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Kurzfassung: Brathering zum Frühstück

Spicarium-Ausstellungsleiterin Christina Voigt und der ehemalige Steuermann Hans Helmut Lühr betrachten die Anfänge des Vegesacker Hafens in Modellform. Foto: Focke Strangmann
Spicarium-Ausstellungsleiterin Christina Voigt und der ehemalige Steuermann Hans Helmut Lühr betrachten die Anfänge des Vegesacker Hafens in Modellform. Foto: Focke Strangmann

Wo heute Spaziergänger ihren Kaffee genießen, stapelten sich früher Heringsfässer und Säcke mit Gewürzen. In einem alten Hafenspeicher im Bremer Norden – in Vegesack – wird Bremens Tradition in Schiffbau und Umschlag wieder lebendig.

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Heringsgeruch bleibt dem Besucher beim Rundgang durch das Spicarium, wie der alte Speicher inzwischen heißt, erspart. "Früher roch es hier wie im ganzen Hafenbereich nach Salz, Teer und Fisch", erzählt Hans Helmut Lühr. Er muss es wissen.

Lühr ging in den 1950er Jahren als Steuermann für die Bremen-Vegesacker Fischereigesellschaft auf Heringsfang. "Die Verpflegung an Bord war immer nur in den ersten drei Wochen gut, danach waren die frischen Lebensmittel verbraucht und wir aßen aus der Konserve", erzählt Lühr, während er in der Ausstellung vor der hölzernen Schaukiste mit einer Dose Schiffsbrot stehen bleibt. Wie das haltbar gemachte Brot schmeckt? Er zuckt mit den Achseln, antwortet: "Das staubt denn." Lieber erinnert sich Lühr an das Frühstück an Bord. "Jeden Morgen gab es Brathering – ein Gedicht", sagt er aus tiefstem Herzen.

Das Spicarium ist die jüngste Errungenschaft Vegesacks für Touristen und Einheimische. Und nur eine von mehreren: Es liegt an der Strecke, die mit 1.852 Metern exakt eine Seemeile lang ist und sich Besuchern unter dem Motto Maritime Meile Vegesack präsentiert.

Ein Teil der interaktiven Ausstellung im Spicarium informiert über Marine Bionik, die Vorbilder aus der Natur für Innovationen in der Schiffbautechnik nutzt. Foto: Focke Strangmann
Ein Teil der interaktiven Ausstellung im Spicarium informiert über Marine Bionik, die Vorbilder aus der Natur für Innovationen in der Schiffbautechnik nutzt. Foto: Focke Strangmann

Lühr zieht es immer wieder ins Spicarium. "Für mich ist es wichtig, dass die maritime Geschichte erhalten bleibt. Vegesack hat damals von der Fischerei gelebt", erzählt der 72-Jährige. Und zur Bewahrung dieser Geschichte trägt er auch selbst bei: Bei einem seiner Besuche brachte er sehr zur Freude von Ausstellungsleiterin Christina Voigt mehrere originale, hölzerne Netznadeln als Geschenk mit. "Meine Schwester war Netzstrickerin", berichtet er.

Die Anfänge des Hafens führt im Spicarium ein großes Modell vor Augen. "Bremen entschloss sich im 17. Jahrhundert, die natürliche Bucht an der Weser in Höhe der Lesummündung zum ersten künstlichen Flusshafen Deutschlands auszubauen", erzählt die Ausstellungsleiterin.

Das wertvollste Exponat des Spicariums ist Voigt zufolge aber der denkmalgeschützte Hafenspeicher selbst. Das klassizistische Gebäude wurde um 1814 errichtet und ist dank seiner Höhe und der markanten Dachform auf vielen Ansichten Vegesacks abgebildet.

Mehr unter www.spicarium-bremen.de und www.maritimemeile-bremen.de

2.372 Zeichen, Autorin: Manuela Ellmers

Pressekontakt:

Spicarium

Christina Voigt

E-Mail: info[at]spicarium-bremen.de

Erstellungsdatum: 20.09.2011