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Den Klimawandel verständlich machen

Nirgendwo sonst verändert sich das Klima so schnell wie in den Polarregionen, weiß Dr. Renate Treffeisen.
"Nirgendwo sonst verändert sich das Klima so schnell wie in den Polarregionen", weiß Dr. Renate Treffeisen. Foto: Alfred-Wegner-Institut

Das Klimabüro am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven bereitet Know-how für die breite Öffentlichkeit auf.

Das beste Wissen über den Klimawandel und seine Ursachen nützt nichts, wenn nur die Wissenschaftler selbst über diesen Schatz verfügen. "Ob sich die Menschen an die bevorstehenden Veränderungen rechtzeitig anpassen können, wird in einem sehr hohen Maße davon abhängen, inwieweit die Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit und vor allem den Entscheidern zugänglich gemacht werden", sagt Dr. Renate Treffeisen, Leiterin des "Klimabüros Polargebiete und Meeresspiegelanstieg" in Bremerhaven.

Das Büro am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ist eines von vier in einem Netzwerk arbeitenden Klimabüros, mit deren Hilfe die Helmholtz-Gesellschaft deutscher Forschungszentren die Wissensvermittlung rund um den Klimawandel in Richtung Bevölkerung, Politik und Wirtschaft sicherstellen will. "Wir suchen den Dialog, um möglichst genau festzustellen, welche Informationen benötigt werden", sagt Dr. Renate Treffeisen.

Während sich die Zentren in Geesthacht ("Norddeutsches Klimabüro"), Karlsruhe ("Süddeutsches Klimabüro") und Leipzig ("Mitteldeutsches Klimabüro") in erster Linie Aspekten des Klimawandels in ihrer Region widmen, blickt das Bremerhavener Büro buchstäblich über den Horizont. Die Themenkombination "Polargebiete und Meeresspiegelanstieg" ist direkt an die Forschungsschwerpunkte des Alfred-Wegener-Institutes angelehnt und behandelt zudem zwei Kerngebiete der Klimaforschung.

Blick auf die Polarregionen

Im Eis der Polargebiete und den Ozeanen der Arktis und Antarktis liegen die Schlüssel zum Verständnis des Klimageschehens verborgen. Und wenn die Erderwärmung nicht grundlegend gebremst wird, könnte das Bild vom "ewigen Eis" an den Enden der Welt schon bald seine Grundlage verloren haben. "Nirgendwo sonst auf der Welt verändert sich das Klima so schnell wie in den Polarregionen", sagt Renate Treffeisen.

Der Meeresspiegelanstieg als zweites großes Thema des Büros gehört zu den konkreten Auswirkungen des Klimawandels, die schon heute auch an der deutschen Küste zu spüren sind. Dort ist der Meeresspiegel bereits um bis zu 30 Zentimetern höher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Würden allein die grönländischen Gletscher abschmelzen, würde der Meeresspiegel um bis zu sieben Meter ansteigen.

Auch wenn das erst in Jahrzehnten oder Jahrhunderten einträte: "Schon heute müssen die Weichen gestellt werden, um derartiges zu verhindern. Die Klimaentwicklung ist schließlich ein sehr langsamer Prozess, der nicht von heute auf morgen zu verändern ist", erläutert Renate Treffeisen: "Selbst wenn wir sofort alle Treibhausemissionen stoppen könnten, würde sich die Klimaveränderung noch eine sehr, sehr lange Zeit fortsetzen."

Materialien aller Art

Ergänzend zur Öffentlichkeitsarbeit des AWI will das Klimabüro nun den Wissenstransfer über die Arbeit der Polar-, Meeres- und Klimaforscher verstärken. Im Aufbau befinden sich unter anderem ein wissenschaftlicher Klima-Informationsdienst und Materialien für verschiedene Veranstaltungen vom Schulunterricht bis zum hochkarätig besetzten Symposium. Gezielt werden die Informationen auch so aufgearbeitet, dass sie auf das Interesse und Verständnis in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zugeschnitten sind.

Eines der ersten Projekte des Klimabüros hat bereits ein Zwischenziel erreicht. Für die Stadt Bremerhaven formulierten die AWI-Wissenschaftler das Konzept der "Klimastadt". Dahinter steckt die Absicht, das Profil der Stadt zu schärfen und zugleich konkrete Handlungsempfehlungen für kommunalpolitische Klimaschutz-Entscheidungen zu geben.

Das Interesse Bremerhavens, im Klimaschutz eine bundesweit führende Rolle einzunehmen, kommt nicht von ungefähr: Wie kaum eine andere Kommune dieser Größe besitzt die Stadt als Sitz des AWI, als Zentrum der deutschen Windkraftindustrie und als Standort der Besucherattraktion "Klimahaus Bremerhaven 8° Ost" besondere Kompetenzen auf diesem Sektor.

Als Stadt an der Nordsee wäre sie zudem wie kaum eine andere Kommune von den Konsequenzen des Klimawandels betroffen – und hat schon deswegen ein großes Interesse, das Wissen der Klimaforschung für die eigenen Planungen und politischen Entscheidungen zu nutzen.

Mehr unter www.klimabuero-polarmeer.de

4.342 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Klimabüro für Polarmeer und Meeresspiegelanstieg

Dr. Renate Treffeisen

E-Mail: info[at]klimabuero-polarmeer.de