Sie sind hier:

Der Klang der Andacht

Jede Schnitger-Orgel ist ein Unikat.
Jede Schnitger-Orgel ist ein Unikat. Die Orgeln entstanden um 1700 nicht nur im Nordwesten. Foto: Claudia Aguilar-Cruz

Die Region Bremen-Oldenburg ist eine Hochburg kunstvoller Barock-Orgeln. An der Hochschule für Künste in Bremen soll nun ein internationales Orgelzentrum etabliert werden.

Sie sind eine Zierde für jedes Gotteshaus - Orgeln des berühmten barocken Baumeisters Arp Schnitger, der im Juli 1648 in Schmalenfleth in der Wesermarsch geboren wurde, erklingen heute überall auf der Welt. Jede Schnitger-Orgel hat ihr ganz individuelles Gesicht: Das Instrument, das Schnitger 1701 für die portugiesische Klosterkirche Sao Salvador de Moreira erbaute, besticht mit filigranen Goldschnitzereien, die die silberfarbenen Orgelpfeifen umranken. Eine Engelsschar umschwebt die Orgel, die der Baumeister um 1712 für eine Kirche in Lissabon baute. Exotisch korallenfarben leuchtet dagegen die Orgel, die ein Schnitger-Mitarbeiter 1715 in der Kathedrale im südportugiesischen Faro installierte.

Die klingenden Kunstwerke sind jede Reise wert, davon ist Professor Harald Vogel überzeugt. "Inzwischen sind bis auf zwei Ausnahmen alle Orgeln des barocken Baumeisters restauriert worden", sagt der Orgelsachverständige, der viele Restaurierungs- und Neubauprojekte in aller Welt betreut. "Das war nur mit Hilfe von Stiftungen und Sponsoren aus der Wirtschaft möglich", betont Vogel.

Der 1941 geborene Organist, der von 1994 bis 2006 an der Bremer Hochschule für Künste (HfK) lehrte, ist eine Kapazität auf seinem Gebiet und hat soeben mit dem niederländischen Organologen Cornelius H. Edskes für die Arp-Schnitger-Gesellschaft im Bremer Hauschild-Verlag eine lückenlose Dokumentation des Werks Arp Schnitgers herausgebracht.

Der reich bebilderte Band lehrt neben vielem anderen: Man muss nicht erst ins portugiesische Faro fliegen, um Schnitger-Orgeln zu bewundern. Zentrum seines Werks ist der Nordwesten - der Orgel-Reichtum in der Metropolregion Bremen-Oldenburg ist weltweit einmalig. Arp Schnitger baute und rekonstruierte insgesamt bis zu seinem Tod 1719 circa 170 Orgeln und leitete Werkstätten mit rund hundert Mitarbeitern in Bremen, Hamburg und im niederländischen Groningen. Seine klingenden Kunstwerke sind auf der Insel Pellworm ebenso zu bewundern wie in Ganderkesee, in der Elbmetropole oder eben in Groningen.

Chance auf den Welterbe-Titel?

Der schwedische Professor Davidsson leitet künftig das Orgelzentrum an der Bremer Hochschule für Künste.
Der schwedische Professor Davidsson leitet künftig das Orgelzentrum an der Bremer Hochschule für Künste. Foto: Claudia Aguilar-Cruz

Harald Vogel und HfK-Rektor Professor Manfred Cordes sind sich einig: "Der Orgelschatz in der Metropolregion ist ein klarer Kandidat für die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO." Und sie wollen ihm selbst ein Denkmal setzen: mit einem internationalen Orgelzentrum an der HfK. Dieses Zentrum soll den Erhalt, die Pflege und die Weiterentwicklung der norddeutschen Orgellandschaft sichern.
Zugleich will die HfK die wissenschaftliche, künstlerische und technische Erforschung dieses kulturellen Schatzes vorantreiben. Geplant ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das auf zehn Jahre angelegt ist. Das Projekt umfasst eine intensive Archivforschung und die technische Dokumentation noch erhaltener, repräsentativer Schnitger-Orgeln, die Schnitger dank einer Monopolstellung weiter verbreiten konnte, als es je ein anderer Orgelbauer vor ihm geschafft hatte.

Zum Konzept für das internationale Orgelzentrum gehört auch der Nachbau zweier Schnitger-Orgeln von 1698. In einer Forschungswerkstatt sollen dafür mit Schnitgers Techniken Pfeifen gebaut und Metall gegossen werden - eine wichtige Grundlage für künftige Restaurierungen. Die Leitung liegt beim Nachfolger Vogels: dem schwedischen Professor Hans Davidsson, Lehrer an der Musikhochschule Göteborg sowie der Eastern School of Music in Rochester, New York.

Internationaler Orgelmusik-Wettbewerb in Planung

Davidsson ist zudem selbst Orgelvirtuose - dazu passt, dass mit dem Aufbau des Orgelzentrums die Übungs- und Unterrichtssituation für die Studierenden durch den Bau einer neuen Orgel verbessert werden soll. Um die geballte Orgel-Exzellenz in Bremen und umzu zu illustrieren, will die HfK darüber hinaus den "Ersten Internationalen Wettbewerb für Deutsche Orgelmusik" ins Leben rufen. In den Meisterkursen der integrierten Orgelakademie sollen dann Spitzen-Organisten unterrichten, die wesentliche Impulse für die historische Aufführungspraxis und das Repertoire des 21. Jahrhunderts gegeben haben.

Mehr unter www.hfk-bremen.de

4.245 Zeichen, Autorin: Sigrid Schuer

Pressekontakt:

Hochschule für Künste

Klaus Schloesser

E-Mail: k.schloesser[at]hfk-bremen.de