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Party-Queen mit ungeahntem Tiefgang

Marie Antoinette - die Paris Hilton des 18. Jahrhunderts
Marie Antoinette - die Paris Hilton des 18. Jahrhunderts? Foto: Ingo Wagner

Ein neues Musical der Grammy-Preisträger Michael Kunze und Sylvester Levay spürt dem Mythos Marie Antoinette nach. In Bremen feiert es Europapremiere.

War sie nun eine oberflächliche Party-Queen - eine Art Paris Hilton des 18. Jahrhunderts? Oder eine verkannte Frau, die der Weltgeschichte zum Opfer fiel? Kaum eine andere historische Figur hat der Nachwelt so widersprüchliche Bilder von sich hinterlassen wie die französische Königin Marie Antoinette (1755-1793). Als 14-Jährige wird die Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia aus politischem Kalkül mit dem französischen Thronfolger Ludwig XVI. verheiratet, mit 37 Jahren stirbt sie im Zuge der französischen Revolution auf dem Schafott. Ihrem Leben spürt nun das Musical der Grammy-Preisträger Michael Kunze und Sylvester Levay nach. Am 30. Januar 2009 hebt sich im Musicaltheater Bremen der Vorhang für die Europapremiere.

Marie Antoinettes wohl bekanntestes Zitat stammt aus einem Werk des Literaten Jean Jacques Rousseau und wurde ihr in den Mund gelegt: "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen" - mit diesen Worten soll sie die Armut der französischen Bevölkerung einst kühl quittiert haben. Obwohl dieser Satz nicht von ihr stammt, so hätte er auf den ersten Blick gut zu ihr gepasst. Denn die Königin des Rokoko galt als überheblich und verschwenderisch - als rücksichtslos in ihrer Lebenslust. Wohl kaum eine andere französische Adlige war so verhasst wie sie. Während viele Franzosen hungerten, gab Marie Antoinette nach heutigen Maßstäben monatlich mehr als 70.000 Euro für ihren aufwändigen Lebensstil aus und heizte damit den Zorn der Revolutionäre an.

Entschlossene Strategin und liebende Mutter

Hauptdarstellerin Valentini und Autor Kunze im Schloss Versailles.
Hauptdarstellerin Valentini und Autor Kunze im Schloss Versailles. Foto: Ingo Wagner

Doch in den letzten Monaten ihres Lebens zeigte sie, dass sie auch andere Seiten hatte: "Marie Antoinette hat ihre Intelligenz erst eingesetzt, als sie gefordert war", sagt Musical-Autor Michael Kunze. "Als die Revolutionäre den Adel zu stürzen drohten, war sie zum Beispiel in ihrem Denken viel strategischer und entschlossener, Widerstand zu leisten, als ihr Mann." In einem Abschiedsbrief, den die Königin kurz vor ihrer Hinrichtung schrieb, zeigte sie sich abermals von einer anderen Seite: als liebende Mutter - und als Frau ohne Rachegelüste. "Sie hat im Angesicht des Todes zu innerer Größe gefunden", sagt Kunze. So entschuldigte sich Marie Antoinette sogar noch bei ihrem Henker, als sie ihm auf den Fuß trat: "Mein Herr, ich bitte Sie um Verzeihung, ich tat es nicht mit Absicht", waren ihre letzten Worte.

Menschliche Wandlungen und vielschichtige Persönlichkeiten faszinieren Michael Kunze. Sie stehen im Zentrum seiner Musicals - egal, ob in "Elisabeth", "Mozart!" oder in seinem aktuellen Erfolg "Rebecca" nach dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier. Kunze und der Komponist Sylvester Levay gelten in der Musicalszene als international renommiertes Autorenteam. So feierte "Marie Antoinette" nach der Welturaufführung 2006 in Tokio bereits große Erfolge in Asien. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, mit denen Produzent Hans-Joachim Frey, Generalintendant des Theaters Bremen, die europäische Erstaufführung in die Hansestadt geholt hat. "Wir haben die besten Musicaldarsteller engagiert, die am Markt verfügbar sind - jeder für sich ein Star", so Frey.

Für Roberta Valentini ist es das bedeutendste Engagement in ihrer noch jungen Karriere. Ab Januar spielt sie die Rolle der französischen Königin. Im Mittelpunkt zu stehen, für Fotos zu posieren und immer wieder Interviews zu geben, das ist für die 27-Jährige eine neue Erfahrung. Überwiegt bei ihr die Vorfreude oder die Aufregung? "Im Moment die Aufregung", sagt die Nürnbergerin mit den italienischen Familienwurzeln offen. Doch die Freude sei riesig gewesen, als sie unterwegs einen Anruf bekam und von der Entscheidung der Jury erfuhr. "Ich war gerade shoppen und habe im Laden ganz laut gejubelt."

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3.915 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

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