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Kurzfassung: Online zum Dorfbäcker

Wer Lebensmittel beim Erzeuger kaufen will, muss mitunter lange Wege in Kauf nehmen – noch. Vier Existenzgründer aus Bremerhaven entwickeln einen Online-Marktplatz für den Direkteinkauf.

Hochwertige Lebensmittel fallen nicht vom Himmel. "Wenn es die kleinen Dorfbäcker und Landschlachter, die genossenschaftlich erzeugten Milchprodukte, das Obst und Gemüse direkt vom Bauernhof oder handwerklich gefertigte Feinkost weiterhin geben soll, müssen wir direkt bei den Erzeugern kaufen und ihnen einen fairen Preis dafür bezahlen", sagt Unternehmerin Julia Köhn. Doch die zumeist ländlichen Erzeuger und Direktvermarkter haben mit einem Handicap zu kämpfen: "Es kostet Verbraucher viel Zeit und Aufwand dorthin zu fahren, sodass viele letztlich doch im Supermarkt landen", sagt Julia Köhn. Gemeinsam mit Vanessa Heise, Martin Krikken und Jonas Niedergesäß arbeitet sie an einer Lösung: "Pielers" wird der nach eigenen Angaben erste bundesweite Online-Marktplatz für Lebensmittel direkt vom Erzeuger.

Virtueller Verbund für Erzeuger

In dem Wort "Pielers" steckt das niederdeutsche "piel", das sich mit "direkt" übersetzen lässt. Direktverkauf vom Erzeuger über das Internet an den Verbraucher? "Das klingt widersprüchlich", räumt Vanessa Heise ein. "Auf unserem Online-Marktplatz können die Erzeuger jedoch von einem Verbund profitieren." Zudem bekommen sie Unterstützung bei der Digitalisierung und dem Marketing. "Letztendlich bestimmen die Erzeuger selber ihr Angebot und die Preise", betont Vanessa Heise. Die Idee der Bremerhavener Existenzgründer ist eine Kombination aus Online-Marktplatz und logistischer Lösung – und ist sogar für frische Produkte wie Milch oder Fleisch geeignet.

Qualität ist bei Verbrauchern gefragt, die Nachfrage wächst. "Wir wollen diesen Trend bewusst dafür nutzen, dass die Erzeuger einen fairen Preis für ihre Produkte bekommen", betont Julia Köhn. Der Direkthandel klammert die Marge aus, die die großen Handelsunternehmen für sich beanspruchen und entlastet die Erzeuger vom Preisdruck. "Wer erreichen will, dass Bauern auskömmliche Entgelte für Milch bekommen, muss direkt bei ihnen einkaufen", sagt Martin Krikken. Den Kunden wiederum garantieren die Gründer Qualität: "Wir nehmen nur Lieferanten auf, die wir selbst geprüft haben", so Julia Köhn.

Logistik-System arbeitet im Hintergrund

Mittlerweile umfasst der Katalog rund 500 Produkte. Wie im etablierten Online-Handel können die Kunden auch auf pielers.de Waren aussuchen: "Nach Eingabe der Postleitzahl erfahren sie, was in ihrem Umkreis verfügbar ist", erläutert Julia Köhn. Frische Produkte können schließlich nicht beliebig weit ausgeliefert werden. Die bestellte Ware wird vom Erzeuger in Pfand-Kühlboxen verpackt, die von einem Transportdienstleister abgeholt werden. Den Auslieferungsplan hat das System automatisch im Hintergrund erstellt und dabei auch Kundenwünsche berücksichtigt. "Produkte mit längerer Haltbarkeit können über klassische Logistikdienstleister sogar bundesweit ausgeliefert werden", ergänzt Martin Krikken.

Die vier Existenzgründer wollen nicht in Konkurrenz zu den Online-Systemen großer Lebensmittelhändler auftreten. "Uns geht es um das direkte Geschäft zwischen Erzeugern und Kunden, das beiden Seiten nutzt", betont Julia Köhn. Gerade auf dem Land haben die Verbraucher kaum eine Chance, ohne großen Aufwand Qualitätsprodukte kleinerer Erzeuger zu kaufen. "In Großstädten gibt es dagegen jede Menge Bioläden oder Wochenmärkte", so Julia Köhn, die früher Unternehmensberaterin in Berlin war.

Zielgruppe wohnt auf dem Land

Für die Erprobung haben die vier Gründer zunächst ein Erzeuger- und Lieferantennetz rund um Bremerhaven aufgebaut. Dass das Projekt dort angesiedelt ist, hat einen einfachen Grund: "Mit der Hochschule Bremerhaven haben wir eine wissenschaftliche Partnerin gefunden, die mit ihren Kompetenzen in den Informationstechnologien, der Lebensmittelwirtschaft und der Logistik exakt das für uns notwendige Know-how besitzt", so Köhn. Dieses Wissen ist für die Gründer Geld wert. Mit der Kombination aus ihrer Idee und dem wissenschaftlichen Hintergrund der Hochschule gewannen sie das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Ein Jahr lang bekommen die Gründer nun genügend finanzielle Mittel aus Berlin, um die Projektkosten zu bezahlen und Lösungen besonders im Bereich der Logistik zu testen. "Das macht es natürlich leichter, ein solches Projekt zu etablieren", sagt Julia Köhn. Die Vier haben keine Zweifel daran, dass es ein Erfolg wird. "Verbraucher wollen Qualität, sie wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. Und sie sind bereit, dafür auch gerechte Preise zu bezahlen", ist Julia Köhn überzeugt.

Zeichen: 4.689, Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.pielers.de

Pressekontakt

Dr. Julia Köhn

Geschäftsführung Großmann & Köhn GmbH

jk[at]pielers.de

Erstellungsdatum: 22.07.2016