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Kurzfassung Der Unbekannte hinter den Stadtmusikanten

Der Hahn im Regen ist zwar nicht der Hahn von Stadtmusikanten, aber eines der Lieblingswerke von Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses. Foto: Thomas Joppig
Der "Hahn im Regen" ist zwar nicht der Hahn von Stadtmusikanten, aber eines der Lieblingswerke von Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses. Foto: Thomas Joppig

Die Bremer Stadtmusikanten gehören zu den meistfotografierten Skulpturen Deutschlands. Ihren Schöpfer kennen dagegen nur wenige. Das will vom 8. Mai bis 7. August die Ausstellung "gerhardWER?" ändern.

Eigentlich müsste Gerhard Marcks zumindest in Bremen ein bekannter Mann sein – und das keineswegs nur wegen der Stadtmusikanten. Er ist Namensgeber eines Museums direkt neben der Kunsthalle, das ein Drittel seiner Werke beherbergt. Es gibt einen Skulpturengarten neben der Bürgerschaft am Marktplatz, nahe dem Stadttheater am Goetheplatz steht ein alter Mann, der von einem Engel geleitet wird, in den Wallanlagen sonnt sich eine unbekleidete Ägina vor Rhododendrenbüschen und vor dem Radio-Bremen-Gebäude im Stephaniviertel ruft ein bronzener Mann aus voller Kehle über die Weser. Im Rathaus steht zudem eine Marcks-Büste des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss und vier weitere Marcks-Werke befinden sich in Kirchen und kirchlichen Einrichtungen.

Und doch: Als Dr. Arie Hartog vor zwei Jahren Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses wurde, unterzog er das Museum "erst einmal einem Taxifahrer-Test“. Und wann immer er sagte: „Ich möchte gern zum Gerhard-Marcks-Haus", bekam er meist ein „Wo ist das denn?“ zu hören. "Uns kennen in Bremen die wenigsten", bekennt der Museumschef freimütig. Das treffe auch auf den Künstler selbst zu – dabei zählt er zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts.

Warum er so wenigen Menschen etwas sagt, dazu hat Hartog seine ganz eigene Theorie. "Es hat sehr viel damit zu tun, dass seine Arbeiten so gut sind." Die Mischung aus Geometrie und Gefühl macht seine Figuren unverwechselbar und sie sorgen dafür, dass der Betrachter sich mit ihnen auseinandersetzt, ohne dass dabei sofort die Frage nach dem Künstler im Raum steht.

Die Schrecken des Krieges

Die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten gehört zu den populärsten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt. Ihr Schöpfer, Gerhard Marcks ist jedoch nur wenigen Touristen und Einheimischen ein Begriff. Foto: Thomas Joppig
Die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten gehört zu den populärsten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt. Ihr Schöpfer, Gerhard Marcks ist jedoch nur wenigen Touristen und Einheimischen ein Begriff. Foto: Thomas Joppig

Hanseatisches Understatement – so könnte man meinen. Doch Gerhard Marcks stammt nicht aus Bremen, sondern aus Berlin. Nach künstlerischen Lehrjahren wird er 1919 ins Lehramt am Weimarer Bauhaus berufen, ab 1925 lehrt er an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird Marcks vom Lehramt suspendiert, einige seiner Arbeiten werden konfisziert. In den Jahren des Wiederaufbaus wird aus ihm ein gefragter Mann. Seine großen Mahnmale und Denkmäler in Köln, Hamburg, Mannheim oder Bochum erinnern bis heute an die Schrecken des Krieges.

Sein wohl bekanntestes Werk hat dagegen eine durchaus heitere, ironisch-verspielte Note. Marcks gestaltet die Bremer Stadtmusikanten Anfang der 50er Jahre anlässlich einer Ausstellung in Bremen. „Er tat das in der Hoffnung, dass die Stadt an der Figur Interesse haben könnte, und diese Hoffnung hat sich dann ja auch erfüllt“, sagt Arie Hartog. Durch Skulpturen wie diese gewinnt Gerhard Marcks Kontakte nach Bremen. Auf Initiative des damaligen Direktors der Kunsthalle wird 1969 in Bremen die Gerhard-Marcks-Stiftung gegründet, zwei Jahre später das Museum neben der Kunsthalle eröffnet.

Heute beherbergt es 400 Skulpturen von Gerhard Marcks – etwa ein Drittel seines figürlichen Gesamtwerks – sowie 12.000 Handzeichnungen und 1.000 Druckgrafiken. Angesichts dieser Fülle kann das Haus stets nur einen Bruchteil zeigen. Was Hartog auf eine ungewöhnliche Idee gebracht hat: Auf der Website www.marcks.de können Besucher künftig ihre Lieblingsskulptur auswählen, die dann vom 8. Mai bis 7. August in der Ausstellung „gerhardWER?“ präsentiert wird.

Mehr unter www.marcks.de

3.472 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

Gerhard-Marcks-Haus

Bettina Berg

E-Mail: berg[at]marcks.de