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Kurzfassung: 60 Rentner und ein Rekordflieger

Meilenstein der deutschen Luftfahrtgeschichte: Die Focke-Wulf Fw 200 Condor flog 1938 als erstes Verkehrsflugzeug die Strecke Berlin - New York nonstop. Foto: AIRBUS Operations GmbH
Meilenstein der deutschen Luftfahrtgeschichte: Die "Focke-Wulf Fw 200 Condor" flog 1938 als erstes Verkehrsflugzeug die Strecke Berlin – New York nonstop. Foto: AIRBUS Operations GmbH

Im August 1938 flog ein Passagierflugzeug erstmals die Strecke Berlin – New York im Nonstop-Flug. Seit Jahren restaurieren pensionierte Airbus-Mitarbeiter nun in Bremen einen solchen Flieger, die "Condor".

Alles nahm seinen Anfang mit einer 1999 aus einem norwegischen Fjord geborgenen "FW 200 Condor". Norwegen überließ das Flugzeug dem Deutschen Technikmuseum Berlin, wo schnell die Idee zur Restauration des Ausstellungsstücks in spe entstand. Mit im Boot waren bald die Lufthansa Berlin-Stiftung, Rolls Royce Deutschland - und Airbus. Dort arbeitete Ende der Neunziger auch Günter Büker. Als er von der Idee erfuhr, war der damalige Engineering-Projektmanager fasziniert. "Ich habe sofort gesagt: Da bin ich dabei", sagt der heutige Projektleiter der Restaurierung. Schließlich gab es die "Condor" zu dem Zeitpunkt nur noch auf dem Papier, weltweit war keine existierende Maschine bekannt.

Was die viermotorige "Focke-Wulf Fw 200 Condor" so interessant macht? Sie markiert einen Meilenstein in der deutschen Luftfahrtgeschichte: Am 10. August 1938 flog sie als erstes Verkehrsflugzeug die Strecke Berlin – New York nonstop, in 24 Stunden und 56 Minuten. Drei Monate später ging es in 46 Stunden und 18 Minuten und mit drei Zwischenstopps nach Tokio. Aus heutiger Sicht war damit der Grundstein des transatlantischen Flugverkehrs gelegt.

Die "Condor" allerdings, die man 1999 aus dem Trondheimfjord zog, glich dann doch eher einem Wrack. Es sind die Einzelteile, die in der Bremer Airbus-Halle 5 nach und nach wieder zusammengefügt werden – soweit es geht. In der Halle ist ein Gerüst mit zwei begehbaren Etagen aufgebaut, an der Seite der linke Außenflügel hochkant eingespannt. Es ist Dienstag, ein Dutzend Männer ist da, einige arbeiten an dem Flügel, andernorts wird Farbe gerührt. Rekonstruktionszeichnungen sind an eine Stellwand gepinnt. Das Restaurieren gleicht einem gigantischen Puzzle, denn es gibt keine Konstruktionspläne. 2002 haben sie zu zehnt mit der Arbeit begonnen, einmal die Woche. Heute gibt es 60 ehemalige Airbus-Mitarbeiter und ein paar externe Helfer. Aufgeteilt sind sie in die Dienstag- und Mittwoch-Crew.

Die 1999 in Norwegen geborgene Condor wird in Bremen liebevoll von 60 Pensionären mit Expertenwissen und Leidenschaft restauriert. Foto: Joerg Sarbach
Die 1999 in Norwegen geborgene "Condor" wird in Bremen liebevoll von 60 Pensionären mit Expertenwissen und Leidenschaft restauriert. Foto: Joerg Sarbach

"Uns reizt die Technik", beschreibt Büker die Motivation seiner Kollegen. "Es muss Spaß machen und es muss etwas bringen." Später einmal soll die rollbare, aber nicht flugbereite "Condor" in Berlin ausgestellt werden, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Zwischen 2016 und 2020 rechnet der 65-Jährige mit der Fertigstellung.

An verschiedenen Standorten wird oder wurde an der Rekonstruktion gefeilt, auch bei der Lufthansa in Hamburg und bei Rolls Royce in Oberursel und Dahlewitz, wo die Flugmotoren rekonstruiert wurden. Das erste Etappenziel haben die Bremer Restauratoren vor einem Jahr gefeiert, es ist im hinteren Teil von Halle 5 zu sehen, man kann sogar darunter gehen: der fertige linke Innenflügel, silber-schwarz lackiert mit zwei schwarzen Propellern. Jetzt stehen drei Männer darunter und blicken nach oben. Plötzlich beginnt es zu surren, Klappen öffnen sich und das Fahrwerk sinkt sanft hinunter, hinten bewegen sich die Bremsklappen. "Da bekommt jeder Techniker strahlende Augen", freut sich Büker.

3.184 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Airbus

Valeska Tramp
Communications Coordinator

E-Mail: valeska.tramp[at]airbus.com

Erstellungsdatum: 19.01.2012