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Schlürfen erlaubt

Thorben Haas bei der Arbeit: Der Kaffeetester ist bei Mondelēz International verantwortlich dafür, dass nur einwandfrei beurteilter Rohkaffee in die weiterverarbeitenden Werke gelangt. Foto: Jörg Sarbach
Thorben Haas bei der Arbeit: Der Kaffeetester ist bei Mondelēz International verantwortlich dafür, dass nur einwandfrei beurteilter Rohkaffee in die weiterverarbeitenden Werke gelangt. Foto: Jörg Sarbach

Wenn Thorben Haas arbeitet, muss er seine Manieren vergessen: Er schlürft lautstark Kaffee aus einer Tasse. Anschließend zieht er dreimal hörbar die Luft mit einem Ge-räusch ein, das wie „schiep“ klingt. Auf diese Weise kann er den Geschmack der Bohne beurteilen. Haas ist Kaffeetester bei Mondelçz International, früher Kraft Foods, in Bremen.

Thorben Haas steht vor einem langen Tisch, auf dem 30 Kännchen frisch aufgebrühter Kaffee auf ihn warten. Von jedem wird er mindestens einen Schluck probieren. "30 Kännchen stehen für 30 Container Rohkaffee", sagt Haas. Der Kaffee wurde geröstet, gemahlen und ohne Filter mit heißem Wasser aufgegossen.

Der 40-Jährige schenkt sich Kaffee in eine Tasse ein und setzt diese an den Mund. Er saugt das Ge-tränk schlürfend ein und spuckt es dann wieder in einen Plastikbecher aus. So probiert er erst die Referenzprobe, dann den zu prüfenden Kaffee – und das rund 150 Mal am Tag. Als Kaffeetester beim Nahrungsmittelkonzern Mondelçz International ist Haas verantwortlich dafür, dass nur einwandfrei beurteilter Rohkaffee in die weiterverarbeitenden Werke gelangt. Das sei die Vorausset-zung für den immer gleichbleibenden Geschmack von Marken wie "Jacobs Krönung".

Mehr als 10.000 Standardcontainer mit Rohkaffee importiert Mondelçz International jedes Jahr aus Ländern wie Kenia, Kolumbien, Äthiopien oder Brasilien. Die Ware kommt entweder in Bremerhaven an und wird dann mit dem Binnenschiff auf der Weser in den Bremer Holzhafen gebracht, wo der Kaffee zentral gelagert wird. Oder die Bohnen werden mit dem Zug aus Hamburg nach Bremen geliefert.

Kaffee wird in Bremen für weltweiten Markt entkoffeiniert

"Der Lagerhalter zieht mit einer sechs Meter langen Probenlanze von jedem Container ein repräsentatives Muster", sagt Haas. Das müssen er und seine beiden Kolleginnen bewerten. Erst wenn die Ware für gut befunden wurde, wird sie freigegeben und an die Werke in Bremen-Hemelingen, Elmshorn, Berlin und Wien geliefert. Im Werk im Bremer Holzhafen wird Kaffee für den weltweiten Markt zudem mit natürlicher Quellenkohlensäure entkoffeiniert.

30 Container kamen vor kurzem an, die Proben sind nun in den Kännchen, die vor Haas stehen. Lange überlegen muss der 40-Jährige nicht für seine Urteile. Konzentriert und zügig arbeitet er alle Kännchen ab. Er prüft die Bohnen auf ihre Säure, ihren Körper und ihr Aroma. Schlürfen gehört dazu: "Dann kann ich den Geschmack viel besser aufnehmen." Der Ablauf bleibt immer gleich. "Das ist wichtig, um herauszufinden, ob und wie sich der Rohkaffee verändert hat."

Beim ungewaschenen Arabica aus Brasilien findet er einen Fehler. "Er ist leicht härtlich", sagt Haas, und seine Kollegin Verena Fisser nickt. Der Kaffee muss nun ein weiteres Mal verkostet werden, um daraufhin zu entscheiden, ob der Kaffee abgewertet wird. Verena Fisser dokumentiert die Beanstandung in einem Formular, damit der Einkauf informiert ist.

Niedrige Reklamationsquote

Mehr als 10.000 Standardcontainer mit Rohkaffee importiert Mondelēz International jedes Jahr. Proben aus jedem Container werden vor der Weiterverarbeitung in Bremen getestet. Foto: Jörg Sarbach
Mehr als 10.000 Standardcontainer mit Rohkaffee importiert Mondelēz International jedes Jahr. Proben aus jedem Container werden vor der Weiterverarbeitung in Bremen getestet. Foto: Jörg Sarbach

So mangelhafte Ware, dass sie nicht weiterverarbeitet werden könne, werde fast nie angeliefert. "Die Reklamationsquote liegt bei höchstens zwei Prozent", sagt Haas. Sie sei deshalb so niedrig, weil schon vor Ort in den Anbaugebieten Kollegen die Ware genauestens kontrollierten und die Kaffeebauer geschult würden.

Dennoch erleben Haas und seine beiden Mitarbeiter immer wieder Überraschungen. "Wir hatten mal mehrere Container, die nur mit Sand gefüllt waren", erinnert sich Haas. Vor kriminellen Machenschaften sei eben kein Unternehmen gefeit. Ein anderer Container enthielt Rohkaffee, der bereits bräunlich in Bremen ankam. "Die Bohnen waren so nah an den Dieselmotoren des Schiffs gelagert, dass sie durch die Hitze schon langsam geröstet worden waren." Auch Steine oder Insektenbefall im Kaffee kommen schon mal vor. "Kaffee ist schließlich ein Naturprodukt", betont Haas. Deshalb sei die Qualitätskontrolle so wichtig.

Mondelçz International hat sich nach eigenen Angaben das Ziel gesetzt, bis 2015 die Bohnen aller europäischen Kaffeemarken aus nachhaltigem Anbau zu beziehen. Zurzeit sind es gut 40 Prozent. "Damit können wir direkt Einfluss auf die Anbaubedingungen nehmen", sagt Haas. Seit zehn Jahren arbeitet der Konzern deshalb auch mit der Umweltorganisation Rainforest Alliance zusammen. "Schließlich wollen wir noch in vielen Jahren qualitativ hochwertigen Kaffee haben." Zudem sei er sich persönlich sicher, dass der zertifizierte Kaffee auch besser schmecke. Streng genommen sei die Qualität auf dem Papier aber die gleiche.

Zu seinem Beruf kam Haas eher zufällig. Vor 16 Jahren begann er im Unternehmen, das damals noch Kraft Jacobs Suchard hieß, eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Als er Station in der Abteilung für Rohkaffee-Qualität machte, sprach ihn der damalige Leiter an, ob er nicht als Kaffeetester dort bleiben wolle. "Das ist schon relativ speziell", räumt Haas ein. Dennoch – oder gerade deshalb – entschied er sich dafür. Schnell übernahm er die Leitung der kleinen Abteilung, als sein Chef auf einen anderen Posten wechselte.

"Jacobs Krönung" soll immer gleich schmecken

Zur wichtigsten Aufgabe von Haas gehört es, dass er mehrere Rohkaffees miteinander kombiniert. Er sorgt so mit dafür, dass die verschiedenen Kaffee-Marken wie etwa "Jacobs Krönung" weltweit stets für den Verbraucher gleich schmecken. "Die Mischung ändert sich immer wieder." So entstehe das Produkt. "Wir müssen genügend Kaffee aus den verschiedenen Ländern haben, um den Krönungsgeschmack hinzukriegen", so Haas. Gute Geschmacksnerven sind da wichtig.

Mit Knoblauch im Essen ist Haas deshalb vorsichtig. Eins aber hat er sich privat nicht abgewöhnt: Das Kaffeetrinken. "Morgens trinke ich meine Tasse Kaffee, oder auch zwei", erzählt der Vater eines vierjährigen Sohnes. Im Büro allerdings braucht er keine Kaffeemaschine. Da genießt er zwischendurch den Probekaffee, anstatt ihn wieder auszuspucken. "Frischer geht es nicht."

Mehr unter www.mondelezinternational.de

5.868 Zeichen, Autorin: Janet Binder

Pressekontakt:

Mondelez Deutschland Services GmbH & Co. KG

Tanja Scheil

E-Mail: tscheil[at]mdlz.com

Erstellungsdatum: 11.07.2013