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Kurzfassung: Blau. Und Weiß. Da, wo meine Mama ist

Die Diplom-Pädagoginnen Wiebke Voller (l.) und Doerthe Taubel gründeten im Mai 2011 das Trauercafé der Lebenshilfe Bremen – es ist eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Foto: Focke Strangmann
Die Diplom-Pädagoginnen Wiebke Voller (l.) und Doerthe Taubel gründeten im Mai 2011 das Trauercafé der Lebenshilfe Bremen – es ist eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Foto: Focke Strangmann

Trauercafé der Lebenshilfe Bremen können geistig und körperlich behinderte Menschen Trauer und Verlust zum Thema machen – und werden als Erwachsene ernst genommen.

Als ihre Lieblingsschwester vor einigen Jahren starb, war das für Sabine* doppelt schlimm. Ihre engsten Verwandten versuchten zu verhindern, dass sie zur Beerdigung kommt. Sabine, damals Mitte 60, würde es nicht verkraften, teilzunehmen – so die Meinung der Familienangehörigen. Die behinderte Frau aus Bremen sollte nicht mit dabei sein. Dabei wünschte sie sich so sehr, am Grab Abschied nehmen zu können.

Zu trauern ist anstrengend und schmerzhaft – das gilt für Menschen mit und ohne geistige oder körperliche Einschränkungen gleichermaßen. Dennoch gibt es auf diesem Feld gegenüber Menschen mit Behinderungen viele Berührungsängste. – ganz ähnlich wie bei der Sexualität. Ein Projekt in Bremen soll jetzt dazu beitragen, dass sich Menschen mit Behinderungen über ihre Verlusterfahrungen austauschen können und damit nicht mehr allein gelassen werden.

"Ich kenne Menschen, die trauern seit 30, 40 Jahren um ihre Eltern", berichtet Diplom-Pädagogin Wiebke Voller. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Dörthe Taubel leitet die 31-Jährige das "Trauercafé" der Lebenshilfe Bremen e. V. Mitarbeiter in Behinderten-Einrichtungen seien in ihrem eng getakteten Alltag damit fast immer überfordert. "Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, können nicht mehr richtig schlafen oder reagieren aggressiv", beschreibt Voller mögliche Folgen nicht ausgelebter Trauer.

Im Trauercafé der Lebenshilfe Bremen können körperlich und geistig behinderte Menschen ihren Verlust und ihre Trauer zum Thema machen. Foto: Focke Strangmann
Im Trauercafé der Lebenshilfe Bremen können körperlich und geistig behinderte Menschen ihren Verlust und ihre Trauer zum Thema machen. Foto: Focke Strangmann

Im Mai 2011 haben die beiden Pädagoginnen das Trauercafé gegründet. Es ist eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Seitdem treffen sich an jedem zweiten Freitagnachmittag Menschen zwischen Mitte 30 und Ende 70 in den Räumen der Lebenshilfe Bremen – einem von Eltern gegründeten Verein und Fachverband mit vielen Beratungs-, Wohn- und Unterstützungsangeboten für Menschen mit Behinderung.

Das Thema stecke in der Fachpädagogik noch in den Kinderschuhen, so Taubel, die zuvor in einem Kinderhospiz Erfahrungen mit der Tabu-Situation Sterben gesammelt hat. Ihre Kollegin hat sich ebenfalls in der Hospizarbeit weitergebildet und ihre Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben.

Mit spielerischen, bildhaften Methoden und Ritualen versuchen die Bremer Pädagoginnen den Besucherinnen und Besuchern Brücken zu bauen. Wie beim Spiel mit den bunten M&Ms-Schokolinsen, das heute auf dem Programm steht. Gut gehe es ihm, meint Stefan, zündet eine Kerze an und greift in die Schale mit den M&Ms-Schokobonbons. Ein Rotes. "Hast Du schon mal überlegt, wie es im Himmel aussieht?" steht auf der farblich passenden Karte. "Blau", sagt Stefan, "und weiß. Da, wo meine Mama ist."

(* Name geändert)

Mehr unter www.lebenshilfe-bremen.de

2.731 Zeichen, Autor: Milko Haase

Pressekontakt:

Trauercafé der Lebenshilfe Bremen

Dörthe Taubel

E-Mail: trauercafe[at]lebenshilfe-bremen.de

Erstellungsdatum: 26.02.2013