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Verwöhnaroma, neu erfunden

Höchster Kaffeegenuss für Genießer, so lautet die Vision, die Manfred Dieckmann (links) und Jörg Hartwich (rechts) bei ihrer Unternehmensgründung begleitete. Foto: Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG
"Höchster Kaffeegenuss für Genießer", so lautet die Vision, die Manfred Dieckmann (links) und Jörg Hartwich (rechts) bei ihrer Unternehmensgründung begleitete. Foto: Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG

Sie erfanden einen Kaffeeröster für Zuhause und verkaufen ihn über das Internet. Heute beliefern die beiden Bremer Kaffee-Experten Gourmets in aller Welt.

Vor dem Speicher III im ehemaligen Bremer Freihafen rasselt lautstark die Laderampe eines Lkw herunter. Der Laster hat riesige Säcke voll Rohkaffee geladen. Direkt neben der Ladestelle ist eine Brandschutztür. Sie führt in das Refugium zweier Erfinder. "Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG" steht auf einem Schild. Steigen Besucher die Treppen des Speichers hinauf, empfängt sie auf dem ersten Stock der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee. Naheliegend: Manfred Dieckmann und Jörg Hartwich sitzen im Büro bei einer Tasse hochwertigem Arabica.

Die Räume kennen die beiden schon von früher. Damals haben sie zusammen beim Kaffeeriesen Eduscho gearbeitet. Der Ältere, Dieckmann (60), war Chefeinkäufer für Rohkaffee und lernte dort die edelsten Sorten kennen und schätzen. Hartwich (45) war als Elektromeister für die Produktionsstätten zuständig.

Als Tchibo nach der Übernahme von Eduscho vor zwölf Jahren den Bremer Standort schloss, hätten sie beide mit nach Hamburg gehen können. Wollten sie aber nicht. Stattdessen legten sie ihre Abfindungen zusammen, ihre Ersparnisse noch obendrauf und arbeiteten an einer gemeinsamen Vision, erzählen sie: "höchsten Kaffeegenuss für Genießer."

Nicht dass sie sich je in Konkurrenz zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber gesehen hätten, beteuert Dieckmann. "Die Preisschlacht am Markt würden wir nur verlieren." Die beiden Unternehmer setzten vielmehr auf Gourmet-Qualität: Dafür planten sie, eine Kaffeeröstmaschine für Zuhause zu erfinden. Was bisher nur in der großen Kaffee-Industrie zum Einsatz kam, wollten sie – klein und handlich – auf heimische Küchentische bringen.

"In den vergangenen zehn, 15 Jahren hat man erkannt, wie viel günstiger und auch hochwertiger Lebensmittel sein können, wenn man sie selbst verarbeitet", weist Manfred Dieckmann auf einen Trend hin. "Der Normalverbraucher bekommt im Supermarkt den üblichen Billig-Kaffee, der überwiegend aus der minderwertigeren, etwas strenger schmeckenden Robusta-Bohne hergestellt wird", erläutert er. "Hat man dagegen einen Röster zu Hause, ist man nicht auf Massenware angewiesen, sondern kann reinen Arabica-Rohkaffe, der milder ist und weniger Koffein enthält, selber rösten." Auch ein Argument: Nicht nur können Kaffeefreunde dann ihren bevorzugten Röstgrad von mild bis kräftig individuell einstellen, sie sparen dabei auch noch 2,19 Euro Kaffeesteuer pro Kilo, denn Rohkaffee ist von dieser Steuer befreit.

Die Geburt des "Röstmeister"

Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in der Kaffeeröstmaschine für den Hausgebrauch. Foto: Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG
Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in der Kaffeeröstmaschine für den Hausgebrauch. Foto: Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG

Mit ihrem Know-how und zusammen über 50 Jahren Kaffee-Erfahrung machten sich die beiden Visionäre an die Arbeit. Sie entwarfen verschiedene mögliche Konstruktionen eines Rösters, zeichneten, hämmerten und schraubten Modelle zusammen und wälzten nachts im Bett Ideen hin und her. "Wichtig sind beim Rösten drei Schritte: Trocknung bzw. Vorröstung, Kernröstung und Kühlung", zählt Hartwich auf. Dann endlich ein Prinzip, das denkbar einfach funktioniert: Eine prozessorgesteuerte Heißluftdüse, eine sich drehende Trommel, sieben Röststufen von mild bis kräftig – fünf für Kaffee, zwei für Espresso. Der "Röstmeister" war geboren. Die Trommel fasst 300 Gramm Rohkaffee, die Portion reicht je nach Bedarf einige Tage. Nur 15 Minuten dauert das Rösten – aromatischer Kaffeeduft inklusive.

Fast zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in dem gerade mal 2,5 Kilogramm schweren Tischröster, der aussieht wie ein überdimensionaler Tesafilmabroller. Sein Innenleben besteht aus einem Mikroprozessor mit über 1.000 Parametern. Für die ausgefeilte Technik und die Optik haben die beiden Erfinder mit Spezialisten aus der Elektrotechnik sowie der Kunststoff- und Metallverarbeitung kooperiert. "Im Röstmeister sind insgesamt noch 16 Unterpatente enthalten, wie zum Beispiel die offene Trommel, dank der man den Röstvorgang auch visuell verfolgen kann", erklärt Jörg Hartwich.

Allein die Produktentwicklung und die Werkzeuge für die Herstellung der Maschine haben 400.000 Euro gekostet. Bis zur Unternehmensgründung war es dann noch ein langer, steiniger Weg. Viele Anträge wurden geschrieben, doch die erhoffte Förderung blieb aus. Ungefähr noch mal so viel Geld, um die 500.000 Euro, steckten sie aus eigenen Mitteln in den Unternehmensaufbau. 2003 unterschrieben sie den Mietvertrag für einen kleinen Teil der alten Eduscho-Räumlichkeiten im Speicher III und bauten in Eigenregie schon mal die erforderlichen Verpackungsmaschinen für das Abfüllen des Kaffees auf. Ein Jahr später starteten sie mit dem Verkauf der ersten Röster übers Internet.

"Da hat uns die Goldmedaille einen ordentlichen Schub gegeben, die wir in unserem Gründungsjahr auf der Internationalen Fachmesse IENA‚ 'Ideen, Erfindungen, Neuheiten', in Nürnberg gewonnen haben", erinnert sich Dieckmann. "Für solch ein Unternehmen, wie wir es gewagt haben, bedarf es schon einer guten Portion Blauäugigkeit", lacht er und schaut zu seinem Kompagnon hinüber. "Ja, und einer Menge Geld", ergänzt dieser.

Das Geschäft wächst

Heute lässt die "Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG" jährlich weit über 100 Tonnen Rohkaffee in ihre Lagerhallen im Speicher III anliefern. Vorher werden die Bohnen in einem Bremer Verarbeitungsbetrieb mit Wasserdampf gereinigt und so von der Wachsschicht befreit, die viele Reiz- und Bitterstoffe enthält. "Unser Kaffee ist deshalb besonders mild, hocharomatisch und sehr bekömmlich", schwärmt Dieckmann.

Inzwischen beliefern die beiden Kaffee-Pioniere per Internetversand ein internationales Publikum – von Norwegen über Brasilien bis hin nach Japan oder Australien. Zur Hälfte Privatleute und zur Hälfte Gastronomiebetriebe. Über 7.000 Röstmaschinen haben sie bereits verkauft, dazu Kaffeemühlen und Rohkaffee.

"Es war uns von Anfang an bewusst, dass wir mit unserer Idee lediglich eine Nische besetzen würden", sagt Dieckmann. Trotzdem können die beiden Röstmeister jährlich zweistellige Zuwachsraten verzeichnen. "Wir wollen natürlich weiter expandieren, aber auf einer gesunden Basis", meint Hartwich. "Ja, die schnelle Million gibt es nicht", lacht Dieckmann. "Wir sind schließlich hanseatische Kaufmänner."

Mehr unter www.dieckmann-aroma-kaffee.de/index.html

6.195 Zeichen, Autorin Silke Düker

Pressekontakt:

Dieckmann Aroma Kaffee GmbH & Co. KG

Manfred Dieckmann

E-Mail: dieckmann[at]dieckmann-kaffee.de

Erstellungsdatum: 16.04.2012