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Kurzfassung: Platz für eigene Spuren

Sie sind fast schon ein eingespieltes Team: Die Steinmetzmeisterin Katja Stelljes (li.) und ihre Kundin, Eva Vonrüti-Moeller (re.), die auf Stelljes‘ Werkstatthof selbst einen Grabstein bearbeitet. Foto: Ulrike Bendrat
Sie sind fast schon ein eingespieltes Team: Die Steinmetzmeisterin Katja Stelljes (li.) und ihre Kundin, Eva Vonrüti-Moeller (re.), die auf Stelljes‘ Werkstatthof selbst einen Grabstein bearbeitet. Foto: Ulrike Bendrat

Bei der Bremer Steinmetzmeisterin Katja Stelljes können trauernde Angehörige einen Grabstein selbst entwerfen und wenn sie wollen, auch selbst zu Hammer und Meißel greifen.

Wenn Katja Stelljes zuschlägt, fliegen Steinsplitter in alle Himmelsrichtungen. Ihr Schlag ist kraftvoll und konzentriert. Gerade bearbeitet sie mit Hammer und Meißel einen länglichen Steinquader. Zusammen mit einer Kundin steht Stelljes in der hellen Herbstsonne auf dem Hof ihrer Werkstatt und hilft ihr, eine schwierige Stelle an dem Schweizer Jura-Kalk vor sich zu behauen. Katja Stelljes ist selbstständige Steinmetzmeisterin und hat ihren Betrieb im Bremer Stadtteil Huckelriede in der Nähe der Weser. Ein wichtiger Teil ihres Angebots ist das Gestalten von Grabsteinen.

Die Frau mit dem vollen, grauen Haar und dem warmen Blick strahlt Ruhe aus. Sie nimmt sich außergewöhnlich viel Zeit für ihre Kunden. Das sind meist trauernde Angehörige, die auf der Suche nach dem passenden Grabstein für ihre Verstorbenen sind. Und wer zu ihr kommt, will in aller Regel einen Grabstein, der sehr besonders ist, persönlich, individuell.

So wie die Familie Moeller. Die 52-jährige Eva Vonrüti-Moeller, ihr Ehemann und ihre beiden Kinder müssen den Verlust ihrer Tochter und Schwester verkraften. Ende 2009 erfuhr die Familie, dass die damals 18-jährige Ina während eines Aufenthalts in Australien bei einem Unfall zu Tode gekommen war. Die Familie reiste nach Australien, wo Inas Leichnam eingeäschert wurde. Ihre Asche brachten die Vier nach Bremen. Anfang 2010 nahm Inas Mutter auf Empfehlung der Bestatterin zum ersten Mal Kontakt mit Katja Stelljes auf. Diese kam zu den Moellers nach Hause, sah Fotos von Ina und sogar ihr früheres Zimmer. "Wir haben lange geredet und auch zusammen geweint", erinnert sich Katja Stelljes.

Im Laufe der Monate entwickelte sich die Idee, eine fünfeckige Stele zu errichten: fünf Seiten für die ursprünglich fünf Familienmitglieder. Viermal ist Eva Vonrüti-Moeller bisher in die Werkstatt nach Huckelriede gekommen, um dort am Grabstein für ihre Tochter zu arbeiten. Im vergangenen Sommer waren auch Inas jüngere Geschwister hier und haben ihre jeweilige Seite von Inas Grabstele mit Hammer und Meißel bearbeitet. Auch Inas Vater will noch an dem Stein arbeiten. So hinterlassen die vier Familienmitglieder ihre sehr verschiedenen Spuren.

Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich Eva Vonrüti-Moeller an dem Grabstein vor. Die harte Arbeit hat Parallelen zur Trauer. Manchmal hinterlässt sie aber auch nur Blasen an den Händen. Foto: Ulrike Bendrat
Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich Eva Vonrüti-Moeller an dem Grabstein vor. Die harte Arbeit hat Parallelen zur Trauer. Manchmal hinterlässt sie aber auch nur Blasen an den Händen. Foto: Ulrike Bendrat

Die wenigsten Menschen, die zur Steinmetzmeisterin Stelljes kommen, wählen den Weg von Familie Moeller: selbst zum Werkzeug zu greifen. Um persönlichen Anteil an der Gestaltung eines Grabsteins zu haben, ist das aber auch nicht nötig. Manche Menschen kommen mit Zeichnungen zu ihr, die zeigen, wie der Stein aussehen soll. Und wieder andere bringen eine Figur oder ein symbolisches Element mit, das in den Stein eingearbeitet werden soll.

Die Zeiten, in denen Angehörige beim Steinmetz nur Farbe, Form, und Größe des Steins und die Schriftart aussuchten, scheinen zu Ende zu gehen. "Die Menschen heute wollen mehr Beratung, ein Gespräch. Und sie vergleichen auch Preise", weiß Stelljes. Die Firma, bei der sie zuletzt angestellt war, habe ihre Arbeit als Bereicherung empfunden. "Ich treibe die Beratung in gewisser Weise auf die Spitze", sagt sie mit einem Lächeln. Eva Vonrüti-Moeller formuliert es so: "Katja lässt einem sehr, sehr viel Zeit."

Mehr unter www.katja-stelljes.de

3.313 Zeichen, Autorin: Ulrike Bendrat

Pressekontakt

Katja Stelljes

E-Mail: info[at]katja-stelljes.de

Erstellungsdatum: 26.10.2011