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"Machen Sie es doch!"

Walter Schnepel ist Senior-Chef der Firma Tecnolumen, die als einziges Unternehmen weltweit die berühmte Bauhaus-Lampe nachbauen darf. Foto: Christian Beneker
Walter Schnepel ist Senior-Chef der Firma Tecnolumen, die als einziges Unternehmen weltweit die berühmte Bauhaus-Lampe nachbauen darf. Foto: Christian Beneker

Die Bauhaus-Lampe ist die wohl berühmteste Lampe eines deutschen Designers – ein Bremer Unternehmen hat als einziges weltweit das Recht, sie nachzubauen.

Butterdose und Kugellampe – kaum ein Produktdesigner hat es mit seinen Ideen praktisch in jeden zweiten Haushalt der Deutschen geschafft und damit in die Alltagskultur so vieler Menschen. Außer Wilhelm Wagenfeld (1900–1990). Der weltberühmte Bauhaus-Gestalter und -Künstler aus Bremen hat unter anderem Geschirre, Vasen, Gläser und Lampen entworfen und es damit zu Weltruhm gebracht.

Kein Wunder, dass sich Fabrikanten rund um den Globus heute darum reißen, die Design-Klassiker nachbauen zu dürfen. Die Lizenz für die berühmte Bauhaus-Lampe hat eine Bremer Firma: Tecnolumen. "Selbst in Bremen weiß kaum jemand, dass wir es sind, die die berühmte Wagenfeld-Lampe nachbauen dürfen", sagt Walter Schnepel, Senior-Chef der Firma. "Und nur wir." Der Preis für die Exklusivität der Bremer ist ihr ständiger Kampf gegen die Hersteller von Plagiaten, die weltweit auf den Markt geschwemmt werden.

Der große Wurf von 1924

Die Form der begehrten Lampe ist so schlicht wie einprägsam: Zuerst fällt die nach unten geöffnete Kugel des weißen Opalglas-Schirms auf. Sie wird getragen von einem runden, etwa 30 Zentimeter hohen Schaft aus Glas. Von der runden, gläsernen Bodenplatte steigt darin das Stromkabel in einem vernickelten Rohr zur Glühbirne hinauf. Dort, wo der Schaft in den Schirm führt, hängt eine Schnur mit einer kleinen Kugel am Ende aus der Fassung der Lampe. Wer hier zieht, macht Licht.

Bekannter noch als die ursprüngliche Metallversion der berühmten Bauhaus-Lampe ist jene Glasversion, die Wilhelm Wagenfeld 1924 entworfen hat. Da war er selbst so alt wie sein Jahrhundert und hatte eben erst in der Bauhauswerkstatt in Weimar als Geselle angefangen. Die Bremer Firma Tecnolumen hält das Stück des jungen Mannes in drei weiteren Variationen vor.

Als Wagenfeld noch die Bremer Kunstschule besuchte, begeisterte er sich schon für den Expressionismus, jene Kunstrichtung, die das Erleben des Künstlers in den Mittelpunkt stellte – und es "unverfälscht und unmittelbar" wiedergeben wollte, wie es der Maler Ernst Ludwig Kirchner einmal ausgedrückt hat. Diese künstlerischen Wurzeln nährten auch Wagenfelds spätere Entwürfe. 1924 ging er ans Bauhaus nach Weimar. Der sachlich-nüchterne Stil dieser Kunstschule – auch hier „unverfälscht und unmittelbar“ – hat Architektur, Kunst und Design der Moderne ihr Gesicht gegeben. "Form follows function" lautete die Devise der Bauhauskünstler, "Die Form folgt der Funktion". Die Architekten, Maler und Bildhauer des Bauhauses wollten keine exklusiven, schicken Luxus-Produkte herstellen, sondern "Volksbedarf", der seinen Zweck erfüllte: Gläser zum Trinken, Stühle zum Sitzen, Lampen zum Leuchten.

Heute hat es Wagenfelds Geniestreich zu Weltruhm gebracht. Nicht wenige Experten meinen, die Lampe sei das Symbol deutschen Industrie-Designs. Vor 30 Jahren indessen war das ganz anders. "Die Bauhaus-Lampe Wagenfelds war praktisch vergessen, als ich Wagenfeld 1976 in Stuttgart besuchte", erklärt Schnepel. Der Kaufmann und Kunstfreund hatte im Künstlerdorf Worpswede nahe Bremen Holzschnitte von Wagenfeld entdeckt und begonnen, sich für den vergessenen Bremer und seine Arbeit zu interessieren. "Bei meinem Besuch in Stuttgart habe ich gefragt, warum niemand mehr diese Lampe baut", berichtet Schnepel. "Und Wagenfeld antwortete: Machen Sie es doch!"

Seit 30 Jahren im Geschäft

Gefeierter Bauhaus-Gestalter und -Künstler aus Bremen: Wilhelm Wagenfeld entwarf die Bauhaus-Lampe, heute ein Symbol deutschen Industrie-Designs. Foto: Wilhelm Wagenfeld Stiftung
Gefeierter Bauhaus-Gestalter und -Künstler aus Bremen: Wilhelm Wagenfeld entwarf die Bauhaus-Lampe, heute ein Symbol deutschen Industrie-Designs. Foto: Wilhelm Wagenfeld Stiftung

Gesagt, getan. 1980 gründete Schnepel seine Firma Tecnolumen und baute die ersten 300 Exemplare der Bauhaus-Lampe. Dazu hatte Wagenfeld noch persönlich die Zeichnungen hergestellt, um das Modell reif zu machen für die Serienproduktion. Denn eigentlich war die Lampe das Ergebnis sorgfältiger Werkstattarbeit, berichtet Schnepel: "Erst wir haben ein Industrieprodukt daraus gemacht. Und trotzdem mussten wir 150 Lampen der ersten Marge verschrotten." Heute bezieht Tecnolumen von elf Unternehmen rund 40 Einzelteile für den Bau der Lampe von Wagenfeld.

Das Unternehmen wendet die Ansprüche, die es an die Lampe hat, inzwischen auf alle seine Produkte an. Die Bremer Firma stellt auch andere Leuchten von Bauhaus-Designern her, etwa von Marianne Brandt oder Hans Przyrembel. Die Produktpalette bewährte sich. 2002 wurde Tecnolumen in zwei Firmen aufgeteilt mit je eigener Linie. Fortan baute Tecnolumen GmbH & Co. KG Lampen, Möbel und Accessoires. Die Firma Tecnoline GmbH produziert seither Schalter und Beschläge, auch hier unter anderem nach Entwürfen von Wagenfeld oder Walter Gropius. Seit 2006 ist Carsten Hotzan Geschäftsführer und führt die Firmenphilosophie fort, auch neue Produkte an den Maßstäben des Bauhauses zu messen.

Allein sieben Handelsvertreter in der Bundesrepublik vertreiben heute die Produkte an Händler. Weltweit sind es viele Händler und Zwischenhändler. Bei den 100.000 D-Mark Jahresumsatz am Anfang der Firmengeschichte dürfte es nicht geblieben sein – genaueres verrät Schnepel nicht. Nur so viel: Als die Wirtschaftskrise 2009 und 2010 den Mittelstand schüttelte, habe Tecnolumen trotz steigender Rohstoffpreise um zehn bis fünfzehn Prozent pro Jahr zugelegt. Wer sich vor der Krise eine Bauhaus-Lampe leisten konnte, konnte es auch in der Krise. Das Gesetz gilt allerdings nicht ungebrochen. Zwar liefern die Bremer weltweit, aber laut Schnepel kaum in die USA. "Dort kostet die Leuchte 800 Dollar. Das bremst den Absatz."

Detailversessen

Jedes Detail und jede Schraube ist nach dem Tod Wagenfelds 1990 mit der Erbin abgesprochen. In Lizenzfragen sind die Leute von Tecnolumen so akribisch und pingelig wie bei der kompromisslos hohen Qualität ihrer Produkte. "Auch Wagenfeld selber war da äußerst penibel", so Schnepel.

So genau nehmen es die Kopisten nicht. "Am schlimmsten sind die Italiener, die in China herstellen lassen", sagt Schnepel. "Eigentlich sind wir ständig mit mehreren Anwälten dabei, Kopisten anzuzeigen." Gleichwohl – Prozesse zu führen, lohne sich nicht. "Wir könnten in Italien klagen, aber das ist letztlich sinnlos." Der Preis für diese Entscheidung ist hoch. So sei der englische Markt für den Absatz der Bauhaus-Lampe praktisch tot. "England ist von Kopisten besetzt."

Wagenfeld wollte eigentlich nie exklusiv sein. Die beste Eigenschaft der Dinge, sagte er einmal, sei "das Anspruchslose". Die Bauhaus-Lampe aus Bremen erfüllt diese Eigenschaft wohl nicht. Sie ist nicht die anspruchslose Massenware, für dessen Herstellung die Bauhaus-Designer mit ihren Produkten einmal angetreten sind. "Die Lampe ist ein hochpreisiges Luxusprodukt", sagt Schnepel. "Dafür hat es auch hervorragende Qualität." Und kostet 425 Euro.

Mehr unter www.tecnolumen.de

6.663 Zeichen, Autor: Christian Beneker

Pressekontakt:

Tecnolumen GmbH & Co. KG

Walter Schnepel

E-Mail: info[at]tecnolumen.de

Erstellungsdatum: 20.09.2011