs-university.de

4.370 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakte:

Prof. Dr. Hilke Brockmann

E-Mail: h.brockmann[at]jacobs-university.de

Prof. Dr. Jan Delhey

E-Mail: j.delhey[at]jacobs-university.de

Prof. Dr. Arvid Kappas

E-Mail: a.kappas[at]jacobs-university.de