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Tierischer Raumfahrtrentner

Foto des Frogonauts
Trotz seines Ausflugs ins All ist er putzmunter: der Frogonaut. Foto: OHB-System AG

Bärtierchen, Grillen, Fische, der Hund Laika - viele Versuchstiere sind schon in die Weiten des Weltalls gereist. Wenige haben das lang überlebt. Eine Ausnahme: der Frogonaut der OHB-System AG in Bremen.

Der Frogonaut ist, wie der Name ahnen lässt, ein Frosch, der als Jungtier im Dienst der Wissenschaft Bekanntschaft mit der Schwerelosigkeit machte. Heute, 15 Jahre später, darf er den Rest seiner Tage unbehelligt von Forscherdrang verbringen. Sein Altenteil: ein kleines Aquarium beim Raumfahrt-Unternehmen OHB, in dem er sich halb über, halb unter der Wasserfläche treiben lässt - scheinbar für immer schwerelos.

Das nur rund zehn Zentimeter lange, gelblich-grüne Tier von der Gattung der südafrikanischen Krallenfrösche gehört zu einer Gruppe von Buntbarschlarven (Oreochromis mossambicus) und Kaulquappen, die auf Veranlassung deutscher Forscher 1993 mit dem Raumlabor Spacelab im Rahmen der zweiten deutschen Spacelab Mission D-2 an Bord eines US-Shuttles in den Orbit flogen. Zu dieser Ehre kam "Xenopus laevis", weil er leicht zu züchten ist und darum zu den Standardversuchstieren der Zoologie gehört, wie Dr. Klaus Slenzka erklärt. Als damaliger Mitarbeiter der Universität Hohenheim leitete der Biologe das Experiment. Heute ist er bei OHB für die Realisation von wissenschaftlichen Missionen im All im Kundenauftrag zuständig und unterrichtet an der privaten Bremer Jacobs University Weltraumbiologie.

Bei der deutschen Spacelab-Mission betrieben die Wissenschaftler mit dem "Statex-Experiment" Grundlagenforschung zur frühen Hirn- und Ohrentwicklung. "Fisch- und Amphibienohren, im Besonderen die Schweresinnesorgane, sind denen des Menschen sehr ähnlich", so der Biologe Dr. Klaus Slenzka.

Zurück auf der Erde, fanden die meisten Versuchstiere ihr vorbestimmtes Ende. Nur der Frogonaut und drei andere tierische Raumfahrer durften sich weiterentwickeln. Ursprünglich hatte man sie später erneut ins Weltall schicken wollen. Dazu kam es laut Slenzka nicht mehr, da das Raumfahrtbudget deutlich gekürzt wurde.

Als Slenzka 1996 nach Bremen ging, übersiedelte der Frosch als letzter Überlebender seiner Gruppe wenige Jahre später vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt in Köln zu OHB. "Heute ist er kein Forschungstier, sondern ein Haustier", sagt der Biologe. Er und seine fünf Mitarbeiter kümmern sich umschichtig um sämtliche Versuchsfische, -schnecken, -pflanzen und den Raumfahrtrentner. Alle zwei Tage bekommt er Trockenfutter und Fliegenlarven und wird bei gelegentlichen Laborführungen Besuchern vorgestellt.

Der kleine Weltraumreisende genießt die Versorgung und dümpelt weitgehend regungslos in seinem Bassin, selbst wenn er durch die Scheibe angestarrt wird. Südafrikanische Krallenfrösche können bis zu 35 Jahre alt werden, was laut Slenzka auch daran liegt, dass sie sich kaum verausgaben. Ob die frühkindliche Reise ins All seine Lebenserwartung schmälert, ist natürlich offen. Slenzka: "Äußerlich ist ihm jedenfalls nichts Auffälliges anzusehen."

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3.031 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

OHB-System AG

E-Mail: slenzka[at]ohb-system.de