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Kurzfassung: Forschung zwischen Frost und Faszination

Stefanie Weißbach, Doktorandin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI), sägt Eisbohrkerne aus der Antarktis. Foto: Wolfgang Heumer
Stefanie Weißbach, Doktorandin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI), sägt Eisbohrkerne aus der Antarktis. Foto: Wolfgang Heumer

Nahezu jeder gerät bei der Arbeit mal ins Schwitzen. Manche Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes hingegen frösteln regelmäßig. Für die Minus-Grade im Eislabor entschädigen faszinierende Einblicke in die Klimageschichte.

Die Bandsägen, an denen die Doktorandin Stefanie Weißbach arbeitet, würden das Herz eines Tischlers erfreuen. Auch die langen, wenn auch etwas schmalen Werkbänke könnten die Zierde jeder Werkstatt sein. Wären da nicht die Temperaturen in dem niedrigen Arbeitsraum: minus 20 Grad Celsius. Die sind aber unumgänglich. Denn die Doktorandin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) sägt kein Holz, sondern Eis. Und zwar solches, das es in sich hat. "In Eisbohrkernen aus der Antarktis stecken 800.000 Jahre Klimageschichte", sagt die Glaziologin Anna Wegner. In den Laboren des AWI wird unter anderem die in dem Eis eingeschlossene Luft vergangener Jahrtausende analysiert, um diese Geschichte zu entschlüsseln.

Die jeweils einen Meter langen Eisstangen stammen aus aufwendigen Spezialbohrungen durch die Eismassen in den Polargebieten der Erde. Die Bohrer fräsen sich buchstäblich in die Erdgeschichte, denn die mächtigen kalten Panzer sind über viele Hunderttausend Jahre gewachsen. "Der frisch gefallene Schnee schmilzt dort ja nicht", erläutert Anna Wegner, stattdessen lagert er sich ab. Zunächst ein paar hundert Jahre als Firn, dann presst die wachsende Eisschicht die Kristalle immer stärker zusammen: "Die ersten gut 500 bis 1.000 Jahre kann die Luft in dieser Masse noch zirkulieren, danach wird sie in winzig kleinen Bläschen eingeschlossen."

Für die Minus-Grade im Eislabor des Alfred-Wegener-Institutes werden die Forscher durch faszinierende Einblicke in die Klimageschichte der Erde entschädigt. Foto: Wolfgang Heumer
Für die Minus-Grade im Eislabor des Alfred-Wegener-Institutes werden die Forscher durch faszinierende Einblicke in die Klimageschichte der Erde entschädigt. Foto: Wolfgang Heumer

Bis Anna Wegner und die anderen Eisforscher am AWI das Eis schmelzen. "Die Lufteinschlüsse und die im Wasser enthaltenen Spurenelemente und Isotopen enthalten viele Informationen über das Klima in früheren Erdzeitaltern und liefern uns damit wichtige Hinweise, um das System Klima zu verstehen und die Mechanismen des Klimawandels zu ergründen", erklärt die Glaziologin. Das Eis dient so den Wissenschaftlern als gigantisches Klimaarchiv. In Grönland beispielsweise sind sie bis in die jüngste Warmzeit vor der derzeit herrschenden Periode vorgedrungen – sie endete vor etwa 120.000 Jahren.

Mit ihren Forschungen liefern die Bremerhavener Wissenschaftler einen wesentlichen Beitrag zum besseren Verständnis einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: "Um zu verstehen, wie der aktuelle Klimawandel abläuft und wodurch er im Detail beeinflusst wird, müssen wir viel mehr über die vergangenen Veränderungen wissen", sagt Anna Wegner. Im Mittelpunkt steht dabei die Unterscheidung zwischen natürlichen Ursachen von Klimaschwankungen und denen, die der Mensch beispielsweise durch die Industrialisierung ausgelöst hat. Die AWI-Wissenschaftler sind sich allerdings auch bewusst, dass die Inhalte und Details ihrer Arbeit weiten Teilen der Bevölkerung völlig unverständlich bleiben werden.

Anna Wegner und ihr Kollege Fernando Valero haben deswegen "Paul und Napoleon" geschaffen. Der Pinguin und der Eisbär gehen inzwischen in zwei Kinderbüchern auf die Reise durch die Welt der Wissenschaft; im ersten Band steht mit Paul urplötzlich "Ein Pinguin am Nordpol", im zweiten Band reisen die beiden "Um die Welt in einer Nacht". Fernando Valero hat zudem mit der Internetseite www.eiskern.de ein Medium entwickelt, das (nicht nur) Kindern und Jugendlichen leicht verständlich die Welt der Eis- und Klimaforschung erklärt.

Mehr unter www.awi.de

3.480 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Dr. Anna Wegner

E-Mail: Anna.Wegner[at]awi.de

AWI Kommunikation und Medien

Dr. Folke Mehrtens

E-Mail: medien[at]awi.de

Erstellungsdatum: 25.07.2012