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Letzte Ruhe auf dem Meeresgrund

Auf dem Deck der Geestemünde nehmen Trauergäste Abschied. Sie erfüllen damit den Verstorbenen ihren letzten Wunsch. Foto: Weserfähre GmbH
Auf dem Deck der Geestemünde nehmen Trauergäste Abschied. Sie erfüllen damit den Verstorbenen ihren letzten Wunsch. Foto: Weserfähre GmbH

Die Nachfrage nach Seebestattungen steigt. In Bremerhaven führt die letzte Reise mit dem Fahrgastschiff "Geestemünde" in die Abgeschiedenheit der Alten Weser.

Gemütlich sieht das kleine Fahrgastschiff aus, fröhlich sogar mit dem kleinen Bug und keck hervorgereckten Brückenhaus. In der Tat wurde die "Geestemünde" vor gut 30 Jahren für das pure Vergnügen gebaut. Bis zu 150 Menschen finden Platz auf dem 30 Meter langen Ausflugsdampfer der in Bremerhaven ansässigen Weserfähre GmbH. Die Passagiere können auf dem Schiff von Bremerhaven aus startend eine spannende Kurzkreuzfahrt vor der Skyline der Stadt oder eine ausgelassene Feier genießen.

Seit April dieses Jahres nutzen immer mehr Menschen das neue Angebot der Weserfähren GmbH. Doch bis zu drei Mal in der Woche wird es still an Bord, wenn das Schiff seinen Liegeplatz im Neuen Hafen verlässt. Dann begleitet eine Trauergemeinde einen verstorbenen Angehörigen oder Freund auf seiner letzten Reise. "Seebestattungen finden immer mehr Interesse", sagt Jürgen Wissmann, Prokurist und kaufmännischer Leiter der Weserfähre GmbH. "Wir haben darauf reagiert und stellen den Beerdigungsinstituten mit unserer 'Geestemünde' einen angemessenen Rahmen zur Verfügung. Damit ergänzen wir bereits bestehende Angebote."

Angesichts der wachsenden Nachfrage werden Seebestattungen mittlerweile in vielen deutschen Häfen angeboten. Ob umgebaute Fischkutter und Angelboote der richtige Rahmen für eine Trauerfeier sind, sei dahingestellt. Auf der "Geestemünde" haben die Verantwortlichen auf jeden Fall ein zurückhaltendes und doch ansprechendes Ambiente für die Trauer um einen lieben Menschen geschaffen. "Der Salon ist entsprechend geschmückt und für die Urne gibt es einen angemessenen und sicheren Standplatz, sodass es wirklich eine würdige Abschiedsfahrt werden kann", sagt Wissmann.

Neues Betätigungsfeld

Die Idee, mit dem erst seit diesem Jahr der Weserfähre GmbH gehörenden Fahrgastschiff auch Seebestattungen zu ermöglichen, entstammt ursprünglich rein kaufmännischen Überlegungen. Während der Arbeiten an einer neuen Schleuse hatte die Reederei eine Hafenfähre betrieben, die die im Hafen Beschäftigten auf dem Wasser zum Arbeitsplatz brachte. "Jetzt brauchten wir eine neue Beschäftigung für die Besatzung. Unsere Ausflugsfahrten mit der 'Geestemünde' hätten allein nicht ausgereicht", so Wissmann. Der Fahrteinsatz für die Seebestattung beschert der Reederei willkommene zusätzliche Einnahmen. Die Trauerfeier selbst und alles, was dazu gehört, organisiert die Fährgesellschaft allerdings nicht: "Wir stellen unser Schiff lediglich den Beerdigungsunternehmen zur Verfügung", betont Wissmann.

Seebestattungen finden in Deutschland längst nicht mehr nur Interesse bei Menschen aus der Küstenregion, deren Leben von der Nähe zum Meer geprägt ist und die deswegen auch ihre letzte Ruhestätte im Meer finden möchten. "Es ist eine wachsende Nachfrage auch aus dem Binnenland zu spüren", weiß Wissmann, "vielleicht sind es Menschen, die während ihres Urlaubs eine besondere Beziehung zum Wasser gefunden haben."

Genau wie an Land ist bei Bestattungen auf See vorgeschrieben, was erlaubt ist und was getan werden darf. Bestattet werden dürfen nur Urnen. Sie müssen zudem besonders gestaltet sein, sodass sie nicht nur langsam versinken, sondern sich auch im Wasser auflösen. Genau vorgeschrieben sind auch die Stellen, an denen eine Seebestattung vorgenommen werden darf – schließlich sollen die Plätze unberührt bleiben und sind deswegen beispielsweise für die Fischerei gesperrt.

Blick bis zum Horizont

Eine dieser Stellen befindet sich im so genannten Wurster Arm, dem südlichen Beginn der Alten Weser, die ein Stück nördlich des Bremerhavener Containerterminals vom Hauptfahrwasser abzweigt. Es ist ein genau passender Ort, bietet er doch die Perspektive, die die Faszination der Küstenlandschaft und der Nordsee ausmacht. Auf der einen Seite zeichnet sich die Silhouette des kleinen Fischerdorfes Wremen ab, auf der anderen Seite öffnet sich der Blick bis zum Horizont, der die Weite des Meeres ahnen lässt.

Mit angemessen langsamer Fahrt nimmt die "Geestemünde" Kurs auf diese Stelle, berichtet Wissmann. Dort angekommen beginnt die Trauerfeier oder der stille Abschied. Dann übergibt der Kapitän die Urne in einer würdevollen Zeremonie dem Meer. Ein Kranz markiert die Stelle, mit gesenkter Flagge umkreist die "Geestemünde" noch einmal den Ort. Der Kapitän vermerkt Uhrzeit und genaue Position im Schiffstagebuch, anschließend geht es zurück nach Bremerhaven.

Erfüllung eines letzten Wunsches

Der Kapitän lässt eine Urne in die Nordsee herab. Bestattet werden dürfen nur spezielle Urnen, die sich im Wasser auflösen. Foto: Weserfähre GmbH
Der Kapitän lässt eine Urne in die Nordsee herab. Bestattet werden dürfen nur spezielle Urnen, die sich im Wasser auflösen. Foto: Weserfähre GmbH

"Wir beobachten ganz häufig, dass dann unter den Trauergästen eine richtig entspannte Stimmung herrscht", sagt Wissmann. Das mag nicht nur an der besonderen maritimen Atmosphäre liegen, sondern auch daran, dass eine Seebestattung die Erfüllung eines letzten Wunsches symbolisiert.

Natürlich hat eine solche Zeremonie ihren Preis – genau wie eine Beerdigung an Land. Wie teuer die letzte Reise ist, kann Jürgen Wissmann dabei nicht mal sagen – das ist Sache der Beerdigungsunternehmen. Bestens Bescheid weiß Wissmann dafür über die Preise für die Ausflugsfahrten, den eigentlichen Bestimmungszweck der "Geestemünde". Die täglichen, rund zweistündigen Weserrundfahrten kosten neun Euro, für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr sogar nur sechs Euro. Die Weserfähre GmbH, deren Gesellschafter die Bremerhavener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH sowie die Stadt Nordenham sind, hat die Preise auch für die Bewirtung an Bord bewusst familienfreundlich gestaltet. Ähnlich sind auch die Charterfahrten kalkuliert, für die man die "Geestemünde" stundenweise mieten kann. "Wir wollen nicht nur großen Geschäftskunden dieses Angebot machen", so Wissmann.

Ob Ausflugsfahrt oder Party – Geschichten, Informationen und auch ein bisschen Seemannsgarn gehören als kostenlose Zugabe zu jeder Tour. Nur auf der letzten Reise zum nassen Grab in der alten Weser schweigt der Lautsprecher. Wissmann: "Eine Seebestattung ist ein ergreifendes Erlebnis, das jeden tief berührt, der es erlebt."

Mehr unter www.weserfaehre.de

6.073 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Weserfähre GmbH

Jürgen Wissmann

E-Mail: info[at]weserfaehre.de

Erstellungsdatum: 21.07.2011