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Kurzfassung: Maschinenbau "en miniature"

Einst war er Lehrer. Heute vertreibt Walter Ruffler von Bremen aus weltweit seine mechanischen Skulpturen aus Papier. Foto: Silke Düker
Einst war er Lehrer. Heute vertreibt Walter Ruffler von Bremen aus weltweit seine mechanischen Skulpturen aus Papier. Foto: Silke Düker

Früher war er Lehrer. Heute vertreibt Walter Ruffler von Bremen aus weltweit mechanische Skulpturen aus Papier. Jetzt will er auch China erobern.

Im Industriegebiet Bremen-Hastedt reiht sich ein Autohaus ans andere. Zwischendrin ein Baumarkt, eine Tankstelle, eine günstige Autovermietung. Plötzlich ein hellblaues Schild: "Walter Ruffler Papier Maschinen". Eine andere Welt: unaufdringlich, zerbrechlich, verspielt.

Durch die Toreinfahrt geht es auf einen Innenhof. Im ersten Stock liegt die Wirkungsstätte des Papiertüftlers. Ein großer Lagerraum, der rund 300 knallbunte, bewegliche Papiermodelle beherbergt. "Meine Geschäftsidee war es, mechanische Skulpturen zu konstruieren“, erklärt Walter Ruffler. „Die meisten denken bei Papiermodellen an Anziehpüppchen, Ritterburgen oder Schiffe", sagt er. "Das ist mir zu statisch, ich möchte Bewegung reinbringen."

Der 63-Jährige mit dem jungenhaften Lächeln war früher Lehrer, unter anderem hat er in einer gewerkschaftlichen Weiterbildungseinrichtung technisches Zeichnen unterrichtet. Studiert hat Ruffler aber eigentlich Philosophie und Theologie sowie Germanistik und Politikwissenschaft. Als er mit 55 arbeitslos wurde, machte er innerhalb von zwei Jahren aus seinem Hobby ein Geschäft. Seine beweglichen Papierskulpturen sind ausschließlich als Ausschneidebogen zu kaufen. Je nach Komplexität des Motivs ein bis fünf Stück pro Bausatz, der zwischen drei und acht Euro kostet.

So ganz aus seiner Haut kann der einstige Lehrer dann aber doch nicht: Ein Charakteristikum seiner Modelle ist der offene Sockel, der den Blick auf die Mechanik im Inneren freigibt. Das schmälert zwar den Überraschungseffekt: Wie wird sich die Puppe beim Kurbeln bewegen? Aber dafür erfüllt es einen didaktischen Anspruch. Auch seine große Sammlung, die sowohl historische Papierskulpturen aus dem 19. Jahrhundert als auch zeitgenössische Skulpturen seiner internationalen Kollegen umfasst, hat er didaktisch aufbereitet.

"Im Ausland gibt es eine viel größere Szene von Papier-Konstrukteuren als hier", erklärt er. Vor zwei Jahren noch hat Ruffler bis zu 70 Prozent seiner Bastelbögen exportiert. Als die Wirtschaftskrise in den USA begann, ist der Absatz dort fast komplett zurückgegangen. Vorher machte er 40 Prozent aus. Heute exportiert er nur noch gut die Hälfte seiner bunt bedruckten Bögen.

Inzwischen kann Walter Ruffler von seiner Geschäftsidee gut leben: Bis zu 11.000 Ausschneidebögen verkauft er jährlich. Foto: Silke Düker
Inzwischen kann Walter Ruffler von seiner Geschäftsidee gut leben: Bis zu 11.000 Ausschneidebögen verkauft er jährlich. Foto: Silke Düker

Dennoch kann Walter Ruffler von seiner Geschäftsidee immer noch gut leben: Der Umsatz seines Ein-Mann-Unternehmens wächst stetig. Bis zu 11.000 Ausschneidebögen verkauft er jährlich. Dazu kommen Honorare für die beiden Lehrbücher zur Papiermechanik, die er geschrieben hat, sowie Einnahmen aus Ausstellungen, Workshops und Fortbildungen.

Wichtige Zutaten für den Erfolg sind sicher seine Kreativität und sein Witz bei der Wahl der Motive. Die Ideen kommen ihm spontan: So war er beispielsweise eine Legislaturperiode lang Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft. "Eine Reminiszenz ist meine Papierskulptur 'Der Volksvertreter', der an seinem Pult einnickt."

Dieser Tage flatterte ihm die Anfrage einer Firma aus Taiwan ins Haus. Hinterher kam ein Vertragsentwurf. "Die möchten einen Teil meiner Sachen in Lizenz drucken", freut sich der Bremer. "Gleich 24 meiner Motive." Wenn alles klappt, geht das Geschäft noch in diesem Jahr über die Bühne. Ruffler rechnet: "Wenn nur jeder zehnte Chinese einen Ausschneidebogen von mir kauft, dann bin ich ein gemachter Mann", schmunzelt er.

Mehr unter www.walterruffler.de

3.429 Zeichen, Autorin: Silke Düker

Pressekontakt:

Walter Ruffler

E-Mail: walterruffler[at]aol.com

Erstellungsdatum: 20.11.2012