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Kurzfassung: Kaviar made in Bremerhaven

Mit dem patentierten Verfahren der Bremerhavener Meeresbiologin Professor Dr. Angela Köhler können delikate Stör-Eier ohne die Tötung des Tieres gewonnen werden. Foto: Wolfgang Heumer
Mit dem patentierten Verfahren der Bremerhavener Meeresbiologin Professor Dr. Angela Köhler können delikate Stör-Eier ohne die Tötung des Tieres gewonnen werden. Foto: Wolfgang Heumer

Der Genuss gilt als exklusiv, doch der Weg dorthin ist brutal: Um Kaviar zu gewinnen, müssen die Störweibchen bislang getötet werden. Die Bremerhavener Meeresbiologin Professor Dr. Angela Köhler hat eine tier- und umweltschonende Variante entwickelt.

Der Kaviar, den Professor Angela Köhler ihren Gästen anbietet, ist perfekt. Die Haut der grauen Perlen ist hauchdünn und trotzdem haben die leicht gesalzenen Fisch-Eier genau jenen leichten Biss, den Feinschmecker an dieser Delikatesse so zu schätzen wissen. Ohne Zweifel hält er jedem Vergleich mit Kaviar aus russischer oder iranischer Produktion stand. Tatsächlich ist er sogar noch besser. Denn die Delikatesse, die Angela Köhler serviert, garantiert Genuss ohne Reue. Erstmals müssen Störweibchen nicht mehr getötet werden, um ihnen den Rogen für die Kaviar-Produktion zu entnehmen. Das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), an dem die Wissenschaftlerin arbeitet, hat sich das Verfahren international patentieren lassen.

In Kontakt mit dem Thema Kaviar kam sie eigentlich durch Zufall. Während einer Fachtagung zum Thema Aquakultur besichtigte sie vor ein paar Jahren eine Stör-Aufzuchtanlage im Iran. Die Eier der Störe dienen zur Produktion einer der teuersten Delikatessen der Welt. "Für Kaviar erster Qualität werden durchaus 3.000 Euro und mehr pro Kilogramm erzielt", weiß Angela Köhler; für den berühmten goldgelben Zarenkaviar erreicht der Kilopreis sogar bis zu 30.000 Euro. Nur wenige Menschen auf der Welt können sich diesen "Genuss" leisten, für den die Natur einen horrenden Preis bezahlt: "Die Störe im Kaspischen Meer sind nahezu ausgerottet", sagt Angela Köhler. Legal dürfen die Fische nicht mehr gefangen werden. Kaviar aus Wildfängen ist deswegen längst weltweit geächtet.

Der Grund für das Aus der Wildbestände: Für die Gewinnung des Luxus-Genusses müssen die Fischweibchen getötet werden. Längst werden die Störe in Nachzuchtanlagen aufgezogen und dann im See ausgesetzt. Dennoch bleibt das Verfahren ein unvorstellbarer Raubbau an der Natur und ist auch ökonomisch unsinnig. Denn es dauert in der Aquakultur je nach Störart zwischen fünf und 16 Jahren, bis ein Stör erstmals Eier gibt; also werden die ausgesetzten Störe schon nach ein paar Jahren wieder eingefangen und getötet: "Dabei können manche Störarten bis zu 120 Jahre alt werden", sagt die Meeresbiologin.

Dass die Fischweibchen getötet werden müssen, hängt mit der Produktionsweise von Kaviar zusammen. Im lebenden Zustand abgestreifter Laich wird gelig und weich, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Er konnte bislang nicht zu Kaviar verarbeitet werden – bis die Wissenschaftlerin gewissermaßen das Fischei des Columbus entdeckte: Sie fand einen Weg, seine Stabilisierung auszulösen. Als Angela Köhlers Arbeitgeber bekam das AWI für das Verfahren weltweiten Patentschutz. Damit war der Weg frei, aus dem Experiment ein wirtschaftliches Unternehmen zu machen und aus dem AWI heraus mit der Exklusivlizenz die Vivace GmbH zu gründen. In einem ehemaligen Verbrauchermarkt am Stadtrand Bremerhavens entsteht zur Zeit die Aquakulturanlage, in der voraussichtlich Anfang 2013 die ersten Störe eingesetzt werden sollen. Angepeilt wird eine Jahresproduktion von zunächst sechs bis acht Tonnen Kaviar. „Die Etiketten für unsere Dosen haben wir schon mal gestalten lassen, unsere Internetseite vivacecaviar.de ist auch bald fertig“, sagt Köhler. Eines ist sicher: "Es wird zu Weihnachten bereits den ersten Kaviar made in Bremerhaven zu kaufen geben", verspricht die Wissenschaftlerin und Unternehmerin.

Mehr unter www.vivacecaviar.de (in Vorbereitung)

3.633 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Professor Dr. Angela Köhler

E-Mail: angela.koehler[at]awi.de

Erstellungsdatum: 27.09.2012