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Kurzfassung: Anleitung zum Glücklichersein

Glücks- und Zufriedenheitstrainerin Edda Lorna lehrt Bremer Schülern sich selbst wertzuschätzen und auf sich zu achten. Foto: Jörg Sarbach
Glücks- und Zufriedenheitstrainerin Edda Lorna lehrt Bremer Schülern sich selbst wertzuschätzen und auf sich zu achten. Foto: Jörg Sarbach

Nicht für die Schule, sondern für das Leben wollen die Schüler einer 12. Gymnasial-Klasse lernen: Sie nehmen an dem Experiment "Glücks- und Zufriedenheitsunterricht" teil.

Sie interpretieren Goethes Faust, berechnen Integrale, beherrschen die Mendel'schen Vererbungsregeln und verstehen Shakespeare. Allzu viel Freude haben die wenigsten Oberstufenschüler daran. Deshalb unternimmt der Sport- und Englisch-Lehrer Michael Jentzsch jetzt mit seinem Sport-Leistungskurs im zwölften Jahrgang des Bremer Hermann-Böse-Gymnasiums ein Experiment: Die Schüler bekommen ein sechswöchiges "Glücks- und Zufriedenheitstraining", welches es bislang nur in Heidelberg gibt.

Im Frühjahr 2011 war Michael Jentzsch der Kulturmanagerin und Glücks- und Zufriedenheitstrainerin Edda Lorna begegnet. Sie kamen überein, den Schülerinnen und Schülern etwas beizubringen, das ihre Lebensfreude steigert. Als Edda Lorna an der Jacobs University nach wissenschaftlicher Begleitung fragte, stieg Prof. Dr. Hilke Brockmann mit in das Projekt ein. Sie ist Soziologie-Professorin und forscht schon länger an der Universität zum Thema Glück. Im Mai 2011 begann das Experiment, das bis zu den Sommerferien dauert.

Wertschätzung und Vertrauen

Wer es wagt, zu vertrauen, kann auf Händen getragen werden: auch eine wichtige Erfahrung für die Teilnehmer aus dem Glücks- und Zufriedenheitstraining. Foto: Jörg Sarbach
Wer es wagt, zu vertrauen, kann auf Händen getragen werden: auch eine wichtige Erfahrung für die Teilnehmer aus dem Glücks- und Zufriedenheitstraining. Foto: Jörg Sarbach

Wertschätzung für sich und andere, Vertrauen und (Lebens-)Sinngebung sind zentrale Themen in Lornas Unterricht. Sie möchte erreichen, dass die Jugendlichen herausfinden, was sie brauchen, um sich gut, zufrieden und glücklich zu fühlen. Sie sollen lernen, sich als selbstständige Persönlichkeiten zu begreifen, die Entscheidungen treffen, dafür aber auch Verantwortung übernehmen müssen.
Am ersten Tag des sechswöchigen Trainings hatte Edda Lorna alle anwesenden 17 Schüler dazu aufgefordert, über jeden Mitschüler auf einem Zettel ein schätzenswerter Charakterzug aufzuschreiben. So bekam am Ende dieser Übung jeder Schüler jeweils 17 Zettel, auf denen seine guten Eigenschaften standen. Ein Mädchen berichtete in der nächsten Stunde, es habe sich die Zettel über das Bett gehängt.

In einem Fragebogen, den Lorna am Anfang des Experiments verteilt hatte, nannten die Schüler übereinstimmend "Familie und Freunde" als diejenigen, denen sie vertrauen und von denen sie sich getragen fühlen. Wie es sich anfühlt, tatsächlich von Freunden gehalten und getragen zu werden, erlebten die Schüler ein paar Unterrichtsstunden später: Einer von ihnen legte sich auf den Boden des Klassenzimmers. Zwölf Mitschüler fassten unter seinen Körper, hoben ihn an und stemmten ihn schließlich bis über ihre Köpfe.

Wissenschaftliche Begleitung

Um herauszufinden, ob und wie die Schule ihre Schüler glücklicher machen und besser auf das Leben vorbereiten kann, gab Wissenschaftlerin Brockmann vor Beginn des Experiments standardisierte Fragebögen aus. Diese Fragebogendaten werden nach Ablauf des Experiments erneut erhoben. Die Pilotprojektklasse wird dann mit zwei Kontrollklassen verglichen, die kein Glücks- und Zufriedenheitstraining absolviert haben.

Zusätzlich geben die Schüler der Pilotklasse Speichelproben ab, um zu ermitteln, ob sie im Verlauf des Projekts lernen, besser mit Stress umzugehen. Im Speichel ist das Stresshormon Cortisol nachweisbar. Sollten die Cortisolwerte am Beginn des Experiments stärker variieren als am Ende, könnte das einen Hinweis darauf geben, dass die Jugendlichen gelernt haben, Stress besser zu verkraften.

Mehr unter www.edda-lorna.de und
www.jacobs-university.de/shss/hbrockmann

3.368 Zeichen, Autorin: Ulrike Bendrat

Pressekontakte:

Edda Lorna

E-Mail: info[at]edda-lorna.de

Prof. Dr. Hilke Brockmann

Prof. Dr. Hilke Brockmann

E-Mail: h.brockmann[at]jacobs-university.de