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Völkerverständigung unter Segeln

In diesem Sommer werden 260 Segelschiffe aus aller Welt Kurs auf die Wesermündung nehmen. Vom 12. bis 16. August sind sie die Stars der "Sail Bremerhaven 2015", zu der rund eine Million Besucher erwartet werden. Seit knapp fünf Jahren bereitet ein Team Ehrenamtlicher und Offizieller aus der Seestadt das Festival vor, das zu den größten Windjammer-Treffen in Europa zählt.

Noch ist es nicht mehr als eine Excel-Tabelle, in die Jörn Karweit in einer Doppelreihe insgesamt 40 Schiffsnamen eingetragen hat. "Wenn alles klappt, wird diese Liste am 12. August die Basis für ein beeindruckendes Schauspiel sein", ist der 53-Jährige überzeugt. Am späten Vormittag werden sich dann auf der Weser vor Bremerhaven 40 große Windjammer und mehr als 100 kleinere Schiffe zur Einlaufparade für die "Sail Bremerhaven 2015" versammeln. Karweit wird die Formation als Paradedirektor leiten. Der Leiter des Fachbereichs Nautik im Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven ist einer von Dutzenden Bremerhavener, die neben ihrem Alltagsjob das "Internationale Festival der Windjammer" vorbereiten.

Viele freiwillige Helfer

Seit der ersten "Sail" vor 29 Jahren hat sich Bremerhaven den Ruf erworben, auch für zahlreiche ausländische Groß- und Traditionssegelschiffe ein zweiter Heimathafen zu sein. "Die Besatzungen aus aller Welt fühlen sich hier einfach wohl", sagt Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken, "das liegt vor allem daran, dass sich so viele Bremerhavener für 'ihre' Sail engagieren." Die "Sail Bremerhaven" ist zwar ein wichtiges Ereignis im Kalender der Stadtwerber, tatsächlich wird sie vor allem durch das Engagement der Bevölkerung getragen. "Ohne die vielen Helfer und Unterstützer, die ihre Freizeit opfern, wäre eine solche Veranstaltung überhaupt nicht machbar", betont Beneken, der das Organisationskomitee leitet.

Alle fünf Jahre nehmen die Windjammer aus aller Welt Kurs auf Bremerhaven. "Wir haben uns bewusst für diesen Rhythmus entschieden", sagt Heino Tietjen als Veranstaltungsleiter, der das hauptamtliche Organisationsbüro leitet: "Wir wollen unseren Gästen schon etwas Besonderes bieten, das kann man aber nicht jedes Jahr machen." "Nach der Sail ist vor der Sail" lautet dabei das Motto – schon am letzten Tag der Sail Bremerhaven 2010 haben Beneken und Tietjen die ersten Einladungen für die Neuauflage vom 12. bis 16. August 2015 an die Windjammer-Kapitäne ausgesprochen. Wenig später wurde auch das Auswärtige Amt in Berlin aktiv, das über die Botschaften in aller Welt die so genannten Staatsschiffe – die offiziellen Segelschulschiffe der seegehenden Nationen – einlud.

Sechs Kilometer lange Kette von Schiffen

Das Ergebnis: 260 Segelschiffe aus 22 Nationen haben sich für die Sail Bremerhaven 2015 angemeldet. Zu den Stars der größten maritimen Veranstaltung an der deutschen Nordsee mit einer Million Besuchern gehören auch Schiffe aus Australien, Chile, Ecuador und Kolumbien, die nur selten oder noch gar nicht in Europa zu sehen waren. Die erwartete Flotte ist so groß wie selten zuvor; deshalb haben die Organisatoren mittlerweile nicht nur den Alten und den Neuen Hafen in der Stadtmitte, sondern auch den etwas weiter entfernten Fischereihafen in das Programm einbezogen. "Insgesamt haben wir die Kajen auf einer Länge von sechs Kilometern mit Schiffen belegt", sagt Tietjen.

Doch das Windjammer-Festival ist nicht nur ein Fest für Freunde der traditionellen Segelschifffahrt, sondern vor allem ein Beitrag zur Völkerverständigung – immerhin kommen mit den Schiffen rund 4.000 junge Besatzungsmitglieder aus aller Welt nach Bremerhaven. Das Ziel der Sail, junge Leute aus verschiedenen Nationen, Kulturen, Religionen und politischer Überzeugungen zusammen zu bringen, hat auch Bundespräsident Joachim Gauck überzeugt: "Er wird seinen Sommerurlaub unterbrechen und eigens zur Eröffnung der Sail nach Bremerhaven kommen", freut sich Beneken.

Unter Segeln in den Hafen

Neben dem Bundespräsidenten werden zum "Sail-In" am 12. August einige Tausend Besucher erwartet. Mit Hochdruck arbeitet Jörn Karweit daran, ihnen in der Parade die Windjammer von der schönsten Seite zu zeigen. Die Herausforderung ist alles andere als klein: "Einerseits müssen wir bestimmte Sicherheitsabstände einhalten, andererseits sollen die Schiffe möglichst dicht beieinander sein und ein beeindruckendes Gesamtbild bieten", sagt der erfahrene Nautiker. "Wenn die Windrichtung passt, werden die Schiffe unter Segeln fahren", verspricht er.

Die Vorbereitung der Parade erledigt Karweit zusätzlich zu seiner normalen Arbeit im Wasser- und Schifffahrtsamt. "Solche Doppelbelastungen sind für die Mitglieder des Organisationskomitees doch selbstverständlich", sagt er. Zurzeit tagt das 40-köpfige Komitee wöchentlich, im Sommer wird es dann täglich zusammentreten. Im "OK", wie es die Mitglieder kurz nennen, arbeiten Vertreter aus allen Institutionen, Organisationen und Behörden zusammen, die in Bremerhaven etwas mit Schifffahrt zu tun haben und unterstützen die hauptamtlichen Kräfte um Heino Tietjen.

Urlaubssperre für Polizei und Feuerwehr

Kurz vor der Sail wird der Kreis der Helfer auf einige hundert anwachsen. Für Polizisten und Feuerwehrleute in der Stadt gilt während der Sail Urlaubssperre. Andere Freiwillige nehmen extra Urlaub, um bei der Sail dabei zu sein. "Wir bekommen sogar Unterstützung von
4 Ehrenamtlichen aus dem Binnenland", freut sich der stellvertretende Leiter des Technischen Hilfswerks in Bremerhaven, André Schröder.

Ohne die Freiwilligen wäre auch die Betreuung der Schiffe nicht möglich. Während sich Offiziere der Deutschen Marine um die "Staatsschiffe" kümmern, stehen den privaten Windjammern zivile "Liaisons" zur Seite. "Natürlich sind da viele Bremerhavener darunter", sagt Chef-Liaison Stephan Apel, "aber wir bekommen regelmäßig auch Bewerbungen aus ganz Deutschland für diese ehrenamtliche Arbeit." Das große Interesse von Freiwilligen wundert Jörn Karweit nicht. "Die Sail ist doch ein einmaliges Erlebnis", sagt er. Darauf freut er sich heute schon – auch wenn die Pläne für die Einlaufparade ihm noch viel Arbeit bereiten werden: "Am Ende ist es eben einfach toll, diesem Team anzugehören und so etwas auf die Beine zu stellen."

Zeichen: 6.184, Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.sail-bremerhaven.de

Pressekontakt

Heino Tietjen

Leiter des Organisationsbüros Sail Bremerhaven 2015

E-Mail: presse[at]sail-bremerhaven.de

Erstellungsdatum: 23.04.2015