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Der Bus der Zukunft

Hier fährt die Zukunft: Was von außen wie ein normaler Stadtbus aussieht, verbirgt im Inneren Fahrgastinformationssysteme der neuesten Generation. Foto: Wolfgang Heumer
Hier fährt die Zukunft: Was von außen wie ein normaler Stadtbus aussieht, verbirgt im Inneren Fahrgastinformationssysteme der neuesten Generation. Foto: Wolfgang Heumer

So sieht Busfahren in Zukunft aus: Im "Demonstrator" hat das städtische Verkehrsunternehmen BremerhavenBus buchstäblich richtungweisende Fahrgastinformationssysteme installiert.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der weißgelbe Bus äußerlich nur in Nuancen von den übrigen 59 Gelenkbussen des städtischen Verkehrsunternehmens BremerhavenBus. Doch im Inneren fallen die Unterschiede sofort auf: Auf sechs großen Flachbildschirmen werden nicht nur die nächsten Haltestellen auf der Linie 502 einschließlich der Anschlussmöglichkeiten angezeigt. Dort gibt es zudem Informationen über die Sehenswürdigkeiten in der Nachbarschaft und in Kürze sogar die neuesten Lokalnachrichten aus der regionalen Nordsee-Zeitung.

Rund um die Türen zeigen rote und grüne Leuchtdioden an, wo der Ein- und wo der Ausstieg ist. Über den Sitzplätzen im Heck des Fahrzeuges signalisieren rote und grüne Lämpchen "besetzt" oder "frei". Herz der Anlage ist ein kleiner PC mit Touchscreen gleich neben dem Fahrer: Der PC steuert das gesamte System und liefert alle Informationen in Echtzeit – denn er wird von außen per Datenbank mit allen notwendigen Informationen versorgt. So erfahren die Fahrgäste beispielsweise, wie schnell der Bus fährt, wo genau er sich gerade befindet und wann und wo die Anschlussbusse abfahren.

Attraktiverer Personennahverkehr

EBSF steht für "European Bus System of the Future". Bis 2012 will der Weltverband der öffentlichen Transportunternehmen Systeme vorantreiben, die den öffentlichen Personennahverkehr deutlich attraktiver, komfortabler und für den Benutzer einfacher machen. Gefördert wird das Vorhaben von der Europäischen Kommission.

Dass sich Bremerhaven als vergleichsweise kleine Stadt neben Rom, Madrid, Budapest und Göteborg in dieses Projekt einreihen konnte, liegt vermutlich auch an der Idee, die BremerhavenBus für den Projektantrag entwickelte. Das Stichwort lautete "demografischer Wandel": "In Zukunft wird es immer wichtiger, sich auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Menschen einzustellen", sagt BremerhavenBus-Vorstand Robert Haase: "Da zählt es auch, eine Busfahrt für Senioren so einfach wie möglich zu machen." Der Fokus der Bremerhavener richtete sich darauf, möglichst umfassende, gut sichtbare und leicht verständliche Informationssysteme zu schaffen.

Innovationen für den öffentlichen Personennahverkehr haben in Bremerhaven eine gewisse Tradition. Bereits Mitte der 90er Jahre installierte das städtische Verkehrsunternehmen ein rechnergestütztes Bus-Leitsystem, das alle Fahrzeuge des Unternehmens begleitet, die Einhaltung des Fahrplans überwacht und sogar in das Ampelsystem in der Stadt eingreifen kann, damit die Fahrzeuge pünktlich ans Ziel kommen. Das neue Projekt knüpft an dieses System an und bringt dabei neueste Kommunikationstechnologien ins Spiel.

Mobile Datenübertragung

Flachbildschirme informieren über passende Anschlussmöglichkeiten und Haltestellen ebenso wie über Sehenswürdigkeiten sowie tagesaktuelle Lokalnachrichten. Foto: Wolfgang Heumer
Flachbildschirme informieren über passende Anschlussmöglichkeiten und Haltestellen ebenso wie über Sehenswürdigkeiten sowie tagesaktuelle Lokalnachrichten. Foto: Wolfgang Heumer

"Bislang wurden die Daten zwischen den Bussen und dem Computer in der Leistelle per Datenfunk übertragen", erläutert Hans-Joachim Jonack, der schon bei der Entwicklung des ersten Systems zu den führenden Köpfen zählte: "Jetzt nutzen wir zusätzlich das Handy-Netz im schnellen GPRS-Standard für die Datenübertragung; außerdem werden während der kurzen nächtlichen Pausen im Betriebshof die erforderlichen Daten per W-LAN auf die Fahrzeugsysteme gespielt." Wie schon in den 90er Jahren ist das Ziel aber gleich geblieben: "Wir wollen dem Fahrgast ein optimales Angebot geben." Allerdings habe nach wie vor Vorrang, die Passagiere schnell, komfortabel und sicher zu transportieren.

Die eigentliche Herausforderung in dem Modellversuch bestand darin, die komplexe Technologie auf die Beine zu stellen und die Zusammenarbeit der am Bau beteiligten Unternehmen zu koordinieren. "Der Fahrzeughersteller bevorzugt bestimmte Bildschirme, der Hersteller des Bordcomputers hat wieder andere Favoriten", beschreibt Robert Haase die Problematik: "In dem Modellvorhaben mussten viele Fragen geklärt werden, deren Lösungen für den Fahrgast gar nicht sichtbar sein werden." Für Hans-Joachim Jonack steckte der Teufel dabei bisweilen im Detail: "Sie ahnen gar nicht, wie viele verschiedene Formen und Gestaltungen für Fahrscheine möglich sind. Aber der Computer muss sie alle erkennen und sie auch selbst drucken können." Mithilfe der Soft- und Hardware-Industrie ließen sich zu guter Letzt alle Probleme lösen.

Die Faszination des Vorhabens steckt für den Vorstand und sein Team deshalb in dem Nutzen, der künftig für die Fahrgäste entsteht. "Es ist schon toll an einem Projekt mitzuwirken, das vielleicht entscheidenden Einfluss darauf hat, wie künftig die Busse in ganz Europa aussehen", meint Haase. Zugleich wollen die Bremerhavener einen Mehrwert für ihre Region schaffen. Darum werden an bestimmten, viel frequentierten Haltestellen in der Stadt interaktive Infosäulen in das System integriert, die beispielsweise auf die touristischen Attraktionen Bremerhavens aufmerksam machen.
Mit dem System hat die Busfahrt der Zukunft in Bremerhaven bereits begonnen. Der "Demonstrator" ist zwar ein funkelnagelneuer Bus, der alle Möglichkeiten des neuen Systems sichtbar macht, aber nicht das einzige Fahrzeug, das die neue Technologie enthält. Das System wurde bereits in 15 weiteren Gelenkbussen installiert, die allesamt auf der innerstädtischen Linie 502 im Einsatz sind. "Damit ist unsere Hauptlinie bereits fit für die Zukunft", freut sich Robert Haase.

BremerhavenBus kann dabei einen gewissen Stolz auf die Position im internationalen Wettbewerb nicht verhehlen. Obwohl die anderen beteiligten öffentlichen Verkehrsunternehmen wesentlich größer sind (Haase: "Die Kollegen in Rom dürften mehr Busse im Reservedepot haben als wir im ganzen Unternehmen"), haben die Bremerhavener als erste den Bus der Zukunft ins Rollen gebracht.

Mehr unter www.bremerhavenbus.de

5.764 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Verkehrsgesellschaft Bremerhaven AG

Marketing/Vertrieb
Imme Hüller

E-Mail: imme.hueller[at]bremerhavenbus.de