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Bremer Licht für die Queen

Spektakuläres Lichtdesign für spektakuläre Events ist die Spezialität von A&O Lighting Technology – hier beim European Song Contest in Düsseldorf 2011. Das Beleuchtungskonzept für den Wettbewerb in Baku ist noch streng geheim. Foto: A&O Technology
Spektakuläres Lichtdesign für spektakuläre Events ist die Spezialität von A&O Lighting Technology – hier beim European Song Contest in Düsseldorf 2011. Das Beleuchtungskonzept für den Wettbewerb in Baku ist noch streng geheim. Foto: A&O Technology

Sie sind die Spezialisten für die großen Showmomente: Die Mitarbeiter der Bremer Firma A & O Lighting Technology liefern Lichttechnik und Beleuchtungskonzepte für Großveranstaltungen – zum Beispiel für den Eurovision Song Contest in Baku Ende Mai oder das Thronjubiläum der Queen Anfang Juni.

Ein Blick auf den Scheinwerfer genügt und man weiß: Für eine Kleinkunstbühne ist diese Leuchte nicht gedacht. Sie ist etwa 1,50 Meter hoch und einen halben Meter breit. Groß genug, um damit einen breiten Lichtstrahl mehrere hundert Meter gen Himmel zu senden. Solche Scheinwerfer sind die Spezialität von A & O Lighting Technology und der Tochterfirma Alpha One. Die Mega-Lampen der sogenannten Falcon-Serie aus Bremen haben je nach Modell eine Leistung zwischen 500 und 8.000 Watt, sind folglich besonders hell und können ihr Licht zudem in bis zu 1,6 Millionen verschiedenen Farben erstrahlen lassen.

Wenn irgendwo auf der Welt etwas mit einem imposanten Lichtspektakel gefeiert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Technik und Know-how aus Bremen mit im Spiel sind. Falcon-Scheinwerfer gehören beim Superbowl-Finale der American-Football-Profi-Liga ebenso zum Inventar wie bei der Verleihung der Oscars und der Grammys – selbst bei der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama am Lincoln Memorial in Washington kamen sie zum Einsatz.

Demnächst hat die Bremer Firma nun zwei weitere Großereignisse im Auftragsbuch: A & O kümmert sich um die Spezialeffekte beim Lichtdesign für den Eurovision Song Contest in Baku und für das Konzert zum Thronjubiläum der Queen, bei dem Weltstars wie Paul McCartney und Elton John im Garten des Buckingham Palace auftreten.

Auch die deutschen Referenzen der Firma können sich sehen lassen. Ob Silvestergala am Brandenburger Tor, Lichtspiele an der Bavaria zum 200. Geburtstag des Münchner Oktoberfestes oder TV-Shows wie „Wetten, dass..?“,„Deutschland sucht den Superstar“ oder "Schlag den Raab" – die Auftragspalette der Firma ist vielfältig. Sie umfasst neben dem Licht für Hallen- und Open-Air-Shows auch die dauerhafte Beleuchtung von Gebäuden: So stammt die Lichttechnik am Berliner Sony Center ebenso aus der Produktion des norddeutschen Unternehmens wie die Scheinwerfer an den beiden höchsten Wolkenkratzern der Welt, dem 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai und dem 508 Meter hohen Taipei 101 in Taiwan.

Mit Disco-Touren fing alles an

Firmenchef Marco Niedermeier und der technische Leiter Tomek Hoppe vor einem besonders imposanten Scheinwerfer. Foto: Thomas Joppig
Firmenchef Marco Niedermeier und der technische Leiter Tomek Hoppe vor einem besonders imposanten Scheinwerfer. Foto: Thomas Joppig

Die Liste der Referenzen ließe sich noch lange fortsetzen. Fotos, Auszeichnungen und Erinnerungsstücke im Büro von Firmenchef Marco Niedermeier künden von einer Karriere, die zwar nicht im Scheinwerferlicht stattfindet, mit diesem aber trotzdem untrennbar verbunden ist. Mitte der 90er-Jahre fuhren Niedermeier und sein Bruder Kai noch mit einem Pickup mit Scheinwerfern von Disco zu Disco und schickten bunte Strahlen in den Nachthimmel. Viele Tanztempel wollten ihren Besuchern etwas Besonderes bieten – die Open-Air-Lichtshows der Brüder aus dem niedersächsischen Sulingen kamen gut an. "Eigentlich war das eine reine Spaß-Idee", erinnert sich der gebürtige Bremer. "Aber dann haben wir gemerkt, dass man daraus mehr machen könnte." Niedermeier und sein Bruder übernahmen den deutschen Exklusivvertrieb für jenen italienischen Scheinwerferhersteller, dessen Leuchten sie auf ihrem Wagen montiert hatten.

"Von Anfang an haben wir uns an die Großen herangetraut", erinnert sich Marco Niedermeier. "Rückwirkend muss man wohl sagen: Das war unser Schlüssel zum Erfolg." Die Brüder kamen mit Lichtdesignern ins Geschäft, die sich um die alljährliche José-Carreras-Gala oder um die Boxkämpfe von Henry Maske und Axel Schulz kümmerten. Das Geschäft wuchs, 2002 bezog A & O mit zwölf Mitarbeitern einen neuen Firmenstandort in Oyten bei Bremen. Drei Jahre später brachten die Niedermeiers erstmals eigene Scheinwerfer auf den Markt und gründeten dafür mit Alpha One eine Tochterfirma.

Niederlassungen in L.A. und Bangkok

Seit dem vergangenen Sommer haben beide Firmen ihren Sitz in Bremen. Dort arbeiten rund 40 Angestellte, hinzu kommen etwa 20 weitere Mitarbeiter in Los Angeles, Abu Dhabi und im englischen Blackburn, wo A & O Niederlassungen unterhält. "Das ist für uns wichtig, um international Präsenz zeigen zu können", sagt Marco Niedermeier. Bei großen Aufträgen engagiert das Unternehmen zusätzlich Freiberufler. "Der Kunde kann bei uns alles aus einer Hand bekommen. Die Technik, den Aufbau vor Ort und das Lichtdesign." Der Trend zum Energiesparen bereitet ihm kein Kopfzerbrechen – im Gegenteil: Er fühlt sich mit den großen Scheinwerfern sogar gut aufgestellt. "Von der Lichtausbeute und vom Effekt her erreichen wir mit einem großen Scheinwerfer viel mehr als mit vielen kleinen."

Das Licht wird zur Kulisse

Präzisionsarbeit für die großen Shows: Alpha One-Mitarbeiter Piotr Piotrowski schraubt einen der Hochleistungsscheinwerfer zusammen. Foto: Thomas Joppig
Präzisionsarbeit für die großen Shows: Alpha One-Mitarbeiter Piotr Piotrowski schraubt einen der Hochleistungsscheinwerfer zusammen. Foto: Thomas Joppig

Wer alte Aufzeichnungen von TV-Shows aus den 70er- oder 80er-Jahren mit heutigen Produktionen vergleicht, merkt schnell, wie sehr sich das Lichtdesign verändert hat. Wo einst Bühnenbildner aufwendige Kulissen schufen, ist heute das Licht selbst zur Kulisse geworden: LED-Wände können die unterschiedlichsten Bilder und Stimmungen erzeugen. Scheinwerfer kreisen im Takt des Computers, Laserstrahlen wandern durch den Raum, Lichtkegel tanzen, künstliche Blitze zucken. So groß sind die Gestaltungsmöglichkeiten, dass beim Lichtdesign manchmal ein wenig Selbstbescheidung Not tut. "Der Trend geht weg vom Pompösen, hin zu ruhigeren Lichtstimmungen“, sagt Niedermeier. „Viele Leute sind heute schon im Alltag von vielen visuellen Reizen umgeben. Da fasziniert sie weniger der Bombast, sondern eher das Besinnliche."

Die Experimentierfreude im Unternehmen wird dadurch offensichtlich nicht gebremst. Vor kurzem hat Alpha One einen neuen Scheinwerfer auf den Markt gebracht, der mit einem kleinen LED-Bildschirm kombiniert ist. Bei "Unser Star für Baku", den Auswahlshows zum Eurovision Song Contest, kam das Modell erstmals zum Einsatz. Marco Niedermeier klickt an seinem PC auf ein Video und zeigt einen Ausschnitt aus einer der Sendungen: "Das Reizvolle ist die Kombination aus Scheinwerferlicht und Bildern", sagt er. "Da lassen sich ganz neue Effekte schaffen."

Neue Effekte will das Bremer Unternehmen auch beim Eurovision Song Contest in Baku präsentieren – und auch für das Thronjubiläum der Queen hat man sich lichttechnisch einiges vorgenommen. Was genau will Niedermeier aber noch nicht verraten. Ein bisschen Spannung soll erhalten bleiben. Außerdem sollen die Auftraggeber nicht durch zu viele Plaudereien verärgert werden. Wer andere ins rechte Licht rückt, braucht immer auch eine gewisse Portion Diplomatie. Jeder Kunde hat schließlich andere Vorstellungen – erst recht, wenn die Kundschaft so international ist wie bei diesem Unternehmen.

Auf Marco Niedermeier scheint der ganze Show-Glamour wenig abgefärbt zu haben. Er wirkt bodenständig und pragmatisch. "Ich bin gelernter Maschinenbauer. Das hat mich geprägt", sagt er. Doch er weiß: Eindrucksvolles Lichtdesign hat bei Events immer auch mit emotionalen Momenten zu tun – mit Gänsehaut, Ergriffenheit. Erlebt ein Beleuchtungsroutinier wie er solche Momente auch noch manchmal? "Aber hallo", sagt der 42-Jährige lachend und erzählt voller Begeisterung von der letzten Sommer-Folge von "Wetten, dass ..?" mit Thomas Gottschalk in der Stierkampf-Arena von Mallorca. "Es ist ein tolles Gefühl, Events oder bedeutende Gebäude zu sehen und dabei zu wissen, dass sie ohne unsere Technik nur halb so imposant wirken würden."

Mehr unter www.ao-technology.com

7.401 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

A & Technology

Marco Niedermeier

E-Mail: marco.niedermeier[at]ao-technology.com

Erstellungsdatum: 21.05.2012