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Scherz-Keks

Schlechtes Gebäck geht ihm auf den Keks: Finanzstaatsrat Henning Lühr.
Schlechtes Gebäck geht ihm auf den Keks: Finanzstaatsrat Henning Lühr. Foto: LIS Medien

Gebäck und Dienstbesprechungen - wie passt das zusammen? Eine nicht so sehr ernst gemeinte Studie.

In Bremen hat man Sinn für fröhliche Wissenschaft: Im rastlosen Bemühen um gesteigerte Verwaltungseffizienz hat nun Finanzstaatsrat Henning Lühr die Rolle von Backwaren unter die Lupe genommen, genauer: die Bedeutung von Keksen bei Dienstbesprechungen. Eine Frage von Relevanz, wie Lühr in seiner akribischen Studie spitzzüngig deutlich macht: Besprechungen würden zwar kostenträchtig Führungskräfte binden, aber oft ergebnislos und ineffektiv verlaufen. Hauptursache sei mangelhafte Vorbereitung. Das betreffe auch die Schaffung eines geeigneten Umfelds und damit etwa den Umgang mit der Keks-Frage.

Die Studie "Management by Biscuits" basiert auf der von Lühr entdeckten Methode der beobachtenden Teilnahme an 512 Besprechungen zwischen Mai 2006 und Ostern 2008. Bei 179 davon – dem allgemeinen Trend entsprechend besonders in der Vorweihnachtszeit - kam Gebäck auf den Tisch, was einer Keks-Quote von nur 35,6 Prozent entspricht. Dies sei kein Nachweis für einen freudlosen Verwaltungsalltag, betont der Autor. Vielmehr mangele es an Tradition bzw. einer Corporate Identity für die Gestaltung von Rahmenbedingungen der Kommunikation in Entscheidungsprozessen. Auch müssten die Beschäftigten die Kosten für Kekse meist selbst tragen.

Unter den dokumentierten 13 Keks-Konsumenten-Typen überwogen laut Lühr neben dem Otto-Normalesser die Schlingpflanzen und Schaufelbagger. Eine absolute Randerscheinung hingegen war der Öko-Cracker. Auch der für Wirtschaftskreise typische Festbeißer, der entschiedenes Auftreten durch entsprechendes Knacken beim Kekse-Beißen unterstreiche, ist Lühr zufolge in der Verwaltung eher selten.

Mangelnder Drang nach Neuem

Kein Durchbruch beim Gebäck: Exzellenzknusper sind in der Verwaltung selten
Kein Durchbruch beim Gebäck: Exzellenzknusper sind in der Verwaltung selten. Foto: text+pr

Bei der Klassifizierung der Kekse überwiegen Mischungen, weil der "kulinarische Streuschuss" offenbar höchste Geschmackstrefferquoten garantiert. Dabei wird überwiegend zu bewährten Sortimenten gegriffen. Besonders beliebt bei den Einzelkeksen ist der gemeine Spekulatius. Bei Keksmischungen dominiert Mürbegebäck. "Offenbar fehlt es in Verwaltungskreisen am Mut zum Wechsel", so Lühr.

Kritisch bewertet Lühr auch Auswahl und Qualität des Gebäcks. Zu 72 Prozent handele es sich um Konfektionsware, nur 23 Prozent stammten vom Bäcker, nur fünf Prozent seien selbst gebacken. 15 Prozent des Allerweltsfeingebäcks lässt er als herausragend gelten, 22 Prozent als gehoben. Knapp 40 Prozent seien grundsolide Alltagsware. Etwa jeder vierte Keks aber sei von minderer Qualität ("Pressware"), was an nachlässigem Verbraucherverhalten oder fehlendem Feeling für die leistungsfördernden Rahmenbedingungen von Besprechungen liegen könne. "Alle Welt redet heute von Exzellenzclustern. Bei Keksen kann hierzu noch kein Durchbruch vermeldet werden", resümiert Lühr.

2.858 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

Senatorin für Finanzen

Dagmar Bleiker

E-Mail: dagmar.bleiker[at]finanzen.bremen.de