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Kreativ-Nachwuchs trifft auf Wirtschaft

Stipendienprogramm einmal anders: Im "Brennerei next generation lab" erhalten acht Hochschulabsolventen kreativer Fächer und angrenzender Disziplinen in Bremen die Chance, sechs Monate lang in Projekten mit realen Auftraggebern aus der Wirtschaft zu arbeiten. Eine Win-Win-Situation, wie die Beteiligten finden.

Wenn Holger Schoefer nach seiner Zeit im ersten Jahrgang der "Brennerei next generation lab" gefragt wird, fasst er die frappierendste Erfahrung in einem Satz zusammen: "Es gab immer eine Lösung." Die Verblüffung schwingt auch zwei Monate nach Ende des neuen Stipendienprogramms in seiner Stimme mit, wenn er darüber spricht, wie befruchtend die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen sein kann. Gemeinsam mit einem Medien- und zwei Kommunikationsdesignern, einer Innenarchitektin, zwei Kulturwissenschaftlern und einer Architektin hat der ebenfalls Architektur studierende Schoefer in sechs Monaten an drei Projektaufträgen gearbeitet. Und immer dann, wenn das Gefühl aufkam, jetzt stecke man fest, "ging es irgendwo weiter", so der 31-Jährige. "Das hätte ich nicht gedacht." Neben ihm sitzt Mitstipendiatin Alessandra Meloni und nickt. Die 25-jährige Kulturwissenschaftlerin aus Italien bestätigt: "Dass diese verschiedenen Hintergründe sich so gut kombinieren ließen, war absolut erstaunlich."

Der Auftrag: Kreative Lösungen für Unternehmen

Keinesfalls erstaunt sind die Projektkoordinatorinnen Anne Havliza und Andrea Kuhfuß. Für sie geht mit dem Stipendienprogramm "Brennerei" ein Konzept auf, von dessen Wirkung sie überzeugt sind. Es baut auf Erfahrungen auf, die bereits 15 Jahre lang im Vorgänger-Stipendium "Designlabor" in Bremerhaven gemacht worden sind. "Es geht um die Professionalisierung der Stipendiaten und darum, Innovationsprozesse in Unternehmen zu initiieren", beschreibt Anne Havliza das Ziel. Inzwischen verantwortet die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH das Programm, finanzielle Unterstützung erhält es aus dem Europäischen Programm für Regionale Entwicklung (EFRE). Im ersten Jahrgang waren auch Absolventen aus dem europäischen Ausland dabei, wie eben Alessandra Meloni, die in London ihren Bachelor gemacht hatte und anschließend nach Italien zurückgekehrt war. Wie sie von der "Brennerei" erfuhr? Über eine Twitter-Meldung, erzählt die 25-Jährige.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Hochschulabsolventen, deren Abschluss nicht mehr als ein Jahr zurückliegen sollte, und Masterstudenten. Derzeit läuft die Bewerbungsphase (Frist: 31. Januar 2014) für den nächsten Durchgang, der am 1. April beginnt.

Wer von der unabhängigen Jury ausgewählt wird, erhält ein Stipendium in Höhe von 1.000 Euro monatlich. Inhaltlich geht es dann unter Anleitung von Experten aus Kreativwirtschaft und Wissenschaft darum, Lösungen für konkrete Problemstellungen von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen zu entwickeln.

Für den Bremer Bürgerpark galt es beispielsweise, im ersten Durchlauf neue Ansätze zu finden, wie vermehrt Mitglieder und Spendengelder akquiriert werden können. Eher theoretischer Natur war dann die Thematik bei der niedersächsischen Onlyglass GmbH: Hier ging es darum, alternative Nutzungsmöglichkeiten eines neuen Produkts auszuloten. Das Unternehmen stellt so genannte Medienfassaden her, das heißt: digital bespielbares Glas als Informations- und Werbeträger, etwa an Häuserfassaden. Displays ersetzen dabei herkömmliche Verglasungssysteme. Die Fassaden sind nahezu transparent, LED-Leuchten sind im Glas integriert.

So unterschiedlich die Aufgabenstellungen, so divers die Herangehensweisen: Mit einem "Feldstudio" zogen die Stipendiaten etwa in den Bürgerpark und luden Besucher ein, aufzuschreiben oder zu malen, was sie sich für "ihren" Park wünschten. Zu ihrem Maßnahmenkatalog, den sie der Bürgerpark-Direktion nach Analyse und Ideenentwicklung schließlich präsentierten, zählte unter anderem eine Mitgliederkarte, die unterschiedlichen Interessensgruppen (etwa Kinder, Garten- oder Sportinteressierte) passgenauen Mehrwert bietet. "Wir haben die Zusammenarbeit als sehr wertvoll wahrgenommen", sagt Tim Großmann, Direktor des Bürgerparks. Die Ergebnisse seien nicht alle vollkommen neu gewesen, "aber die Stipendiaten haben die Ideen aus ihrer Perspektive konsequent zu Ende gedacht. Der Vorteil der 'Brennerei' ist ja, dass Absolventen ganz verschiedener Fachrichtungen von außen und mit einem frischen Blick auf die Thematik schauen." Einige Vorschläge werden jetzt in den Gremien weiterentwickelt.

Neue Perspektiven auf ein Industrieprodukt

Ganz ähnlich resümiert das Unternehmen Onlyglass die Zusammenarbeit. Hier setzten die Stipendiaten nach dem ersten Treffen, bei dem sie das Produkt kennen gelernt hatten, gewissermaßen auf der Metaebene an: Was kann man mit Medienfassaden machen, jenseits der bekannten Nutzung als Werbeträger? Die verschiedenen Hintergründe der Stipendiaten führten zwangsläufig zu einer breit gefächerten Recherche: von Aspekten der Stadtentwicklung bis zur Lichtverschmutzung, der öffentlichen Raumgestaltung, interaktiven Nutzung und kulturellen Dimension. Dass Medienfassaden etwa in nordischen Ländern im Winter eine willkommene Lichtquelle darstellen können, war ein neuer Aspekt. "Der Ideenreichtum und die konkreten Vorschläge haben uns überrascht", sagt Geschäftsführer Walter Tietz. "Sie haben unseren Blick auf das, was mit Medienfassaden möglich ist, noch einmal geweitet. Das haben wir als sehr befruchtend empfunden."

Neue Arbeitsformen bewähren sich

Die Stipendiaten haben Projekt- und Praxiserfahrung gesammelt, neue Arbeitsmethoden gelernt und Kontakte geknüpft – alles gute Voraussetzungen für den Berufsstart. "Ich habe viele Erfahrungen mit designbasierten Innovationsprozessen gesammelt und würde es definitiv jedem empfehlen, sich zu bewerben, egal aus welchem Fach", resümiert Alessandra Meloni, die inzwischen in Bremen eine neue Heimat gefunden hat. Holger Schoefer beendet derzeit seinen Master und ist überzeugt, dass er aus der "Brennerei" neue Perspektiven und Arbeitsmethoden für seine Arbeit als Architekt mitnimmt: "Ich finde nun durch das interdisziplinäre Arbeiten viel schneller Anknüpfungs- und Verknüpfungspunkte", sagt er und fügt lachend hinzu: "Offen für Neues zu sein, ist jetzt mein Spezialgebiet."

Mehr unter www.brennerei-lab.de

6.270 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Anne Havliza und Andrea Kuhfuß

Projektleiterinnen BRENNEREI next generation lab

E-Mail: info@brennerei-lab.de

Erstellungsdatum: 15.12.2013