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Mit C@rin gegen das Chaos

Über rund 1,5 Millionen Fahrzeuge jährlich behält BLG-Manager Björn Husemann dank der virtuellen Mitarbeiterin C@rin den Überblick. Foto: Wolfgang Heumer
Über rund 1,5 Millionen Fahrzeuge jährlich behält BLG-Manager Björn Husemann dank der virtuellen Mitarbeiterin "C@rin" den Überblick. Foto: Wolfgang Heumer

Europas größter Auto-Umschlagplatz erholt sich von der Wirtschaftskrise. Ständig warten auf dem Terminal in Bremerhaven Zehntausende Fahrzeuge gleichzeitig auf Abfertigung. Dank ausgeklügelter Logistik ist noch keines im Gewimmel verloren gegangen.

Der Hannoveraner Polizist, der zum Segelschiff-Spektakel Sail im Sommer 2010 seine Bremerhavener Kollegen unterstützte, staunte bei der obligatorischen Hafenrundfahrt nicht schlecht: "Mensch, ihr habt eure Autofahrer aber im Griff", lobte er den Anblick der fein säuberlich im Hafen aufgereihten Personenwagen. "Ja", bestätigte Björn Husemann, Customer Service Manager bei dem mehrheitlich Bremen gehörenden Umschlagunternehmern BLG Automobile Logistics. "Allerdings wurden sie nicht von Privatleuten, sondern von unseren Mitarbeitern eingeparkt."

Die Fahrzeuge stehen dabei nicht nur ordentlich in Reih und Glied, sondern sind systematisch geordnet: "Wir haben sie so aufgestellt, dass sie mit der geringstmöglichen Strecke von und zu den Transportschiffen gebracht werden können", sagt Husemann.

Die logistische Meisterleistung, die sich hinter dem sauberen Parksystem verbirgt, machen schon wenige Zahlen deutlich. Etwa 1,58 Millionen Autos bewegte die BLG in diesem Jahr auf dem Terminal, der damit erneut die führende Automobildrehscheibe des Kontinents war. Rund 1,2 Millionen Wagen wurden aus deutscher Produktion exportiert, der Rest kam vor allem aus Korea und Japan, aber auch aus den Übersee-Fabrikationsstätten deutscher Marken.

Nach dem Krisenjahr 2009 "kehren wir damit schneller als erwartet zur Normalität zurück", freut sich der Vorstandsvorsitzende der BLG Logistics Group, Detthold Aden. Noch ist Bremerhaven zwar ein ganzes Stück von früheren Rekordzahlen mit mehr als zwei Millionen Import- und Exportwagen entfernt, "aber der Aufwärtstrend ist nicht zu übersehen", bestätigt auch Bremens Hafensenator Martin Günthner.

Alle vier Sekunden rollt ein Wagen über den Terminal

Rechnerisch bedeutet die lange Neuwagenschlange, dass an jedem Arbeitstag mit Ein- bis Zweischichtbetrieb etwa alle vier Sekunden ein Wagen über den Terminal rollt. Tatsächlich schlägt das Hochleistungsherz des Hafens aber ähnlich wie das eines Spitzensportlers - es gibt Zeiten des Hochbetriebs, die sich mit Phasen relativer Entspannung abwechseln.

Hochbetrieb herrscht beispielsweise, wenn einer der rund 70 Autozüge der BLG auf dem Terminal eintrifft und Neuwagen aus den Fahrzeugwerken in Süddeutschland "ausspuckt". "Die Wagen werden ja im Werk so auf die Waggons gerollt, wie sie vom Band laufen", erläutert Husemann. "Wir müssen sie aber nach Bestimmungshafen und Verschiffungstermin sortiert aufstellen."

Ähnliche Stoßzeiten gibt es auch, wenn eine der schwimmenden Hochgaragen im Hafen eintrifft. Bis zu 6.000 Fahrzeuge können auf den gigantischen Transportschiffen sein. Auch sie müssen binnen kürzester Zeit auf ihren Stellplatz gebracht werden, und das ohne Schramme oder Delle. "Unsere Fahrer sind eigens geschult, sie kennen sich mit jedem Fahrzeug aus, auch Schwerlastkräne oder Panzer zu fahren, ist für sie kein Problem", betont Husemann.

Platz wenigstens gibt es reichlich auf dem 2,4 Millionen Quadratmeter großen Terminal. 90.000 Wagen könnten dort stehen, „derzeit sind es etwa 45.000 Autos“, sagt Husemann. Dass keines verloren geht und das Team des Autoterminals jederzeit weiß, wo welcher Wagen steht, ist der virtuellen Mitarbeiterin C@rin zu verdanken.

Das "CAR Individual Network" ist ein von der BLG Logistics Group selbst entwickeltes Datensystem. Es begleitet alle Arbeitsschritte rund ums Auto auf dem Terminal, plant den Material- und Arbeitskräftebedarf und hält zugleich den aktuellen Status jedes einzelnen Fahrzeuges fest.

Eine Nummer für den Durchblick

Hier warten zehntausende Fahrzeuge auf die Verladung: Ein Blick von oben auf das Bremerhavener Autoterminal (Weitere Bilder unter www.blg.de) Foto: BLG Logistics
Hier warten zehntausende Fahrzeuge auf die Verladung: Ein Blick von oben auf das Bremerhavener Autoterminal (Weitere Bilder unter www.blg.de) Foto: BLG Logistics

"Dreh- und Angelpunkt ist die 17-stellige Fahrgestellnummer", erläutert Husemann. Diese Nummer befindet sich auch auf den Begleitscheinen, die die Hersteller jedem Auto deutlich sichtbar – meist an der Windschutzscheibe – anheften. Per Handscanner wird die Nummer erstmals beim Eintreffen erfasst. Bis zum Abtransport per Schiff oder Zug kann das Auto keinen einzigen Meter bewegt werden, ohne dass die Elektronik dies erneut registriert.

Zwischen diesen Zeitpunkten bearbeiten die BLG-Autospezialisten die Wagen mehr als es jede Spedition oder jede klassische Autowerkstatt täte. "Besonders arbeitsintensiv sind Importfahrzeuge", sagt Husemann. Zumeist werden die Neuwagen in einer Standardversion angeliefert. "In unseren Technikzentren rüsten wir sie dann vor der Auslieferung an den Kunden exakt nach dessen Wünschen aus." Mehr als 60 Ausrüstungspakete halten die Spezialisten bereit - für praktisch jede große Automarke der Welt. "Da versteht man, warum unsere Technikzentren als größte Autowerkstätten Europas gelten", meint Husemann.

C@rin hilft bei der Steuerung

Auch bei diesen Arbeiten ist C@rin mit dabei - spezielle Schnittstellen sorgen dafür, dass das Terminalsystem die Programmsprache des jeweiligen Autoherstellers versteht. Die Bestellungen werden so automatisch ins System eingepflegt, das wiederum die Teams der Terminalfahrer und der Werkstätten punktgenau zur Arbeit bringt.

Ähnlich funktioniert auch das System für die Exportwagen. Zumeist bleiben sie aber nur wenige Tage oder gar nur Stunden auf dem Terminal. "Nach der gründlichen Eingangsinspektion werden die Fahrzeuge gleich so geparkt, dass sie optimal für die Schiffsverladung bereit stehen", sagt Husemann.

Das Prinzip eignet sich im Übrigen nicht nur für die Massenanlieferungen großer Fahrzeugserien. Bremerhaven ist einer der größten Terminals für so genannte "High and Heavy-Ladung", rollende Fracht, die entweder auf speziellen fahrbaren Paletten festgezurrt ist wie zum Beispiel Panzer oder – wie Bagger und Mähdrescher – auf eigenen Rädern unterwegs ist.

Bei dieser schweren und großen Ladung hat C@rin allerdings die elektronische Hand nicht im Spiel. Hier bleibt es manuellen Systemen und dem Fingerspitzengefühl des Terminalteams überlassen, den sicheren Transport der Fahrzeuge zu gewährleisten. Gerade jetzt im Winter hat das manchmal abenteuerliche Auswirkungen und fordert die ganze Geschicklichkeit der Mitarbeiter.

"Wir dürfen vereiste Frontscheiben nicht frei kratzen, das Risiko einer Beschädigung wäre zu groß", sagt Husemann. Und trotzdem bekommen sie es immer hin, die Autos so zu parken, dass jeder Laie genauso staunt wie der Hannoveraner Polizist. "Die Reifen auf der linken Seite müssen auf der weißen Parkbuchtlinie stehen", erläutert Husemann das Geheimnis: Nicht nur Disziplin und Können der Fahrer, eine wirklich schlichte Dienstanweisung ist es, die die beeindruckende Ordnung auf dem Terminalparkplatz sicherstellt.

Mehr unter www.blg.de

6.689 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

BLG Logistics Group AG & Co. KG

Hartmut Schwerdtfeger

E-Mail: hschwerdtfeger[at]blg.de