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Mit Pioniergeist

Auf die Vermittlung von Raumfahrtpersonal spezialisiert: Claudia Kessler ist Geschäftsführerin von HE Space Operations. Foto: Astrid Labbert
Auf die Vermittlung von Raumfahrtpersonal spezialisiert: Claudia Kessler ist Geschäftsführerin von HE Space Operations. Foto: Astrid Labbert

Die HE Space Operations mit Sitz in Bremen hat sich auf die Vermittlung von Raumfahrtpersonal spezialisiert. An der Spitze ist eine Frau: Claudia Kessler.

Wenn über Claudia Kessler geschrieben wird, fällt oft das Stichwort "Personalvermittlerin von Astronauten". Die Geschäftsführerin von HE Space Operations lacht, als sie darauf angesprochen wird. Denn wäre dies das Hauptgeschäft ihrer Personaldienstleistungsfirma, hätte sie wohl nicht allzu viel zu tun. Derzeit gibt es in Europa sechs praktizierende Astronauten, sagt Kessler, einer davon ist tatsächlich von ihrem Unternehmen an die europäische Weltraumorganisation ESA vermittelt worden: Der Däne Andreas Mogensen schaffte es 2009 ins Astronautenprogramm. Aber: "Das ist erst ein Mal passiert“, sagt die 47-Jährige. „Die gibt es jetzt und die müssen erstmal fliegen."

Es scheint ein sehr spezielles Feld, auf das ihr Unternehmen abonniert ist: HE Space Operations sucht Fachkräfte in und für die Raumfahrt. Wer einen Blick auf die Stellenausschreibungen auf der Internetseite des Unternehmens wirft, entdeckt, dass diese Branche dann aber doch Raum für eine Bandbreite an Berufen lässt: vom Erdbeobachtungsspezialisten über Konstrukteure von Satelliten bis zur Raketeningenieurin. Gesucht werden in der Regel Hochqualifizierte. Und Pioniergeister, die sich vom Slogan der Firma angesprochen fühlen: "Passion for Space" – Leidenschaft für den Weltraum.

Die Mondlandung weckte die Neugier

Die Leidenschaft für den unerforschten Raum hat auch die 47-Jährige in die Branche getrieben. 1969 waren die Bilder von der Mondlandung auch über die Schwarz-Weiß-Mattscheibe der Familie Kessler im Bayrischen Mühldorf am Inn geflimmert und hatten die damals vierjährige Claudia fasziniert. An die Details könne sie sich zwar nicht erinnern, gesteht die gelernte Raumfahrtingenieurin heute, wohl aber an die bleibende Wirkung. Je öfter sie später gehört habe, wie unmöglich es sei, als Frau in die Raumfahrt zu gehen, desto fester sei ihr Wunsch geworden: "Das hat mich angespornt, ich wollte zeigen, dass es geht." Ihr Vater war Automechaniker, Claudia Kessler begeisterte sich für Technik, war später das einzige Mädchen im Physik-Leistungskurs und somit, als sie in München das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik begann, schon daran gewöhnt, die Einzige zu sein.

Heute sitzt die Raumfahrtingenieurin – nach diversen Arbeitsstationen – in der Bremer Airport-Stadt in einem freundlich eingerichteten Büro gegenüber vom Flughafen. Kessler begann 2004 in der Bremer Niederlassung von HE Space Operations und wurde 2008 Gesamtgeschäftsführerin des Unternehmens. Weitere Standorte gibt es in Darmstadt, in München/Gilching, im niederländischen Noordwijk und in den USA. Mittlerweile hat das Unternehmen laut Kessler 130 Mitarbeiter.

Die Suche nach den richtigen Köpfen

HE Space Operations sucht und findet hochqualifiziertes Personal für High-Tech-Arbeitsplätze, wie hier beim Unternehmen Astrium in Bremen. Foto: HE Space Operations
HE Space Operations sucht und findet hochqualifiziertes Personal für High-Tech-Arbeitsplätze, wie hier beim Unternehmen Astrium in Bremen. Foto: HE Space Operations

"Wir sind praktisch die Personalabteilung", beschreibt die Chefin die Dienstleistung ihres Unternehmens für die Raumfahrtszene. Wendet sich ein Kunde mit einer Stellenvakanz an sie, geht HE Space Operations auf die Suche nach den passenden Köpfen. Zur Verfügung steht eine eigene Datenbank mit rund 1.000 Lebensläufen. Zusätzlich pflegt das Unternehmen seine Kontakte zu Forschungseinrichtungen, Fakultäten, internationalen Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. "Wir haben ein sehr großes Netzwerk in der Branche", sagt Kessler, die die Zahl der weltweit in der Raumfahrt Tätigen auf "ein paar Zehntausend" schätzt. "Uns geht es in erster Linie um Qualität und Experten."

Zwei bis drei Arbeitskräfte werden nach Unternehmensangaben im Schnitt pro Monat eingestellt. HE Space Operations stellt die Fachkräfte selbst an und leiht sie dann an Unternehmen aus, in der Regel jahrelang. Zur firmeneigenen Philosophie zählt, sich bei neuen Mitarbeitern auch um Umzugsmodalitäten zu kümmern, inklusive Schul- und Kindergartenunterbringung der Kinder. Das dürfte insbesondere ausländischen Mitarbeitern – der Anteil liegt laut Kessler bei über 50 Prozent – den Ortswechsel erleichtern. "Wir nehmen die Leute ernst und wollen, dass sie in ihrem Umfeld und im Job glücklich sind. Nur dann machen sie auch einen guten Job." HE Space Operations hat sich auf diese Weise auf dem europäischen Markt etabliert und wurde in Deutschland bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet.

Frauen in der Raumfahrt auf die Agenda bringen

In ihrer Firma kann Claudia Kessler derzeit einen Frauenanteil von 40 Prozent vorweisen. Im Zuge ihrer Berufslaufbahn hat sie allerdings immer wieder festgestellt, dass auch in ihrer Branche Frauen wesentlich seltener die Karriereleiter nach ganz oben klettern als Männer; dass die viel zitierte "Glasdecke" zur Führungsetage eines Unternehmens existiert: "Auf Führungsebene ist es einfach so: Die Glasdecke ist bei Frauen da." 2009 rief sie deshalb ehrenamtlich und gemeinsam mit der ESA-Direktorin für bemannte Raumfahrt Simonetta Di Pippo den europäischen Ableger der in den USA schon vor langer Zeit gegründeten Organisation "Women in Aerospace" (WIA) ins Leben, die sich für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt und als Netzwerk funktioniert. Ein Ziel von "Women in Aerospace" in Europa ist, den Frauenanteil in der Branche auf 20 Prozent zu bringen. "Bei über zehn Prozent sind wir", stellt Kessler nüchtern fest.

Sie gehört übrigens zu jenen Führungsfrauen, die die Frauenquote befürworten. Auch wenn sie es selbst ohne geschafft hat, ist Claudia Kessler davon überzeugt, dass sich von allein an den festen Strukturen nichts ändern wird. Dabei geht es der Frau mit den gelockten Haaren nicht allein um Quote und gleiche Chancen, sondern auch darum, dass Frauen oft andere Perspektiven in die Arbeit mit einbringen. "Die Erfahrung von beiden ist wertvoll", sagt Kessler. "Männer sind meist auf das Ziel fokussiert und haben dabei mehr den Tunnelblick. Frauen sehen auch noch, was am Rand ist und denken über die Konsequenzen nach."

Mehr unter www.hespace.de und www.wia-europe.org

5.916 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

HE Space Operations

Sandra Teichert

E-Mail: steichert[at]hespace.com

Erstellungsdatum: 20.12.2011