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Kurzfassung: Von Laus und Lack

Burkhard Volbert ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Stroever. Das Unternehmen produziert zehn Prozent der gesamten Weltjahresproduktion von Schellack - mit nur 20 Mitarbeitern. Foto: Frank Miener
Burkhard Volbert ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Stroever. Das Unternehmen produziert zehn Prozent der gesamten Weltjahresproduktion von Schellack - mit nur 20 Mitarbeitern. Foto: Frank Miener

In Bremen sitzen die einzigen Experten für Schellack in Europa. Mit nur 20 Mitarbeitern erzeugen sie etwa zehn Prozent der Weltproduktion.

Die Fabrik fällt auf in der an den meisten Ecken sehr modern gestalteten Überseestadt, Bremens jüngstem Stadtviertel in den alten Hafenrevieren. Es ist ein alter Bau, teilweise noch mit Rundbogen-Fenstern, zum Teil verrußter Fassade und einem gewaltigen Schornstein. Seit mehr als 100 Jahren steht die Fabrik der Firma Stroever an ein und derselben Stelle. Hier wird Schellack hergestellt. 1893 gegründet, liefert das Unternehmen heute etwa zehn Prozent der gesamten Weltjahresproduktion.
"Darauf sind wird stolz", sagt Burkhard Volbert, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. Fünf Millionen Euro Jahresumsatz erzielt die Firma, die kaum jemand kennt, die aber in ihrem kleinen Markt einen hervorragenden Ruf genießt. "Zunächst war das ein Handelshaus", sagt Bernhard Stroever, der in der dritten Generation im Unternehmen tätig ist. Bald aber verlegte man sich auf die Herstellung von Schellack.

Schellack: Der Ausdruck meint ein Produkt aus Harz, das aus Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen wird und die Fabrik am Ende der Fertigung zwar in den verschiedensten Formen, aber stets als reines Naturprodukt verlässt. "Die meisten Menschen verbinden mit Schellack immer noch die Schallplatte", so Stroever. Tatsächlich wird das Harz zu weit mehr als der Konservierung von Musik eingesetzt. "Schellack wird zum Beispiel in der Medizin verwendet“, klärt Volbert auf. So dient das Material, das geschmacklos ist, unter anderem als Überzug auf Medikamentenkapseln. "Die werden dann nicht schon im Magen aufgelöst, sondern erst später", sagt er. Das liegt daran, dass Schellack magensaftresistent ist, nicht sofort zersetzt wird und daher die Wirkstoffe erst an gewünschter Stelle freigegeben werden.

Lange Jahre war Schellack für diese und andere Anwendungen das Mittel der Wahl – doch schon seit Jahrzehnten steht es in starker Konkurrenz zu Kunstprodukten. "Vinyl ist nur ein Beispiel", sagt Volbert. Der Unterschied im Vergleich zu Schellack: Vinyl wie Kunstharze sind immer gleich in ihrer Zusammensetzung.

Schellack, der Stoff, aus dem die Schallplatten waren, kann aber weitaus mehr als Musik konservieren. Das Naturprodukt hält zum Beispiel als Harzüberzug Zitrusfrüchte frisch. Foto: Frank Miener
Schellack, der Stoff, aus dem die Schallplatten waren, kann aber weitaus mehr als Musik konservieren. Das Naturprodukt hält zum Beispiel als Harzüberzug Zitrusfrüchte frisch. Foto: Frank Miener

Das ist bei dem Bremer Produkt, das bei Stroever insgesamt zehn Personen in der Produktion und zehn in der Verwaltung anbieten, anders. "Wir sind stark von den Rohstoffen abhängig", berichtet Volbert. Die stammen zu 95 Prozent aus Indien, darüber hinaus aus China, Thailand und Indonesien. Auf dem Subkontinent sitzt dann auch Stroevers Konkurrenz – denn in Europa ist die vergleichsweise kleine Bremer Firma die einzige, die Schellack herstellt. 300 bis 500 Tonnen produziert die Fabrik am Hafen pro Jahr, geschätzt wird sie in der ganzen Welt.

"Natürlich kommen immer wieder neue Firmen auf den Markt", sagt Volbert. Vor allem in Indien werde das immer wieder versucht, sitzt man dort doch an der Rohstoffquelle: drei bis vier Lausarten und ihren Ausscheidungen auf bestimmten Baumsorten. Die Ernte ist Handarbeit und das Gebiet begrenzt. Das macht den Rohstoff teuer. Sieben bis zehn Euro pro Kilogramm kostet er im Moment im Einkauf. "Das ist schon ein hoher Preis", sagt Volbert. Der lohne sich aber, denn der Trend geht zur Natur. "Wir beobachten seit einigen Jahren, dass immer mehr Hersteller Schellack einsetzen und auf Kunststoffe verzichten", sagt der Geschäftsführer. Gründe seien das gestiegene Bewusstsein bei Verbrauchern, aber auch die komplette biologische Abbaubarkeit im Gegensatz etwa zu Kunstharzen.

Mehr unter www.stroever.de

3.505 Zeichen, Autor: Frank Miener

Pressekontakt:

SSB – Stroever GmbH & Co. KG

Burkhard Volbert

E-Mail: info[at]stroever.de

Erstellungsdatum: 25.07.2012