Sie sind hier:

Musik für Herz und Hüfte

Einzigartiges Projekt mitten in Bremen: Die Reha-Klinik am Sendesaal bietet eine Hybrid-Reha an, d. h. sie kombiniert ambulante und stationäre Rehabilitationen unter einem Dach. Foto: Reha-Klinik am Sendesaal
Einzigartiges Projekt mitten in Bremen: Die Reha-Klinik am Sendesaal bietet eine Hybrid-Reha an, d. h. sie kombiniert ambulante und stationäre Rehabilitationen unter einem Dach. Foto: Reha-Klinik am Sendesaal

Deutschlands erste Hybrid-Reha in Bremen setzt auf die Macht der Töne.

In Bremen geht Genesung auch durch das Ohr. Das ist jedenfalls der Plan. Einzigartig sei das Projekt der Hybrid-Reha, sagt Dr. Manju Guha, Kardiologin und ärztliche Direktorin der Einrichtung. Das Projekt, die Reha-Klinik am Sendesaal, ist eine kombinierte ambulante und stationäre Rehabilitation unter einem Dach mitten in Bremen. Clou der neuartigen Methode unter anderem für Orthopädie- und Herz-Patienten: Musik ergänzt die Therapie - und zwar in einem noblen Rahmen. "Es ist nachgewiesen, dass Musik auf bestimmte Krankheitsbilder einen positiven Einfluss hat", erklärt Guha.

Archiv wird Fitness-Studio

In den ehemaligen Räumen des Radio-Bremen-Funkhauses haben die Initiatoren rund 10.000 Quadratmeter Studios, Produktionsräume und Büros in eine Reha-Klinik mit 200 Betten verwandelt. Das Fitnessstudio befindet sich im ehemaligen Archiv des Senders, die Tonstudios wurden zu Patientenzimmern. So verwandelte sich ein alt gedientes Funkhaus in eine freundliche und helle Rehabilitationseinrichtung.

"Wir stellen hier 200 Reha-Betten und 100 ambulante Reha-Plätze für orthopädische, geriatrische und kardiologische Patienten zur Verfügung", erklärt Manju Guha. Mit dem Paket wollen die Bremer die Kosten drücken und dennoch Geld verdienen. Tatsächlich schreibt der Gesetzgeber vor, dass 20 Prozent aller Reha-Leistungen ambulant erbracht werden sollen. "Aber insgesamt kommt man in Deutschland nur auf drei bis vier Prozent", erklärt Guha. "Deshalb haben wir unser Projekt der Hybrid-Rehabilitation gestartet."

Das Prinzip: Nachdem die Patienten die Krankenhaus-Behandlung hinter sich haben, werden sie in Bremen unter demselben Dach für eine Übergangszeit stationär und dann ambulant betreut, „hybrid“, eben. So soll der teure Reibungsverlust zwischen ambulanter und stationärer Reha ausgeglichen werden. Die Krankenkassen freut es. Denn üblicherweise werden Reha-Patienten zunächst lange stationär versorgt und dann in die ambulante Betreuung am Heimatort entlassen. "Es ist teurer, wenn ein Patient eine vertraute Einrichtung verlassen soll und in der neuen ambulanten Versorgung vieles noch einmal ganz von vorne begonnen werden muss", erklärt Guha.

Aber es geht nicht nur um's Geld. "Ich fühle mich wohler, wenn ich die Abende nicht allein verbringen muss", sagt zum Beispiel Ernst Hastedt. "Ich wohne gar nicht weit von hier. Morgens werde ich abgeholt und bekomme einen Rehaplan für die Anwendungen an diesem Tag und abends kann ich wieder zurück nach Hause und die Abende mit meiner Frau verbringen." Hastedt hat im Bremer Klinikum Links der Weser (LdW) gleich fünf Bypässe bekommen und in der Hybrid-Reha gelernt, "schon viel besser Treppen zu steigen und zu gehen", berichtet er zufrieden. Er war nur vier Tage stationär aufgenommen und ging dann gleich in die ambulante Reha. Andernfalls hätte er in die nächste Einrichtung in Bad Fallingbostel fahren müssen – ein weiter Weg.

In Zukunft musikalisch

Musik unterstützt das Wohlergehen und die Entspannung, erklärt Dr. Manju Guha dem Reha-Patienten Ernst Hastedt im berühmten Bremer Sendesaal. Foto: Christian Beneker
"Musik unterstützt das Wohlergehen und die Entspannung", erklärt Dr. Manju Guha dem Reha-Patienten Ernst Hastedt im berühmten Bremer Sendesaal. Foto: Christian Beneker

Gleich neben dem ehemaligen Funkhaus liegt der Sendesaal, ein Bremer Kleinod. Der gut 60 Jahre alte Saal zieht international Musiker an, die hier und nur hier ihre Aufnahmen machen wollen, denn die Akustik ist weit gerühmt. Auch die Initiatoren der Hybrid-Reha nutzen den besonderen Raum. 2007 verließ der Sender sein angestammtes Quartier, das Funkhaus und der berühmte Bremer Sendesaal standen leer. Zunächst sollte er sogar einem Supermarkt weichen. Die vielen Fans und Liebhaber der Tonhalle waren entsetzt. Schließlich fand sich eine Lösung. Ein Großinvestor und die Residenzgruppe kauften das Gelände und bildeten einen Fonds: die Sendesaal Karree GmbH, die auch Trägerin des rund 15 Millionen Euro teuren Umbaus des Funkhauses ist. Von diesem Fonds mietet die Bremer Residenz-Reha-Kliniken GmbH die Gebäude.

"Musik unterstützt das Wohlergehen und die Entspannung der Patienten", erklärt Guha. "Bei einem Patienten konnten wir über die Musiktherapie erreichen, dass er nach einer langen Zeit der Schlaflosigkeit wieder schlafen konnte. Ein anderer konnte durch die Musik seinen zu hohen Blutdruck senken." Rezeptive Musiktherapie nennt Guha das. Die Zuhörer müssen nichts anderes tun, als sich zu öffnen und ganz Ohr zu sein. Allein die entspannende Atmosphäre des Lauschens kann schon heilsam sein. Wer von den Patienten noch nicht wieder so gut zu Fuß ist, kann sich die Musik aus dem Sendesaal auch ins Zimmer übertragen lassen.

Zusammen mit den österreichischen Wissenschaftlern und Musiktherapeuten Vera Brandes und Dr. Roland Haas plant das Bremer Haus nun, seinen Patienten während der Reha-Anwendungen eigens für die rezeptive Musiktherapie komponierte Musik vorzuspielen. Sie kann mit einem speziellen Abspielgerät sogar getrennt nach Diagnosen ausgesucht werden. "Längerfristig wollen wir die Wirkung dieser Musik auf unsere Patienten auch wissenschaftlich erforschen", sagt Guha.

"Auf jeden Fall aber wird Musik bei uns medizinisch angewendet." Auch die Bremer Musiktherapeutin Marie Luise Zimmer soll mit den Patienten der Hybrid-Reha musikalisch-therapeutisch arbeiten. Die bekannte Therapeutin wird mit Trommeln, Gongs oder anderen Instrumenten die Patienten zum Mitmachen animieren – sie bietet "aktive Musiktherapie" an. "Wir entwerfen gerade ein Konzept für diese Therapie", erklärt Guha.

Die rund 70 Plätze des Sendesaales werden nicht ausschließlich den Patienten zur Verfügung stehen, sondern allen Bremern. "Wir wollen unsere Arbeit und besonders die musiktherapeutischen Angebote für die ganze Stadt öffnen", erklärt Guha. Begeistert berichtet sie vom Besuch des New Yorker Sängers Vinx, der "allein mit seiner Stimme alle Zuhörer tief beeindruckt hat", sagt Guha, "eine wohltuende Musik."

Auch für Ernst Hastedt ist das Angebot "wie geschaffen", sagt er. Ob ihm die Musik beim Genesen geholfen hat, weiß er nicht. "Aber ein toller Raum hier!", lacht er.

Mehr unter www.wohnpark-weser.de/rehaklinik/

5.880 Zeichen, Autor: Christian Beneker

Pressekontakt:

Frauke Meyenberg

Pressesprecherin der Residenzgruppe Bremen

E-Mail: meyenberg[at]residenz-gruppe.de

Dr. Manju Guha

Reha-Klinik am Sendesaal

E-Mail: info[at]rehaklinik-sendesaal.de

Erstellungsdatum: 19.01.2012