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Kurzfassung: Schiffsortung aus dem All

Astrium-Projektleiter Dr. Hans Jörg Beestermöller in einem Nachbau des Columbus-Labors. Im Originallabor an Bord der internationalen Raumstation ISS werden die Chancen der Schiffsortung ausgelotet. Foto: Thomas Joppig
Astrium-Projektleiter Dr. Hans Jörg Beestermöller in einem Nachbau des Columbus-Labors. Im Originallabor an Bord der internationalen Raumstation ISS werden die Chancen der Schiffsortung ausgelotet. Foto: Thomas Joppig

Als wichtiger Standort der Raumfahrtindustrie gehört Bremen zu den Vorreitern, wenn es darum geht, Schiffsortung aus dem All zu testen. Ihr Potenzial könnte sie in der Seenotrettung oder im Umweltschutz entfalten.

Es ist nur eine kleine Antenne an der Internationalen Raumstation ISS – doch die weckt Hoffnungen. Schließlich empfängt sie seit etwa einem halben Jahr Schiffsmeldungen aus aller Welt. Bereits in den ersten 14 Stunden des Versuchs waren 90.000 Schiffsmeldungen an Bord der ISS eingegangen – von Kreuzfahrtschiffen, Tankern oder Containerfrachtern.

Das Forschungsprojekt im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation gehört zu den Vorbereitungen für das europäische Erdbeobachtungsprogramm GMES. Bisher ist Projektleiter Dr. Hans Jörg Beestermöller vom Bremer Raumfahrtunternehmen Astrium zufrieden: "Die Receiver empfangen die Daten zuverlässig." Einzig die Signale aus Gegenden mit besonders viel Schiffsverkehr überlagern sich noch, doch er ist optimistisch, dass sich dieses Problem lösen lässt.

Eine Einschätzung, die er mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) teilt. Das DLR unterhält in Bremen ein Institut für Raumfahrtsysteme und will 2011 einen kleinen Satelliten namens AISAT ins All schicken, der erstmals auch aus vielbefahrenen Seegebieten klare Standortbeschreibungen liefern soll.

Standortvorteil für Bremen

"Das Thema Schiffsortung aus dem All spielt für Bremen eine wichtige Rolle", sagt Dr. Stephan Holsten, Geschäftsführer der Landeseinrichtung CEON, die Anbieter und mögliche Nutzer von Raumfahrttechnologie miteinander ins Gespräch bringt. "In Bremen sind große Raumfahrtunternehmen ebenso ansässig wie wichtige Akteure der maritimen Wirtschaft. Das ist ein klarer Standortvorteil."

Die Ortung aus dem Orbit basiert auf dem automatischen Identifikationssystem AIS. Schiffe ab einer bestimmten Größe müssen dieses System seit Mitte 2008 an Bord haben. AIS sendet und empfängt wichtige Informationen von Schiffen wie Name, Größe, Kurs, Position und Geschwindigkeit. Übermittelt werden die Daten per VHF-Radiosignal.

Allerdings haben die Funksignale horizontal nur eine sehr begrenzte Reichweite von etwa 74 Kilometern. Vertikal reichen die Signale dagegen deutlich weiter, wie die Versuche auf der ISS zeigen, die 400 Kilometer über der Erdoberfläche schwebt. Auch Satelliten in 700 Kilometern Höhe können die Schiffssignale noch empfangen – so bietet die US-Firma Orbcomm, die einen Europa-Ableger in Bremen unterhält, bereits jetzt Schiffsortungen aus dem All an.

Vielfältige Erkenntnisse

Jede Minute im All ist verplant. Trotzdem fand sich im Zeitplan der ISS-Astronauten eine Lücke für den Einbau der Antenne. Foto: NASA
Jede Minute im All ist verplant. Trotzdem fand sich im Zeitplan der ISS-Astronauten eine Lücke für den Einbau der Antenne. Foto: NASA

Bei Orbcomm zählt bereits die US-amerikanische Küstenwache zu den Großkunden. Doch nicht nur Polizei-, Militär- und Sicherheitsbehörden sind an den Daten aus dem All interessiert. Ein gut ausgebautes Satellitensystem könnte zum Beispiel auch vor Kollisionen warnen, Seenotrettern wichtige Informationen liefern und Hinweise auf illegale Fischerei und Giftstoffentsorgung in den Weltmeeren geben.

Man brauche aber ein umfangreiches Netz an Satelliten und irdischen Empfangsstationen, damit die im All gesammelten Daten schnell übermittelt werden können, meint Udo Fox, Leiter des Rettungsdienstes der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. "Wenn ein Satellit erst lange umherkreisen muss, bis er eine Position erreicht hat, an der er sein Datenmaterial zur Erde senden kann, sind viele Informationen schon veraltet."

Eine Einschätzung, die der Bremer Reeder Niels Stolberg von der Schwergutreederei Beluga Shipping teilt – gerade im Hinblick auf die Gefahr von Piratenübergriffen: "Auch wenn wir die Technologie vor allem für die Kommunikation und die Schiffssicherheit nutzen, so sind die Möglichkeiten bei der Bekämpfung der Piraterie sehr begrenzt. Dafür sind die Ortungssysteme noch zu langsam", sagt Stolberg, der dennoch Hoffnungen in die neue Form der Meeresüberwachung setzt.

Mehr unter www.ceon-bremen.de

3.873 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

CEON Bremen

Dr. Stephan Holsten

E-Mail: holsten[at]ceon-bremen.de