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Kurzfassung: Süßer Traditionstrunk für Kapitäne

Walter Liesmann füllt den Inhalt einer Flasche Seefahrtmalz in einen der silbernen Humpen, aus dem die Gäste später trinken. Foto: Thomas Joppig
Walter Liesmann füllt den Inhalt einer Flasche Seefahrtmalz in einen der silbernen Humpen, aus dem die Gäste später trinken. Foto: Thomas Joppig

Es ist eines der seltensten Biere der Welt – und eines der ungewöhnlichsten. Nur fünf Kisten Bremer Seefahrtmalz werden jedes Jahr hergestellt. Kaufen kann man das Getränk nicht, es wird nur auf der Bremer Schaffermahlzeit alljährlich im Februar ausgeschenkt.

Die Schaffermahlzeit ist jahrhundertealtes Bremer Brauchtum. Seit dem 16. Jahrhundert geben Bremer Kaufleute und Reeder alljährlich am Ende des Winters ein Abschiedsessen für die Kapitäne, die danach wieder auf große Fahrt gehen. Heute ist die Schaffermahlzeit jedoch längst mehr als ein Abschiedsessen, sie ist ein gesellschaftliches Ereignis, an dem neben den rund 200 Kapitänen und Bremer Kaufleuten auch rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Wissenschaft teilnehmen. So auch am 11. Februar 2011, wenn die 467. Schaffermahlzeit in der Oberen Rathaushalle stattfindet.

Erfahrungsgemäß wird es auch bei den meisten Gästen dieser Schaffermahlzeit keine Liebe auf den ersten Schluck werden, wenn sie an dem Malzbier in dem schweren Silberhumpen nippen. Das braune Getränk, mit dem da so feierlich angestoßen wird, ist ähnlich zähflüssig wie Hustensaft und schmeckt ungefähr so, als hätte man eine große Tüte Malzbonbons in einem kleinen Wasserglas aufgelöst.

Wichtiger Teil des Proviants

Ein Festmahl mit gepflegter Tischkultur: die Schaffermahlzeit. Foto: Thomas Joppig
Ein Festmahl mit gepflegter Tischkultur: die Schaffermahlzeit. Foto: Thomas Joppig

Die klebrige Flüssigkeit galt einst als wichtiger Bestandteil des Proviants, weil darin lebenswichtige Vitamine enthalten sind. Und die konnten Seeleute auf ihren langen Überfahrten gut gebrauchen. Das Seefahrtmalz half ihnen Mangelkrankheiten wie Beriberi oder Skorbut vorzubeugen. Heute erinnert es vor allem an den Ursprung der Schaffermahlzeit.

Tradition wird bei der Schaffermahlzeit als ältestem Brudermahl der Welt ohnehin groß geschrieben. Zum Beispiel ist der Ablauf durchgeplant, an der Menüfolge aus Hühnersuppe, Stockfisch, Seefahrtmalz, Braunkohl, Kalbsbraten und Käseplatte wird seit Jahrhunderten nicht gerüttelt. Auch das Seefahrtmalz gehört zu den teilweise kuriosen Traditionen. Noch in den 60er Jahren fand man es in den Regalen von Reformhäusern. Im Zeitalter von Vitamintabletten und Energy-Drinks ist es jedoch vollkommen verschwunden.

Nur bei der Brauerei InBev holt man jedes Jahr aufs Neue das alte Seefahrtmalz-Rezept von 1554 hervor. Auf dem Firmengelände am linken Weserufer ist die Herstellung von Seefahrtmalz sogar Teil des Lehrplans für angehende Brauer. Wie beim normalen Bier wird auch hier Gerstenmalz gemaischt und zum Kochen gebracht. Es brodelt jedoch etwa vier- bis fünfmal so lange wie Pils. Auf die Gärung verzichtet man dagegen.

Nur 120 Flaschen Seefahrtmalz verlassen jedes Jahr die Brauerei. Mit der alten Bremer Tradition zu brechen, kommt für den Weltkonzern aber nicht in Frage. "Wir freuen uns, dass wir mit dem Seefahrtmalz unseren ganz eigenen Beitrag zur Schaffermahlzeit leisten können", sagt Betriebsleiter Ingo Nieten.

Bei aller Tradition – auf eine alte Sitte im Vorfeld der Schaffermahlzeit wird inzwischen verzichtet. "Früher haben die Seeleute etwas von dem Seefahrtmalz auf eine Holzbank gekippt und sich dann mit einer Lederhose draufgesetzt", erzählt Walter Liesmann, der seit fast 25 Jahren für den reibungslosen Ablauf der Schaffermahlzeit zuständig ist. "Wenn sie danach aufstehen wollten und erst mal an der Bank kleben blieben, war das ein gutes Zeichen."

Mehr unter www.schaffermahlzeit.de

3.316 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

InBev Deutschland Holding GmbH

Oliver Bartelt

E-Mail: oliver.bartelt[at]ab-inbev.com