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Süße Existenzgründung

Thomas Wüppermann braucht viel Gefühl für seine Fischereiexotischen. Foto: Focke Strangmann
Thomas Wüppermann braucht viel Gefühl für seine Fischereiexotischen. Foto: Focke Strangmann

Schokolade macht glücklich, sagt der Volksmund. Für den Bremerhavener Thomas Wüppermann stimmt das in besonderer Weise: Er hat eine Schokoladenproduktion gegründet – und dafür bereits einen Preis bekommen.

Schokolade ist süß oder bitter, mal intensiver und manchmal luftiger im Geschmack. Wer es exotisch mag, lässt vielleicht noch einen Hauch Chili über den Gaumen huschen. Thomas Wüppermann jedoch mag es wesentlich variantenreicher. "Zur Zeit experimentiere ich mit einer Spur geröstetem Knoblauch", sagt der 41-Jährige.

Für den Bremerhavener ist Schokolade dennoch keine verzehrende Leidenschaft. Im Gegenteil: Sie soll den Mann ernähren. Wüppermann hat sich gerade mit seiner "Schokoladen-manufaktur" selbstständig gemacht und dafür den Gründerpreis Bremerhaven bekommen, der mit einer Gesamtsumme von 50.000 Euro als höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland gilt. Grund für die Ehrung: Sein kleines Unternehmen hat Platz in einer alten Fischhalle im Fischereihafen gefunden. Wüppermann steht für den Strukturwandel in Bremerhaven, der durch den Gründerpreis befördert werden soll.

"Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", strahlt der gelernte Bäcker/Konditor, Küchenmeister sowie Groß- und Außenhandelskaufmann. Jahrelang betrieb er in Cuxhaven eine Pension: "Wenn in den Wintermonaten weniger Gäste kamen, habe ich mit Schokolade experimentiert." Dann eröffnete seine Frau auf Helgoland ein Schokoladengeschäft, für das Wüppermann Ware am heimischen Herd herstellte.

In Bremerhaven des Zolls wegen

Süßer Strukturwandel: Statt Fisch wird im Fischereihafen jetzt ausgefallene Schokolade produziert. Foto: Focke Strangmann
Süßer Strukturwandel: Statt Fisch wird im Fischereihafen jetzt ausgefallene Schokolade produziert. Foto: Focke Strangmann

Dass sich Wüppermann von der Insel weg und dem Festland wieder zuwandte, während seine Frau weiter den Insel-Laden betreibt, liegt am Zoll. Aus dessen Sicht ist die Felseninsel außereuropäisches Ausland. Die Folge: "Ganz viele Kunden sind auf Helgoland auf den Geschmack gekommen und wollten sich neue Pralinen per Post nach Hause schicken lassen. Aber für jede Warensendung war ein ungeheurer Papierkrieg erforderlich." Als der Formularberg höher war als der Pralinenturm, zog Wüppermann wieder nach Bremerhaven: "Bei der Gelegenheit habe ich dann auch die Idee der eigenen Schokoladenmanufaktur umgesetzt." Auf den Begriff "Manufaktur" legt er Wert. Denn ob Schokoladentafeln, Pralinen oder Hohlfiguren: "Alles Handarbeit", betont der Existenzgründer. "Nur so kann ich die gewünschte Qualität liefern", sagt Wüppermann. Sorgfältig muss die Rohware aus belgischer Produktion ("die Belgier stellen die Basisprodukte für die Veredelung her") geschmolzen werden. Dann werden die Geschmackstoffe eingerührt, die Pralinen geformt oder die Figuren wie beispielsweise Osterhasen Schicht für Schicht aufgebaut.

Für die Arbeit bedarf es nicht nur guten Handwerks, sondern vor allem guten Geschmacks - und so komponiert Wüppermann seine Produkte buchstäblich. Schokolade mit Bärlauch oder Basilikum gehört ebenso ins Programm wie besondere Lakritz-Sorten – aber auch solche Exoten wie Senf- und Curry-Schokolade. "Ich probiere einfach mal aus, ob und wie etwas schmeckt", erklärt Wüppermann seine Vorgehensweise.

Die Tüftelei mit feiner Waage und feiner Zunge erwies sich bei mancher Geschmacksrichtung als besonderes Geduldsspiel: "Meine Frau wollte immer eine Orangenschokolade haben, ich habe aber lange Zeit nicht die richtigen Zutaten gefunden", erklärt Wüppermann, "Orangeat kann man nicht nehmen, das ist zu bitter, kandierte Orangen sind zumeist zu süß." Ein Wochenendausflug nach Berlin brachte die Wende: Im Kaufhaus des Westens entdeckte er Orangen-Konserven eines französischen Herstellers: "Das war der Durchbruch."

Insgesamt 105 verschiedene Sorten

35 unterschiedliche Geschmacksrichtungen hat Wüppermann inzwischen entwickelt - "jede gibt es mit dem Grundstoff Zartbitter, Vollmilch und weißer Schokolade, sodass insgesamt 105 Sorten im Angebot sind", sagt Wüppermann. Gut 20 Kilogramm Schokolade und rund 20 Kilogramm Pralinen schafft sein Zwei-Personen-Betrieb am Tag. Jede Minute, die nicht für die Just-in-Time-Produktion benötigt wird, gilt der Vorratsfertigung: "Wir haben immer 6.000 Tafeln auf Lager, um jederzeit liefern zu können." Verkauft werden sie im Geschäft seiner Frau und per Direktversand. Die Werbung beruht noch überwiegend auf Mundpropaganda, mittlerweile wächst aber ein eigenes Vertriebsnetz heran.

Auch wenn Wüppermann, wie jeder Existenzgründer, auf den großen wirtschaftlichen Erfolg hofft, will er seinem Prinzip der Manufaktur doch treu bleiben. "Gerade der Umgang mit dem sensiblen Rohstoff Schokolade ist es, der mich reizt. Je nach Luftfeuchtigkeit und Außen-temperatur verhält sie sich anders. Da muss man viel Gefühl entwickeln, sonst gelingt sie nicht", beschreibt Wüppermann seine große Herausforderung.

Dem Nervenkitzel begegnet er mit der entsprechenden Nervennahrung: Schokolade. "Ich esse jeden Tag Schokolade." Vor ein paar Jahren hat er sogar ein ganzes Schokoladenmenü kreiert. Demnächst soll es vielleicht eine Neuauflage geben: "Die Knoblauch-Schokolade könnte ganz gut dazu passen", meint er.

4.977 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Schokoladenmanufaktur

Thomas Wüppermann

E-Mail: schokoladenmanufaktur[at]t-online.de