Sie sind hier:

Kurzfassung: Die Frau im Kaltlichtspiegel

Bremerin mit viel Humor: Kathrin Fricke, bei ihren Fans besser bekannt als Coldmirror. Foto: Jörg Sarbach
Bremerin mit viel Humor: Kathrin Fricke, bei ihren Fans besser bekannt als "Coldmirror". Foto: Jörg Sarbach

Wenn aus der inoffiziellen amerikanischen Hymne "America the beautiful" das Strichfrauchen Erica wird, dann steckt eine Bremer Video-Künstlerin dahinter: Coldmirror.

Per YouTube-Bildschirm sieht man direkt in ein WG-Zimmer, im Regal im Hintergrund stehen Wasserflaschen vor Büchern, man erahnt Zeichnungen an der Wand. Eine junge Frau mit langem, dunklen Haar sieht direkt in die Kamera. Winkend begrüßt sie die Zuschauer: "Hoooooiiii! Ich bin Kaddi und zeige euch heute im you fm-Gamecheck das Spiel 'Lego-Harry Potter. Die Jahre eins bis vier'." Dabei rollt sie die weit aufgerissenen, kajalumrahmten Augen und hebt und senkt ihre Stimme, als wäre sie auf einer Achterbahnfahrt.

Was jetzt folgt, ist eine abwechslungsreiche, etwa zweiminütige Besprechung eines Computer- und Internetspiels. Für einen solchen Gamecheck hat Kaddi, mit bürgerlichem Namen Kathrin Fricke, das jeweilige Spiel mindestens eine Woche lang gespielt, erzählt sie. Die 27-Jährige ist Bremerin und hat ihr Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Bremen so gut wie abgeschlossen. Als "Coldmirror" betreibt sie schon seit rund sechs Jahren einen Kanal auf der Internet-Plattform "YouTube", auf dem sie selbst produzierte Videos zeigt. Damit wurde sie der Internet-Gemeinde bekannt, und zwar im großen Stil: Heute hat die junge Frau mit der petrolfarbenen Strähne in ihrem schwarzen Haar 330.000 Abonnenten.

Einem breiteren Publikum wurde Coldmirror bei der Frauenfußball-WM 2011 bekannt. Da sah man auf dem Fernsehschirm die Zeichnung einer Gruppe Strichmännchen mit Bechern in der Hand. Dazu singt eine Frauenstimme "Oh, Bude voll…" Während die Musik weiter läuft und die Frau "…voll spät, tschüss Guys!" singt, winken sich drei Strichfiguren zu. Ein paar Zeichnungen weiter würgt eine Figur mit Zopf und im Fußballtrikot einen Schiedsrichter. Ein Pfeil benennt sie als "Erica". Ein zweites Strichfrauchen daneben fragt "Ähhm, Erica?" Zwei Stimmen aus dem Off singen voller Pathos "Ähhm, Erica, ähm Erica…"

Unsinn? Nein, hier ist die inoffizielle Nationalhymne der USA "America the beautiful" zu hören, vorsätzlich missverstanden und illustriert von Coldmirror. So wurde aus den Zeilen dieses patriotischen Musikstücks "Oh beautiful, for spacious skies … America, America" der absichtlich falsch verstandene Text.

Wurde mit ihren amüsanten selbst produzierten Videos auf der Internet-Plattform YouTube bekannt: Kathrin Fricke, alias Coldmirror. Foto: Jörg Sarbach
Wurde mit ihren amüsanten selbst produzierten Videos auf der Internet-Plattform "YouTube" bekannt: Kathrin Fricke, alias "Coldmirror". Foto: Jörg Sarbach

"Die Idee stammt ja nicht von mir. Wir haben doch alle schon mal Liedtexte falsch verstanden und trotzdem voller Überzeugung laut mitgesungen", sagt sie. Neu seien ihre Zeichnungen dazu. Und neu war für sie vor zwei Jahren die Erfahrung, für das Fernsehen zu arbeiten.

Wer im Internet nach "Kathrin Fricke" oder "Coldmirror" sucht, stößt auf die erwähnten Videos. In einem Eintrag bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia erfährt man, dass sie den Namen "Coldmirror" – übersetzt "Kaltlichtspiegel" – einem Black-Metal-Lied entlehnt hat. Ihre Produktionen mag mancher für Unfug halten – Kathrin Fricke und "you fm" wurden mit ihnen als "Beste Innovation" immerhin für den Deutschen Radiopreis 2011 nominiert. Die so Geehrte bildet sich wenig darauf ein: "Mein Antrieb ist ja nicht, einen Preis zu gewinnen, sondern etwas zu machen, was gut ist." Als sie bei der Gala doch nicht als Preisträgerin aufgerufen wurde, war ihre Enttäuschung dann auch nicht all zu groß.

Mehr unter www.you-fm.de/index.jsp?rubrik=61041

3.281 Zeichen; Autorin: Ulrike Bendrat

Pressekontakt:

you fm

Carolin Oppermann

E-Mail: coppermann[at]hr-online.de

Erstellungsdatum: 16.04.2012