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Kurzfassung: Gezüchtete Delikatesse

Klasse statt Masse: Bremerhavener Unternehmen und Wissenschaftler suchen nach Wegen, Meerwasser-Fische sowohl umweltverträglich als auch wirtschaftlich erfolgreich in Aquakulturen zu züchten. Dabei setzen sie auf asiatische Edelfische.

In Asien gelten sie als teure Delikatesse, in Europa sind die Japanische Flunder und die Sternflunder dagegen noch unbekannt. Bald könnten die Meeresfische jedoch prominente Plätze auf den Speisekarten zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen erobern – wenn ein Forschungsvorhaben von Bremerhavener Wissenschaftlern und Unternehmern klappt. Das Institut für Marine Ressourcen (Imare) arbeitet gemeinsam mit der Restaurantkette Nordsee und weiteren Partnern aus der Fischwirtschaft daran, künftig auch im Binnenland Meeresfische zu züchten. Knapp 200.000 Euro investieren die Projektpartner mit Unterstützung des Landes Bremen in das Vorhaben.

Speisefische zu züchten, ist weltweit Alltag. Zumeist handelt es sich dabei jedoch um Süßwasserfische. "Bei Meeresfischen ist die Zucht in Deutschland relativ schwierig umzusetzen", sagt Mirko Bögner, Projektleiter und Biologe am Imare. Aquakulturanlagen für das Lachs-Farming in offenen Meeresgewässern sind zudem umstritten. Umweltfreundliche Verfahren sind jedoch so teuer, dass sich nur die Zucht von hochpreisigen Arten lohnen könnte.

Tausend Japanische Flundern

Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Projektpartner bewusst für Edelfische, die auf dem deutschen Markt noch unbekannt sind. "Steinbutt und Seezunge wären keine Alternative gewesen", sagt der Nachhaltigkeitsmanager von Nordsee, Dietmar Hoffmann: "Seezungen lassen sich kaum züchten; und beim Butt ist das Angebot aus den europäischen Nachbarländern bereits sehr groß."

Mittlerweile sind die ersten tausend Japanischen Flundern aus Asien in Bremerhaven eingetroffen. Die Fische leben in Becken, dessen Inhalt aus Trinkwasser und exakt abgemessenen Salzzugaben hergestellt wird. Aufwendige Filteranlagen halten das Wasser rein und entfernen Futterreste sowie Ausscheidungen. Im Prinzip handelt es sich um eine komplette Aquakulturanlage – mit gutem Grund. Im Bremerhavener Zentrum für Aquakulturforschung tüfteln Wissenschaftler und Techniker auch an Geräten und Verfahren, die kostengünstig und nach höchsten Umweltstandards betrieben werden. Unter anderem suchen die Wissenschaftler nach den richtigen Fütterungsbedingungen für die Fische und arbeiten an einem optimalen Wasserkreislauf, um die Umweltbelastungen aus der Fischzucht zu minimieren.

Fische sollen sich selbst sortieren

Auf dem Projektplan steht dabei auch eine echte Herausforderung: Damit die Zuchtanlagen später einmal mit geringem Aufwand betrieben werden können, sollen sich die Fische selbst nach Größe sortieren. Techniker haben deshalb die Becken der Aufzuchtanlage durch Wände getrennt, in denen sich Schlitze befinden. Nur Fische mit der passenden Größe können so in die Nachbarabteilung schwimmen. "Die ersten Versuche haben gezeigt, dass die Fische das Prinzip schnell erkennen", sagt Bögner.

Das Imare-Vorhaben ist breit aufgestellt. Neben den biologischen und technischen Aspekten spielt auch die Wirtschaftlichkeit der Fischzucht von Anfang an eine entscheidende Rolle. Dieser Frage geht das Technologie-Tranferzentrum (ttz) Bremerhaven nach. "Wir wollen herausfinden, ob sich diese Art für industrielle Aufzuchtanlagen in Deutschlang eignet", sagt ttz-Experte Björn Suckow.

Ob die Flunder-Zucht made in Bremerhaven ein erfolgreiches Unternehmensmodell wird, ist letztlich aber auch eine Geschmacksfrage. Ob der bislang noch unbekannte Fisch den Deutschen mundet, will Nordsee ergründen. Noch sind die Japanischen Flundern zu klein. Doch zum Jahresende sollen sie genug gewachsen sein, um vom Versuchsbecken in die Versuchsküche zu wandern. Die ersten Exemplare sollen – wie in ihrer koreanischen Heimat – zu Sushi verarbeitet werden. Später wollen die Nordsee-Köche ausprobieren, wie der Plattfisch gebraten und gedünstet schmeckt.

3.983 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

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Pressekontakt:

Mirko Bögner

Institut für Marine Ressourcen

E-Mail: mirko.boegner[at]imare.de

Erstellungsdatum: 28.04.2014