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Der Jazz und die Jugend

Jazz bietet viel Raum für Improvisation - den Bläsern zum Beispiel.
Jazz bietet viel Raum für Improvisation - den Bläsern zum Beispiel. Foto: MGH Bremen.

Ende April trifft sich die europäische Jazz-Szene in Bremen. Wie sie ihrer Musik mehr junge Fans erschließt, diskutiert sie auf der begleitenden Konferenz.

Ein Jazz-Konzert mit jugendlichem Publikum: eine Seltenheit. "Jugendliche beschäftigen sich mit Medien wie Computer oder Fernsehen. Da taucht Jazz kaum noch auf", sagt der Bremer Jazz-Trompeter Ulrich Beckerhoff. "Doch wenn sie erst einmal in Kontakt mit Jazz kommen, finden sie die Musik ganz toll", hat er in Workshops erlebt. Der Grund: "Im Jazz spielt Improvisation eine große Rolle." Das freie Spielen sei auch Anfängern möglich. "Die Einlassbarriere ist also viel niedriger als zum Beispiel bei klassischer Musik."

Wie also diesen Kontakt herstellen, der letztlich auch junge Zuhörer für Konzerte gewinnen dürfte? Das soll auf der vierten "jazzahead" vom 23. bis 26. April in Bremen erkundet werden. Die in dieser Art in Europa einzigartige Veranstaltung ist eine Mischung aus Messe, Information, Diskussion und rund 40 Konzerten von Stars und Newcomern der internationalen Szene. Eins der zahlreichen Themen auf der begleitenden Konferenz lautet diesmal: "Braucht Jazz Konzertvermittlung? Audience development für junge Zuhörer". Auf dem gemeinsamen Panel von Sponsor Beluga Shipping und jazzzeitung wollen Praktiker, Fachleute und Musiker erfolgreiche und nachhaltige Versuche musikalischer Bildung diskutieren.

Er sieht Musikvermittlung als sozialpolitische Aufgabe: Ulrich Beckerhoff, künstlerischer Leiter der jazzahead.
Er sieht Musikvermittlung als sozialpolitische Aufgabe: Ulrich Beckerhoff, künstlerischer Leiter der jazzahead. Foto: MGH Bremen.

"In Deutschland sind solche Ansätze noch eine Seltenheit", sagt Beckerhoff, der die jazzahead künstlerisch leitet. Ein gutes Vorbild könne Norwegen sein. Dort gehöre es zum Alltag, dass Musiker aller Stilrichtungen in den Schulen Konzerte geben. "Fast alle Jugendlichen haben zum Beispiel schon einmal den bekannten Jazz-Saxophonisten Jan Garbarek live in der Schule gehört", berichtet der 61-Jährige Hochschullehrer. Es sei daher kein Wunder, dass das Land trotz nur vier Millionen Einwohnern so viele Weltklassemusiker hervorbringe.

Zu geeigneten, auch hierzulande erprobten Ansätzen zählt Beckerhoff die "Bläserklassen" an allgemeinbildenden Schulen. Dabei wird dem Musikunterricht wesentlich mehr Raum gelassen als üblicherweise. Alle Kinder erlernen ein Orchesterinstrument, das sie leihweise erhalten. Nachweislich steigere das regelmäßige Musizieren Konzentrations- und Lernfähigkeit, sagt Beckerhoff, der an der Folkwang-Hochschule in Essen den Trompeter-Nachwuchs ausbildet. Außerdem unterscheide sich das Sozialverhalten der Beteiligten nach Angaben von Lehrern wohltuend vom Rest der Schüler. "Das Heranführen an Musik - und damit auch den Jazz - ist regelrecht eine sozialpolitische Aufgabe", meint der Musiker.

Mehr unter www.jazzahead.de
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Pressekontakt:

Hanseatische Veranstaltungsgesellschaft

Sabine Trenkler

E-Mail: trenkler[at]messe-bremen.de