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Kurzfassung: Mit Zeichenstift und Seemannsgarn

Marineoffizier, Seenotretter, Museumspädagoge, Buchautor und Künstler: Verbindendes Element zwischen den einzelnen Karrierestationen von Gero Klemke ist seine Liebe zu Schiffen und dem Meer. Das spiegelt sich auch in seinen maritimen Zeichnungen wider, mit denen Klemke Schifffahrtsfreunde fasziniert.

Der Grund zum Schmunzeln steckt im Detail. Auf dem Walfangschiff "DSM 5 - Janka Bremerhaven" ist es der Matrose, der seine Hängematte zwischen Schornstein und Kommandobrücke aufgespannt hat. Als Museumspädagoge am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven nutzt Gero Klemke die Bilder, um Kindern Schiffstypen zu erklären: "Man muss Kindern etwas zum Gucken geben." Die Bilder hat er selbst angefertigt. Noch größer sind seine "Kartenwerke" von Schiffen, die er stilecht auf alten Seekarten porträtiert hat. Denn zur Kunst hegt Klemke eine mindestens so große Liebe wie zur See. "Aber nennen Sie mich bitte nie Marinemaler", sagt er eindringlich.

Die Kunst und das Meer haben Klemke von Kindesbeinen an geprägt. Sein Großvater war Fischer, sein Vater Kapitän eines Zollkreuzers: "Das war das Größte für mich, wenn er mich mitgenommen hat." Der Junge ließ sich aber nicht nur durch das Abenteuer Seefahrt begeistern, sondern auch durch die "großen Pötte", die ihm dabei im Hafen seiner Heimatstadt Hamburg begegneten: "Damals gab es ja auch noch Windjammer", erinnert sich der 63-Jährige.

Und doch: Klemkes Begeisterung für die Kunst war zunächst größer als das Interesse an der Seefahrt. Er schrieb sich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in der Hansestadt Hamburg ein, lernte Kontrabass – und zu zeichnen. Nach dem ersten Staatsexamen setzte sich doch die Sehnsucht nach Schiffen durch. Gero Klemke meldete sich bei der Marine, spielte im Musikkorps der Bundeswehr, studierte Nautik, wurde Führungsoffizier, fuhr mit der Grauen Flotte zur See. "Allein über diese Zeit ließe sich ein ganzes Buch schreiben", lacht Klemke.

Kunststil bei Rettungseinsatz entwickelt

Während der Zeit auf See bewahrte er seine Liebe zu detailreichen Zeichnungen. Nach dem Ende der Marine-Laufbahn wechselte er zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. "Bei einem der Einsätze haben wir einen Fischkutter abgeschleppt", erinnert sich Klemke. Er saß auf dem Havaristen am Ruder, aus einer Laune heraus skizzierte er die Szene auf einer Seekarte im Steuerhaus. Als er sich beim Eigner des Kutters für die Zweckentfremdung der Karte entschuldigen wollte, winkte der ab: "Die brauch ich sowieso nicht mehr." Das erste Exemplar von Klemkes heutigem künstlerischem Werk, das auch in Buchform erschienen ist und in Ausstellungen gezeigt wurde, war entstanden.

Mittlerweile umfassen seine "Kartenwerke" – so der Titel seines ersten Buches mit Bildern – einige 100 Zeichnungen. Detailreich hat der Künstler dafür Schiffe jeder Art porträtiert. Die als Untergrund verwendeten Seekarten entsprechen dem Ort des Geschehens. Seebäderschiffe wie die "Wappen von Hamburg" kreuzen passend auf Seekarte Nr. 3 vor Helgoland. Den Schlepper "Seefalke" – mittlerweile als Museumsschiff vor dem DSM vor Anker gegangen – lässt Klemke an seine Seeposition vor der holsteinischen Nordseeküste zurückkehren.

Trotz der nahezu fotorealistischen Wiedergabe der Schiffe sind Klemkes Werke aber keine technischen Zeichnungen. Jedes Schiff bekommt eine charakteristische Note. Das Seebäderschiff "Atlantis" gewinnt durch eine geschickte Perspektive die Eleganz eines Kreuzfahrtschiffes, auf dem sich die Passagiere gefühlt befinden. Eingebettet sind die Schiffe stets in die passenden Stimmungen von Wolken und Wellen. Klemke zeichnet mit Polychromos-Farbstiften, die sich wie Aquarellfarben übermalen lassen – dies ermöglicht die atemberaubenden Stimmungen, die mit kaum einem anderen Stilmittel so dezent und doch so beeindruckend darzustellen sind.

Der Detailreichtum, der seine Schiffsporträts kennzeichnet, findet sich auch in seinen Bildern für Kinder wieder. Mit ihrer Hilfe erklärt er den kleinen Besuchern des Deutschen Schifffahrtsmuseums die Welt der Seefahrt. Erst lässt er sie Details entdecken, dann erzählt er Geschichten dazu. Zum Beispiel vom Walfangschiff, das lieber Forschungsschiff sein will. Mit sonorer Stimme und einem Augenzwinkern zieht er die Kinder in seinen Bann. Wie für seine Bilder hat Klemke auch in der Museumspädagogik eine eigene Überzeugungskraft entwickelt: "Es gibt kein Seemannsgarn. Es kommt nur auf die Erzählweise an."

Zeichen: 4.472; Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.oceanum.de

Pressekontakt

Gero Klemke

Deutsches Schifffahrtsmuseum

klemke[at]dsm.museum

Erstellungsdatum: 19.02.2016