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Kurzfassung: Leben mit dem Tidenkalender

Mehr als 700 Mal im Jahr bedient Sigrid Leichsenring elektronisch die modernste Fußgänger-Klappbrücke der Welt im Bremer Stadtteil Vegesack. Foto: Focke Strangmann
Mehr als 700 Mal im Jahr bedient Sigrid Leichsenring elektronisch die modernste Fußgänger-Klappbrücke der Welt im Bremer Stadtteil Vegesack. Foto: Focke Strangmann

Sie ist eine Frau für alle Fälle – und in Deutschland noch eine von wenigen. Als Hafenmeisterin sorgt die Bremerin Sigrid Leichsenring für einen reibungslosen Ablauf im Hafen von Bremen-Vegesack. Das ist besonders im Sommer ein Fulltime-Job.

Wenn Sigrid Leichsenring aus ihrem rundum verglasten Büro an der Weser auf die im Hafen dümpelnden Schiffe blickt, dann ist das kein Müßiggang, sondern Teil ihrer Arbeit. Als Hafenmeisterin bedient sie die modernste Fußgänger-Klappbrücke der Welt, die hier im Bremer Norden, im Stadtteil Vegesack, über die Hafeneinfahrt führt. Darüber hinaus betreut sie die mehr als 20 Traditionsschiffe im Museumsteil des Hafens und die Gäste, die mit ihren Sportbooten für ein oder mehrere Tage im Hafen festmachen. Die 49-Jährige weist ihnen Liegeplätze zu, sorgt für Strom und Zugang zu den Waschräumen. "Ich bin die Frau für alle Fälle", sagt Leichsenring über sich.

Dabei sei es gar nicht geplant gewesen, dass sie einmal das Kommando im Hafen übernimmt. "Ich habe vorher ganz viel in der Gastronomie gearbeitet. Diese Erfahrung kommt mir hier zugute", sagt die zierliche Bremerin mit dem blonden Pferdeschwanz. Als Enkelin eines Fischers und Tochter eines Freizeitkapitäns hatte es sie jedoch schon immer zum Wasser gezogen. Nach einigen Monaten auf einer Bremer Bootsbauwerft machte sie für ihren jetzigen Job den Sportbootführerschein. Nun steht sie auch schon mal am Ruder des im Museumshafen liegenden Hafenschleppers "Fiete", um einem anderen Schiff beim Anlegen zu helfen oder es zum 500 Meter entfernten Gastanleger im Flüsschen Lesum zu schleppen.

Frauen im Hafen noch die Ausnahme

Ist als weibliche Hafenmeisterin bisher noch eine Ausnahmeerscheinung: Sigrid Leichsenring an ihrem Arbeitsplatz im Hafen von Bremen-Vegesack. Foto: Focke Strangmann
Ist als weibliche Hafenmeisterin bisher noch eine Ausnahmeerscheinung: Sigrid Leichsenring an ihrem Arbeitsplatz im Hafen von Bremen-Vegesack. Foto: Focke Strangmann

"Vor allem neue Gäste gucken erstaunt, wenn sie mich sehen. Die meisten erwarten einen bärtigen, brummeligen Mann mit dickem Bauch", meint Leichsenring, die in jeder Beziehung das Gegenteil dieses Klischees ist und die Überraschung auch nach acht Jahren noch genießt. "Eine Frau in diesem Beruf ist eher noch die Ausnahme", weiß Leichsenring. Das ändere sich allerdings langsam.

Für den reibungslosen Ablauf ist sie offiziell an sieben Tagen in der Woche zwischen sieben Uhr morgens und 22 Uhr abends telefonisch erreichbar. "Ich lasse das Handy aber auch nachts für Notfälle an", sagt sie. Außerdem lebe sie mit dem Tidenkalender. "An Wochenenden gehe ich bei Hochwasser nicht einkaufen oder in die Badewanne, weil jederzeit ein Anruf kommen könnte und ich die Brücke öffnen muss", erklärt sie.

Draußen auf dem Steg wird "Sigi", wie die Hafenmeisterin oft kumpelhaft genannt wird, von einem Bootsmann des feuerwehrroten "Löschboot 1" angesprochen. Er möchte das Schiff an den gegenüberliegenden Steg verholen. Die Hafenmeisterin hört aufmerksam zu, bevor sie um Verständnis und Geduld bittet, dass es sich momentan nicht anders einrichten lässt.

"Anfangs wollte ich immer allen alles recht machen, inzwischen habe ich gelernt, kurze klare Ansagen zu machen", sagt sie offen. Nur an eines hat sie sich bisher nicht gewöhnt. "Viele Gäste bieten mir einen hochprozentigen Anlegeschluck an", berichtet Leichsenring schmunzelnd. "Doch ich lehne immer dankend ab. Ich sage dann, dass kann so ein zartes Persönchen wie ich nicht vertragen."

Mehr unter www.vegesacker-hafen.de

3.188 Zeichen, Autorin: Manuela Ellmers

Pressekontakt:

Hafen Vegesack

Sigrid Leichsenring

E-Mail: havenmeister[at]vegesack-maritim.de