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Kurzfassung: Der große Wurf

Für die meisten ist es einfach ein Spiel mit einer bunten Plastikscheibe – ein netter Zeitvertreib am Strand oder im Garten. Für den 22-jährigen Bremer Simon Lizotte ist das Werfen von Frisbeescheiben ein Profisport, der ihm eine internationale Karriere ermöglicht.

Ob es ein guter Wurf ist – das weiß Simon Lizotte, sobald seine Hand die Plastikscheibe losgelassen hat. Tagesform, Wurftechnik, Windverhältnisse – wie weit das Frisbee fliegt, das hängt von vielem ab. Beim "Fall Desert Wind Open" in Primm bei Las Vegas hat für den Bremer im Oktober 2014 alles gepasst. Es war ein guter Wurf: 263,2 Meter, der weiteste Frisbeewurf, der jemals gemessen wurde – ein neuer Weltrekord.

Simon Lizotte spielt Frisbee seit seinem zweiten Lebensjahr. Die frühe Begeisterung für die Plastikscheiben verdankt er seinem Vater. Der stammt aus Kanada und brachte aus seiner Heimat die Leidenschaft für ein Spiel mit, das in Deutschland damals kaum jemand kannte: Discgolf, eine Kombination aus Frisbee und Golf. Statt mit Schlägern und Bällen laufen Discgolfer mit einem Rucksack voller Frisbeescheiben über den Platz – das Ziel ist kein Loch, sondern ein etwa 70 Zentimeter hoher Fangkorb. Geübte Werfer verpassen ihren Scheiben gewaltige Geschwindigkeiten. Simon Lizottes Spitzenwert liegt bei 144 Stundenkilometern. Die Wahl der Frisbeescheibe hat einen ähnlich großen Einfluss auf das Spiel wie die Entscheidung für einen bestimmten Schläger beim klassischen Golf: Wer eine große Distanz überbrücken will, wählt eine anders geformte Scheibe als jemand, der das Frisbee im nahen Korb versenken will.

Anfangs auf Bäume und Mülleimer gezielt

"Am Anfang haben wir in öffentlichen Grünanlagen gespielt und dort auf Bäume und Mülleimer gezielt", erinnert sich Simon Lizotte. Mittlerweile gibt es rund 60 Discgolf-Parcours bundesweit, zwei davon in Bremen. "Es ist schon enorm, wie sich dieser Sport in den vergangenen Jahren entwickelt hat", sagt er. Die Vorzüge der Sportart liegen für ihn auf, oder besser gesagt, in der Hand: "Discgolf ist einfach zu lernen – und am Frisbeewerfen haben fast alle Spaß."

Dennoch gibt es in Europa nur wenige Discgolfer, die ihr Können in überregionalen Turnieren messen. "Hier kommen bei einem Turnier vielleicht so 70 Leute zusammen. Da kennt irgendwann jeder jeden." Seit 2010 war Simon Lizotte viermal in Folge Deutscher Meister im Discgolf, 2012 wurde er erstmals Europameister. Das klingt eindrucksvoll, doch ihm fehlten irgendwann die Herausforderungen – und eine Möglichkeit, mit der Sportart Geld zu verdienen. "Mit 500 Euro Preisgeld kann man seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten."

Perspektive in den USA

Es braucht wohl eine gehörige Portion Leidenschaft, ja Besessenheit dazu, um in einer Nischensportart eine Berufsperspektive zu entdecken. "Weltweit gibt es nur etwa ein Dutzend Discgolfer, die ausschließlich von diesem Sport leben können", sagt Simon Lizotte. Er wollte dazugehören. "Und mir war irgendwann klar, dass ich das nur erreichen kann, wenn ich an vielen Turnieren in den USA teilnehme, denn dort sind die Preisgelder ungefähr zehn Mal so hoch wie in Deutschland." In einem US-amerikanischen Frisbeescheiben-Hersteller hat der Bremer einen Sponsor gefunden, der seine Reisen, Startgelder und ein Wohnmobil finanziert. Gemeinsam mit dem US-Amerikaner Avery Jenkins nimmt er an großen Turnieren teil.

Bei manchen Turnieren verfolgen bis zu 1.000 Schaulustige seine Würfe, viele Discgolf-Fans fragen ihn auf Facebook nach Tricks oder freuen sich darüber, wenn er nach einem Turnier ihre Frisbeescheiben signiert. Sein Geld verdient Simon Lizotte durch Preisgelder, Discgolf-Kurse und Verkaufserlöse von Frisbees, die sein Sponsor mit seinem Namen bedruckt hat. Reich habe ihn das erste Jahr als Weltreisender in Sachen Discgolf nicht gemacht. "Aber ich kann von meinem Sport gut leben – und erlebe Dinge, die ich in keinem anderen Beruf erleben würde."

30.000 Kilometer mit dem Wohnmobil gereist

Seit er im Januar 2014 in die USA aufbrach, führt er ein modernes Nomadenleben: 21 Turniere in elf Ländern hat er absolviert, fast 100 Stunden im Flugzeug verbracht sowie rund 30.000 Kilometer mit dem Wohnmobil zurückgelegt. Die einzige Konstante sind die anderen Profi-Discgolfer, die er bei den Turnieren trifft. "Trotz der Konkurrenz wächst man zusammen und hat irgendwann das Gefühl, Teil einer Familie zu sein." Sein Teampartner Avery Jenkins führt dieses Leben seit Jahren, er ist ständig unterwegs und übernachtet wahlweise in seinem Wohnmobil, im Hotel oder bei Freunden.

In Deutschland ist Simon Lizotte nur noch selten. Zuletzt war er Ende 2014 für ein paar Wochen in seiner Heimatstadt Bremen. Ein turbulentes Jahr lag hinter ihm, da tat ein bisschen Vertrautheit ganz gut: Die Eltern, die alten Freunde, der Fangkorb im Garten, auf den er als Kind zielte. Ein Blick zurück – und nach vorn. Er will noch viel in seinem Sport erreichen. Bei vier Turnieren hat er im vorigen Jahr den ersten Platz belegt, weitere Wettbewerbssiege sollen folgen. "The Wunderkind" nennt ihn sein Sponsor. "Ich habe viel Unterstützung bekommen", sagt Simon Lizotte. "Aber zum Sieger kann ich mich nur selbst machen."

Zeichen: 5.151, Autor: Thomas Joppig

Mehr unter: www.discmania.net/simons-blog

Pressekontakt:

Simon Lizotte
E-Mail: simon.lizotte8332[at]gmail.com

Erstellungsdatum: 25.02.2015