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Kurzfassung: Eine Werft im Wandel

Schiffbau in Deutschland hat Zukunft: Die Bremerhavener Lloyd Werft trotzt der Konkurrenz durch internationale Konzerne und zeigt, wie sich eine angebliche Altindustrie neu erfindet.

Für den Blick aus seinem Büro könnte Rüdiger Pallentin Eintrittsgeld nehmen. Nicht nur wegen des Hafenpanoramas, sondern vor allem wegen des Abendhimmels: "Das ist schon ein imposanter Anblick, wenn die Sonne hinter den Kajen im Meer untergeht." Pallentin ist Vorstandsmitglied der Bremerhavener Lloyd Werft; und selbst wenn dicke Wolken den Horizont verdüstern, bietet der Arbeitsplatz Perspektiven. "Wir haben hier schon manchen Sturm abgewettert", sagt der 59-Jährige und meint das auch im übertragenen Sinne: "Ich weiß gar nicht mehr, wie oft man unser Ende prophezeit hat." Inzwischen gilt die Lloyd Werft als Musterbeispiel dafür, wie sich deutsche Schiffbaubetriebe auch gegen die aggressive Preispolitik internationaler Konkurrenten behaupten können.

Aus Pallentins Büro geht der Blick über ein Werftgelände, auf dem viel passiert ist. Der Umbau der „Queen Elisabeth II“ in nur 179 Tagen machte das Unternehmen auch außerhalb der Fachwelt zum Begriff. Verlängerungen von Passagierschiffen und Neubauten festigten den Ruf der Umbau- und Reparaturspezialisten. Katastrophen wie der Untergang des nagelneuen Kreuzfahrtschiffes "Pride of America" 2004 trafen die Werft zwar ins Herz, brachten sie aber nicht um. "Letztlich war das mit der Anstoß dazu, dass die Werft heute ein ganz anderes Unternehmen ist als vor wenigen Jahren", meint Pallentin.

Maritime Großfamilie rückt zusammen

Von seinem Schreibtisch aus schaut Pallentin heute auf eine Schiffbaulandschaft, die so vielfältig und doch einig ist wie noch nie. Die Landflächen und Werkstätten rund um das Verwaltungsgebäude repräsentieren die Lloyd Werft. Die angrenzenden Trocken- und Schwimmdocks im Kaiserhafen werden zusammen mit der "Schwester" German Dry Docks vermarktet. So haben die Schiffbauer und Schlosser der Lloyd Werft und der German Dry Docks Arbeit, und auch viele Partnerfirmen profitieren davon.

Zum Beispiel die MWB AG. MWB ist Teil der maritimen Großfamilie, ihr Hauptgesellschafter Dieter Petram ist an der Lloyd Werft beteiligt. Das vereinfachte den Weg, die nach diversen Krisen verbliebenen Schiffbaubetriebe enger zu verzahnen. "Ein Kaiserhafen, drei Unternehmen, sechs Docks" - das ist seither die Devise einer "KaiserhafenAllianz", in der die drei Partner Kunden gegenüber treten. "Früher haben wir uns gegenseitig Konkurrenz gemacht, im Zweifelsfall hat dann keiner den Auftrag bekommen."

Im Zuge der Neustrukturierung wurde die Lloyd Werft in eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft aufgeteilt. Das sorgte für Diskussionen mit den Arbeitnehmervertretern. Sie argwöhnten, der Werftbetrieb könne aufgegeben werden. "Letztlich haben wir deutlich machen können, dass es uns um einen Schutz des Gesamtinteresses geht", so Pallentin.

Deutscher Schiffbau überlebt Fernost-Konkurrenz

Die Sorgen der Gewerkschaften haben ihren Ursprung wohl in der dramatischen Entwicklung, die die Zahl der Arbeitsplätze im Schiffbau genommen hat. Mit jedem großen Werftensterben gingen tausende Jobs verloren. Auch "beim Lloyd" mussten in den vergangenen Jahrzehnten einige hundert Leute gehen. Doch im Strukturwandel steckte die Chance für einen Neuanfang. "Stahlplatten aneinander schweißen und daraus Schiffe bauen - das können andere mittlerweile genauso gut, aber billiger", verweist Pallentin auf die Konkurrenz vor allem in Fernost. Selbst ausrüstungsintensive Passagierschiffe - bislang eine Domäne europäischer Werften - entstehen heute in Korea und China.

"Vor diesem Hintergrund blieben uns im Prinzip nur zwei Wege zum Überleben", meint Pallentin. Zum einen stärkten die Bremerhavener mit ihrer "KaiserhafenAllianz", ihre Kompetenz als Reparatur- und Wartungsstandort. "Allein in den Reedereien, die regelmäßig Bremerhaven anlaufen, steckt ein großes Marktpotenzial." Zum anderen konzentrierte sich die Werft auf das, was schon beim Umbau der "Queen Elisabeth 2" ihren Weltruf begründete. "Unsere Stärken sind die Ingenieurskunst, die Logistik, die Projektsteuerung und nicht zuletzt unsere motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; das macht uns so schnell keiner nach. Und das kann man auch nicht mit Dumping-Preisen unterlaufen", ist Pallentin überzeugt. Entsprechend hat sich die Personalstruktur verändert. Kam früher auf 30 Werftarbeiter ein Meister oder ein Ingenieur, liegt das Verhältnis heute bei 10:1.

Vielfalt als Überlebenskonzept

Der aktuelle Großauftrag - ein Spezialschiff für das Verlegen von Rohrleitungen in großer Wassertiefe - zeigt das Prinzip, nach dem der totgesagte deutsche Schiffbau überlebt. Die schiffbauliche Konstruktion stammt von der Lloyd Werft, unter deren Aufsicht eine polnische Werft den Stahlkasko baut. Der Rumpf wird im Kaiserhafen zum betriebsfähigen Schiff ausgerüstet, das dann von einem niederländischen Spezialunternehmen mit der Rohrverlege-Technik ausgestattet wird.

Ähnlich sind zwei weitere Aufträge strukturiert, bei denen die Lloyd Werft zwei Bohrinsel-Versorger umbaut. Parallel dazu kommen regelmäßig Kreuzfahrtschiffe zu Reparaturen. Container- oder Kühlfrachter legen bei ihren Bremerhaven-Anläufen einen Zwischenstopp für den Schiffs-TÜV ein. Und wenn die Spezialschiffe der in Bremerhaven ansässigen Offshore-Industrie ein Problem haben, kommen sie ebenfalls. "Diese Vielfalt ist unser Überlebensrezept", sagt Pallentin.

Abgesehen von der Frage der Kompetenz ist Schiffbau auch eine Frage der handelnden Persönlichkeit. Wer sich einmal kennen und schätzen gelernt hat, kommt mit neuen Aufträgen wieder. Für den Vorstand bedeutet dies erhöhte Präsenz sowohl beim Kunden als auch im eigenen Unternehmen. "Daher kommen die langen Abende im Büro", sagt Pallentin. Und wenn mal keine Herausforderung zu bewältigen ist, bleibt immer noch der fantastische Blick auf den Sonnenuntergang.

Mehr unter www.lloydwerft.com

5.915 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Britta Möller

Lloyd Werft Bremerhaven

E-Mail: info[at]lloydwerft.com

Erstellungsdatum: 20.02.2014