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Kurzfassung: Fischzucht unter Windkrafträdern

Im Forschungszentrum kann Dr. Adrian Bischoff-Lang natürliche Verhältnisse wie auf dem offenen Meer nachahmen. Das ist deutschlandweit einzigartig. Foto: Wolfgang Heumer
Im Forschungszentrum kann Dr. Adrian Bischoff-Lang natürliche Verhältnisse wie auf dem offenen Meer nachahmen. Das ist deutschlandweit einzigartig. Foto: Wolfgang Heumer

In Bremerhaven kommt die Zukunft aus dem Wasser. Am neuen Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF) nutzen Experten am Institut "Imare" die Meeresbiologie, um die Zucht von Seefischen zu entwickeln und zu verbessern. Eine ihrer Visionen: Sie wollen die vor der deutschen Nordseeküste geplanten Windparks für groß angelegtes Fish-Farming nutzen.

Das Wasser in den großen Bottichen blubbert schon. Auch wenn die Anlagen in der Neubauhalle noch mit Folien abgedeckt sind, gerät Dr. Adrian Bischoff-Lang bereits über sein künftiges Arbeitsumfeld ins Schwärmen. "Es ist alles neu, und alles ist so geworden, wie wir es uns gewünscht haben." Was ihn begeistert: Die beeindruckende Kulisse aus grauen Röhren, schwarzen Zylindern sowie grünen und blauen Wasserbecken ist das künftige Bremerhavener Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF).

Der Neubau gleich neben der Bremerhavener Fischereihafenschleuse gilt als die derzeit modernste Anlage dieser Art zumindest in Deutschland. "Aquakulturen haben eine rasant wachsende Bedeutung für die zukünftige Versorgung der Bevölkerung mit Fisch", erläutert Adrian Bischoff-Lang, der das ZAF leiten wird. Der Grund: Um den immensen Protein-Bedarf der bald sieben Milliarden Menschen auf der Erde zu decken, muss Fisch in großen Mengen gezüchtet werden.

Neue Ideen für traditionelle Wirtschaftszweige

Können Offshore-Windparks (hier: alpha ventus) künftig auch zur Fischzucht dienen? Dieser Frage gehen die Forscher im Zentrum für Aquakulturforschung in Bremerhaven nach. Foto: DOTI/M. Ibeler
Können Offshore-Windparks (hier: alpha ventus) künftig auch zur Fischzucht dienen? Dieser Frage gehen die Forscher im Zentrum für Aquakulturforschung in Bremerhaven nach. Foto: DOTI/M. Ibeler

Eine Aufgabe für das Institut für Marine Ressourcen (Imare), das neue Technologien und Ideen für die traditionellen Wirtschaftszweige Bremerhavens entwickelt und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und der Hochschule Bremerhaven gegründet wurde. Das ZAF ist dabei das jüngste Imare-Projekt.

Aquakulturforschung an sich ist nicht neu, zumindest gibt es in Deutschland bereits zwei größere Institute. Neu sind jedoch die Möglichkeiten, die die Bremerhavener allen anderen voraushaben. "In unseren drei Wasserkreislauf-Systemen können wir die natürlichen Verhältnisse im offenen Meer simulieren", erläutert Bischoff-Lang. Dabei lässt sich aber jedes Detail wie beispielsweise der Nährstoffgehalt im Wasser genau einstellen und ist vor allem jederzeit wiederholbar – in der freien Natur hingegen verläuft die Reproduktion von Versuchsbedingungen mehr oder weniger zufällig.

Noch wird es einige Monate dauern, bis die Anlage richtig eingefahren ist, aber das ZAF-Team rund um Adrian Bischoff-Lang plant bereits Großes. Darunter ein Projekt, das der Aquakultur zum wahren Durchbruch in Deutschland verhelfen könnte: Mit den Offshore-Windparks vor der deutschen Nordseeküste entstehen in den nächsten Jahren riesige Gebiete, die sich für Aquakulturen geradezu anbieten, sind alle Beteiligten überzeugt.

Zwischen den gigantischen Windmühlen erstrecken sich weite Meeresflächen, die für die allgemeine Schifffahrt gesperrt sein werden. Zwischen den Fundamenten der Anlagen ließen sich mit Netzen Fischgründe für Aquakulturen abgrenzen. Auch die Gitterstrukturen der Pfeilerstützen könnten unter Umständen genutzt werden.

"Open Ocean Multi Use" heißt das Vorhaben. Noch ist es in der Projektphase, in einigen Jahren aber könnte es sogar das Akzeptanzproblem lösen, auf das die Windpark-Betreiber bei vielen Fischern treffen: Bislang schienen Windparks die Arbeitsmöglichkeiten der Fischer zu beeinträchtigen, sagt Projektleiter Professor Dr. Bela Buck, "aber wenn es uns gelingt, die Aquakultur zu etablieren, würden sie sogar zusätzliche Arbeit und Fanggründe bekommen."

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3.450 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

IMARE GmbH

Birgit Bowory

E-Mail: info[at]imare.de