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Auf Wolken über die Weser

Dank ihm können in Bremerhaven Touristen bald über die Weser schweben: Volker Flöder vor seinem aus Texas importierten Luftkissenboot. Foto: Wolfgang Heumer
Dank ihm können in Bremerhaven Touristen bald über die Weser "schweben": Volker Flöder vor seinem aus Texas importierten Luftkissenboot. Foto: Wolfgang Heumer

Der Begriff "Ausflug" bekommt in Bremerhaven eine neue Bedeutung: Touristen können dort bald über die Weser-Wellen schweben dank des Unternehmers Volker Flöder und seines aus Texas importierten Luftkissenbootes. Ein europaweit einzigartiges Vergnügen.

Noch liegt das liebste Spielzeug von Volker Flöder an einem einsamen Steg am Südende des Bremerhavener Fischereihafens. Ein wenig wirkt das Fahrzeug wie ein halb untergegangener Kleinbus, der von einer schwarzen Gummischürze über Wasser gehalten wird. Doch der 53-jährige Besitzer fiebert schon dem Tag entgegen, an dem sich das schwarz-weiße Ungetüm aus dem Wasser hebt und über die Wellen schwebt. Das Fahrzeug ist ein sogenanntes Hovercraft, landläufig auch Luftkissenboot genannt. In wenigen Wochen will der Bremerhavener Unternehmer damit Touristentouren auf der Weser anbieten. Bis zu acht Personen können dann für etwa 30 Minuten wenn schon nicht über den Wolken, aber immerhin über den Wellen schweben. Von der Seebäderkaje soll das Luftkissenboot zu Kurzausflügen weseraufwärts starten. "Die ersten Touren sind bereits ausgebucht", freut sich Flöder.

Ein bisschen klingt Flöders Plan nach einer Schnapsidee. Drei Jahrzehnte lang hat der Informatiker in Hamburg Computerprogramme für die Automobilindustrie ausgetüftelt. Trotz des anhaltenden Erfolges stand er irgendwann vor der Frage: "Entwickele ich in meinem alten Geschäft etwas Neues oder packe ich etwas ganz anderes an?" Die Antwort kam ihm bei einem längeren Neuseeland-Aufenthalt, als er am Strand beobachtete, welche Faszination Jetboote dort auf die Badegäste ausübten: "Hunderte von Menschen warteten geduldig auf eine Tour mit den schnellen Flitzern."
Jetboote sind so eine Sache – sie sind schnell und bei ihrer rasanten Tour über flaches Wasser nur schwer zu beherrschen. Zu viel Risiko für einen nüchtern rechnenden Mathematiker, aber Anregung genug für einen kreativen Unternehmer – und weil Flöder beides ist, schwebte ihm schnell die außergewöhnliche Geschäftsidee vor Augen: "Ein Luftkissenboot wäre genau die richtige Kombination aus ungewöhnlichem Erlebnis und sicherem Angebot."

Diese sogenannten Hovercrafts gehören in die Kategorien der Amphibienfahrzeuge – sie können sich über Land genauso schnell und sicher bewegen wie auf dem Wasser. "Eigentlich sind es sogar Luftfahrzeuge", meint Flöder mit einem Schmunzeln. Denn nur im Ruhezustand liegt der Rumpf auf dem Wasser und der Erde – im Betrieb bläst dagegen ein Riesenventilator Luft unter den Rumpf und zwischen die schwarzen Gummischürzen, so dass das Gerät schwebt und durch zwei Propeller vorangetrieben wird. Die größten Fahrzeuge dieser Art waren jahrelang zwischen Calais und Dover unterwegs, wurden dann aber wegen ihres großen Spritbedarfes außer Dienst gestellt.

Im zivilien Bereich eine Seltenheit

Noch liegt das liebste Spielzeug von Volker Flöder an einem einsamen Steg in Bremerhaven, aber in wenigen Wochen startet die erste Tour. Sie ist bereits ausverkauft. Foto: Wolfgang Heumer
Noch liegt das liebste Spielzeug von Volker Flöder an einem einsamen Steg in Bremerhaven, aber in wenigen Wochen startet die erste Tour. Sie ist bereits ausverkauft. Foto: Wolfgang Heumer

Luftkissenboote sind mittlerweile eine ausgesprochene Seltenheit – zumindest im zivilen Bereich gibt es diese Fahrzeuge in Europa nicht mehr. Und das, was weltweit im Angebot ist, ist auch nicht unbedingt in jenem Zustand, der Interessenten vor Glück schweben lässt. Das musste auch Volker Flöder feststellen, als er im Internet nach dem Hovercraft seiner Träume suchte. Fündig wurde er schließlich bei einem Rechtsanwalt in Texas, der als Privatvergnügen ein Canair-512-Luftkissenboot betrieb. Insgesamt wurden nur sieben Stück dieses Typs hergestellt, nur vier sind noch in Betrieb. Und nur eines war für Flöders Idee geeignet: 7,62 Meter lang, bietet es Platz für acht Passagiere und einen Bootsführer. Zwei 125-PS-Flugzeugmotoren bringen es auf eine Reisegeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde und in der Spitze auf 65 Stundenkilometer. Kein Wunder, dass Flöder nicht lange fackelte und die Maschine kaufte. "Aber es brauchte eine ganze Zeit, den richtigen Umgang mit dem Ungetüm zu lernen und es so umzubauen, dass es tatsächlich für den professionellen Transport von Passagieren geeignet ist."

Anfangs hatte Flöder noch gedacht, das neue Projekt genau wie einst seine EDV-Firma in Hamburg zu starten. Doch die konservativen Hanseaten winkten ab, zu abenteuerlich erschien ihnen der Gedanke an ein über die Elbe flitzendes Luftkissenboot. "Hier in Bremerhaven sind die Verhältnisse ohnehin viel besser", meint Flöder – und das nicht nur, weil er selbst in der Seestadt aufgewachsen ist: "Die neuen Touristenattraktionen haben Bremerhaven zu einem hoch interessanten Ausflugsort gemacht, jetzt runde ich das Angebot mit meinem Luftkissenboot ab." Zugegeben: "Ganz leise ist so ein Ding nicht", räumt Flöder ein. Dennoch werde das Fahrzeug bei seinem täglichen Einsatz von der Seebäderkaje aus nicht störend wirken.

Alle halbe Stunde eine Tour

Im Halbstunden-Takt will Flöder von dort starten: "Das erste Stück fahren wir ganz langsam. Und wenn wir weiter draußen Gas geben, wird es an Land nicht lauter sein, als wenn ein Auto vorbei fährt." Die Touren sollen stets weseraufwärts gehen. "Die andere Richtung wäre mir lieber, aber weserabwärts gibt es jede Menge Naturschutzgebiete, die wir natürlich meiden", sagt Flöder. Weseraufwärts dagegen kann ihn nur das Wetter stoppen: "Nur bei mehr als sechs Windstärken oder einer Wellenhöhe von mehr als einem Meter ist Schluss", sagt Flöder: "Sonst fahren wir täglich.“
Die Passagiere, so lautet Flöders Überzeugung, werden bei der Tour nicht nur ein einmaliges Technik-Erlebnis haben, sondern auch einen ganz anderen Eindruck von der Wasser- und Stadtlandschaft bekommen. Deswegen wird er auch nicht „full speed" geben: „Es geht ums Schweben, nicht um die Geschwindigkeit“, sagt er. Wenn die erste Passagiertour startet, wird nicht nur das Hovercraft schweben, sondern auch Flöder – vor Glück: "Damit geht ein Traum in Erfüllung."

Mehr unter www.hovertours.de

5.718 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Volker Flöder

E-Mail: mail[at]hovertours.de

Erstellungsdatum: 21.05.2012