Sie sind hier:

Ein guter Fang für Bremerhaven

Wildromantisch gelegen und jeden Umweg wert: die Alte Luneschleuse. Foto: Nicole Ogrzewalla/Alte Luneschleuse
Wildromantisch gelegen und jeden Umweg wert: die "Alte Luneschleuse". Foto: Nicole Ogrzewalla/Alte Luneschleuse

Mit der "Luneplate" hat Bremerhaven nicht nur 200 Hektar Land von Niedersachsen gewonnen, sondern auch eine Institution: die "Alte Luneschleuse". Das idyllisch gelegene Lokal ist einer der letzten wirklichen Geheimtipps und jeden Schritt auf dem verschlungenen Weg wert, der zu ihm führt.

Aus dem Haus klingen fröhliche Stimmen. Nicht jenes laute Gegröle, das allzu häufig zu Kneipen gehört, sondern eine Art Frohsinn, der ansteckend und doch nicht allzu laut ist. "Wir sind ja auch keine Kneipe", sagt Ute Golasowski mit einem unverkennbaren Schmunzeln im scheinbar strengen Tonfall. "Sondern eine Institution", schiebt die Wirtin des Lokals hinterher, das trotz einer jahrzehntelangen Geschichte das jüngste gastronomische Haus Bremerhavens ist.

Selbst unter Einheimischen ist es nach wie vor ein Geheimtipp. Denn die "Alte Luneschleuse" liegt tief im Süden der Stadt, verborgen in einer grünen Oase am Rande des neuen Gewerbegebietes Bohmsiel. Bis vor eineinhalb Jahren schlängelte sich der Weg vom Bremerhavener Fischereihafen zum Lokal durch Röhricht, Schilf und Pferdeweiden zugleich auch noch über die Landesgrenze. Dann trat Niedersachsen gegen einige Millionen Euro 200 Hektar Land an Bremerhaven ab, das Gelände für Ausgleichsflächen, aber auch Gewerbeansiedlungen benötigte: eben die alte Weserhalbinsel Luneplate. Die war fast unbebaut – bis auf die "Alte Luneschleuse", die bei diesem Geschäft von der Gemeinde Loxstedt im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven nach Bremerhaven wechselte. "Huch, da war was los", erinnert sich Ute Golasowski an die Feier im Festzelt, die dem Federstrich auf Staatsvertrag und Landkarte folgte.

So viel Rummel ist eher die Ausnahme in der "Alten Luneschleuse". Nicht etwa, dass das Haus bisweilen ganz oder auch nur halb leer stünde. "Voll ist es hier nahezu jeden Abend", kann Ute Golasowski mit Stolz und Recht sagen. Stammgäste sind es zumeist, die hier mit Freude und fröhlich statt mit Frack und Sausen feiern: "Fremde finden den Weg hierhin kaum und es gibt wohl auch noch jede Menge Bremerhavener, die uns nicht kennen."

Blechschilder, Bilder, Bierseidel

Dass dem so ist, hat durchaus seine gute Seite. Denn wer einen Platz an dem guten Dutzend blank gescheuerter Holztische haben will, tut bereits heute gut daran, rechtzeitig zu reservieren. Es sei denn, der Besucher begnügt sich zunächst mit einem Blick auf das durchaus sehenswerte Innere. Blechschilder, Bilder und vor allem jede Menge Bierseidel und -krüge, die von der Decke hängen, kennzeichnen das Lokal. "Auch unter den Stammgästen meinen viele, das sei hier immer so gewesen", lacht Ute Golasowski, "dabei ist das erst so, seitdem wir hier sind."

Wir – das waren ursprünglich die Wirtin und ihr vor eineinhalb Jahren verstorbener Mann Peter. Das Haus kannten beide seit langem – als Gäste: "Wir haben hier 24 Jahre lang mit am Stammtisch gesessen." Ihr Mann sei beruflich unter der Woche immer viel unterwegs gewesen, erinnert sich Ute Golasowski: "Und wenn er freitags zurückkam, ist er immer zuerst hierher gefahren und danach erst nach Hause gekommen." Bis irgendwann Ute Golasowski im Jahr 1993 erfuhr, dass die "Alte Luneschleuse" zu kaufen war – die heutige Wirtin zögerte nicht lange und überzeugte ihren Mann von dem Angebot: "Da kannst du dann immer hier sein und bist zugleich auch zuhause."

Zu dem Zeitpunkt war die Luneschleuse schon seit Jahrzehnten ein Ausflugslokal, bekannt und beliebt und ebenfalls ein Geheimtipp, aber bei weitem noch nicht das, was die Golasowskis daraus gemacht haben. Das Haus stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und damit aus einer Zeit, als die inzwischen längst vom heutigen Fluss abgeschnittene "Alte Weser" noch schiffbar war und zusammen mit den Nebenflüssen Lune, Rohr und Geeste zu den wichtigsten Verkehrswegen der Region gehörte. Die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stillgelegte Schleuse trennte die Flüsschen vom Tidengewässer der Weser; das Schleusenwärterhaus war immer schon eine Nebenerwerbs-Gastwirtschaft und eine kleine Sommerfrische für die Städter, die hier in der Lune baden konnten. Bis heute ist der Garten weitgehend geblieben, wie er damals war. Er gehört zu den vielen Details, die den Charme des Lokals ausmachen.

Mutter und Töchter schmeißen den Laden

Familiäre Atmosphäre: Mit ihren drei Töchtern schmeißt Wirtin Ute Golasowski die Alte Luneschleuse. Foto: Wolfgang Heumer
Familiäre Atmosphäre: Mit ihren drei Töchtern schmeißt Wirtin Ute Golasowski die "Alte Luneschleuse". Foto: Wolfgang Heumer

Dass aus dem Traditionslokal die heutige Institution wurde, ist streng genommen aber nicht nur dem Ehepaar Golasowski zu verdanken, sondern auch den drei Töchtern Gaby, Nikki und Sandra. Alle drei standen von Anfang an hinter der Idee ihrer Eltern, mit der Gastwirtschaft einen völlig neuen Lebensweg einzuschlagen. Und alle drei standen ihrer Mutter zur Seite, als der Vater starb und sich für Familie und Lokal die Zukunftsfrage stellte: "Wir machen weiter", hieß der einstimmige Beschluss. Die drei Schwestern und ihre Mutter ergänzen sich ideal. Mutter Ute kümmert sich um die Gäste, Gaby hat das Zahlenwerk des Familienbetriebs im Blick, Sandra und Nikki wirbeln in der Küche.

Die ist zwar klein, bringt aber Großes hervor, und zwar Norddeutsch-Deftiges. Auch Deutschlands Gourmetpapst Wolfram Siebeck lobte nach einem Besuch "inkognito" in der Wochenzeitung "Die Zeit" "die romantische Lage und die spartanische Küche. Der Spaß an Letzterer resultiert aus der Reinheit der Produkte, wie zum Beispiel der Köstlichkeit des frisch geräucherten Aals." Vom Charme des Interieurs ließ er sich in dem „albtraumhaft bunt dekorierten Lokal“ zwar nicht beeindrucken, lobte aber das Essen: "es ist alles ungemein frisch und sorgfältig zubereitet. Weil das so selten und die einsame Lage an der alten Schleuse so wildromantisch ist, kann ich den Umweg über Bremerhaven nur empfehlen."

Das Essen und die Lage – nicht die einzigen guten Gründe, die "Alte Luneschleuse" zu besuchen. Es sind die Details, die ihren Charme ausmachen. Familiär geht es hier zu. Wenn ein Stammgast nicht mehr regelmäßig erscheint oder überraschend fernbleibt, fragt die Wirtin schon mal nach, ob auch alles in Ordnung sei. Zu den Details zählt auch, dass Ute Golasowski zumeist einen roten und einen schwarzen Schuh trägt. "Ach", sagt sie, "das ist mir mal so eingefallen. Ist doch mal was anderes. Oder?"

Mehr unter www.alte-luneschleuse.de

6.153 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Restaurant "Alte Luneschleuse",

Ute Golasowski

Erstellungsdatum: 25.08.2011