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Innovativ und handverlesen

Krimis sind in – das weiß auch Alexa Stein, Organisatorin des 15. Krimifestivals in Bremen und Bremerhaven. Ihr Ziel: Das Image von Lesungen entstauben und künftig auch ein jüngeres Publikum für den Krimi begeistern. Foto: Joerg Klampaeckel
Krimis sind "in" – das weiß auch Alexa Stein, Organisatorin des 15. Krimifestivals in Bremen und Bremerhaven. Ihr Ziel: Das Image von Lesungen entstauben und künftig auch ein jüngeres Publikum für den Krimi begeistern. Foto: Joerg Klampaeckel

Der Krimi boomt – und mit ihm die Krimifestivals in Deutschland. Zu den ersten zählte 1997 "Prime Time – Crime Time" in Bremen. Zur 15. Auflage werden im September wieder Star-Autoren und Debütanten erwartet, Lesungen und neue Krimi-Formate geboten. Die Organisatorin Alexa Stein zeigt sich erfinderisch.

Seit Jahren erlebt der Krimi unter deutschen Lesern einen Boom, er gehört zu den meistgelesenen Genres. Während einst die Trennlinie zwischen E- und U-Literatur – sprich ernsthafter und Unterhaltungsliteratur wie dem Krimi – messerscharf gezogen wurde, ist das Genre inzwischen salonfähig geworden. Krimis sind "in"; dazu beigetragen haben auch die Festivals, die vielerorts oft von Autorenkreisen initiiert wurden. Rund 30 deutsche Krimifestivals verzeichnet der Zusammenschluss deutscher Krimischriftsteller "Das Syndikat" inzwischen in seinem Terminkalender. Was zeichnet da das Bremer Festival besonders aus? "Wir präsentieren nicht nur Literatur, sondern auch Musik, Theater und Poetry Slam", beschreibt Alexa Stein die Bandbreite. Die Autorin hatte 2011 die Organisation des Festivals von Jürgen Alberts – ebenfalls Krimischriftsteller – übernommen. Ihr Credo: "Wir versuchen jedes Jahr, etwas Neues zu kreieren."

Experimentieren mit neuen Formaten: der "Crime Time Slam"

Dabei schöpft man die Möglichkeiten eines kleinen, aber feinen Rahmens und Budgets voll aus. Renommierte Autoren und Debütanten erhalten wie gewohnt eine Bühne – neben der klassischen Lesung wird vom 11. bis 21. September mit neuen Formaten experimentiert. So gibt es in diesem Herbst erstmals einen "Crime Time Slam". "Das hat es in der Form noch nicht gegeben", sagt Alexa Stein. Wie beim bekannten Format "Poetry Slam" treten Dichter mit ihren Texten live vor Publikum gegeneinander an. Voraussetzung dieser Variante ist allerdings das gemeinsame Thema: "Es müssen mörderische Texte sein", erklärt Stein.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Festival mit der Kombination "Crime meets Impro" einen Erfolg gelandet: Die Lesung von Ostfriesenkrimi-Autor Klaus-Peter Wolf wurde mit Improvisationstheater verquickt. Das Publikum konnte dabei auf Zuruf bestimmen, wann die Darsteller mit einer improvisierten Szene "übernahmen". Aufgrund des Publikumserfolgs wird es in diesem Jahr eine Neuauflage geben, außerdem lassen sich am Eröffnungsabend die Autoren Volker Kutscher und Antonio Hill auf eine inszenierte Lesung mit dem Bremer Kriminal Theater ein. Kommissar Gereon Rath, Hauptfigur in Kutschers historischen Krimis, und der in Barcelona ermittelnde Inspektor Salgado des spanischen Autors Hill werden dann leibhaftig mit von der Partie sein.

Begegnungen mit der Wirklichkeit

Der mit 2.500 Euro dotierte Radio-Bremen-Krimipreis geht dieses Jahr an die britische Autorin Kate Atkinson. Fans und die, die es werden wollen, können sie live und im O-Ton auf der Radio-Bremen-Kriminacht am 19. September erleben. Foto: John Foley Opale
Der mit 2.500 Euro dotierte Radio-Bremen-Krimipreis geht dieses Jahr an die britische Autorin Kate Atkinson. Fans und die, die es werden wollen, können sie live und im O-Ton auf der Radio-Bremen-Kriminacht am 19. September erleben. Foto: John Foley Opale

Ebenfalls neu ist, nicht nur Experten aus der Kriminalliteratur, sondern mit Bernhard Docke und Arnim von Döllen auch zwei Anwälte zur Diskussion einzuladen. "Die Kanzlei ist auf Strafrecht spezialisiert. Es wird also interessant, was die beiden zu erzählen haben." Docke vertrat beispielsweise den Bremer Murat Kurnaz, der jahrelang ohne Anklage in Guantanamo einsaß. Unter dem Titel "Real Crime" ("Echte Verbrechen") werden sie Antworten auf die Frage geben, was eigentlich passiert, wenn der Krimi den Schlusspunkt setzt; wenn der Tatverdächtige verhaftet ist und das Rechtssystem übernimmt.

Neue Formate wagen und das Spektrum erweitern: Das ist seit jeher die Grundidee des Festivals. An seiner Wiege stand quasi das spanische Festival "Semana Negra" Pate, das verschiedenste Künste unter dem Dach des Krimis vereint. Jürgen Alberts, der 2011 für seine Verdienste für den deutschsprachigen Krimi und sein literarisches Gesamtwerk mit dem renommierten Glauser-Preis ausgezeichnet worden war, wurde in den 90er Jahren davon derart inspiriert, dass er "Prime Time - Crime Time" in Bremen ins Leben rief. Alexa Stein will sein Werk fortführen und zum Beispiel das Image von Lesungen weiter "entstauben", um künftig auch ein jüngeres Publikum für den Krimi zu begeistern. "Hier das Publikum, dort der Autor: Diese Schranke wollen wir einreißen."

Deutschlands einzige Krimibibliothek

Klein, aber handverlesen präsentiert sich das zehntägige Programm mit 23 Autoren und 18 Veranstaltungen. Das Festival führt Krimifans an die unterschiedlichsten Orte der Hansestadt – so auch in Deutschlands erste und bislang einzige Krimibibliothek, die seit dem Jahr 2000 in Bremen besteht. Mit ihrem roten Sofa, dem wuchtigen Mobiliar samt (wenn auch nur symbolischer) Kaminecke und den über 4000 Titeln deutscher Kriminalliteratur an den Wänden verströmt die Präsenzbibliothek eine heimelige Atmosphäre.

Es gibt aber auch kriminalistische Stadtführungen und Giftpflanzenführungen im Bremer Rhododendronpark. Eine praktische Einführung ins kriminelle Metier? Die Organisatorin kann das nicht ganz verneinen, verweist aber im gleichen Atemzug auf das anschließende Abendprogramm mit den genannten Strafverteidigern: "Da können Sie sich gleich über die Konsequenzen informieren: sprich wie hoch das Strafmaß ist, wenn Sie das Essen ihres Gatten mit Eisenhut verfeinert haben..."

Witz, Ernsthaftes und Insiderwissen werden bei "Prime Time – Crime Time" kombiniert – und spiegeln zugleich die Bandbreite des Genres Krimi wider. "Wir wollen Unterhaltung bieten und die Möglichkeit, Neues kennenzulernen", formuliert Alexa Stein ihren "Auftrag".

Kate Atkinson erhält Radio-Bremen-Krimipreis – und liest

Einer der Höhepunkte ist wie in jedem Jahr die Verleihung des Radio-Bremen-Krimipreises, der im Wechsel an in- und ausländische Autoren vergeben wird. In diesem Jahr erhält die bekannte britische Autorin Kate Atkinson den mit 2.500 Euro dotierten Preis („Das vergessene Kind“). Sie ist in der langen Kriminacht gemeinsam mit den deutschsprachigen Autoren Jutta Profijt, Rob Alef und der aktuellen Deutscher-Krimipreis-Trägerin Mechthild Bormann („Wer das Schweigen bricht“) zu erleben. Die Britin Atkinson wird in ihrer Muttersprache lesen, eine Übersetzung folgt. Auch das hat Tradition beim Bremer Festival und kommt beim Publikum gut an: "Viele finden es schön, die Krimis und Autoren einmal in der Landessprache zu hören."

Mehr unter www.primetime-crimetime.de

6.084 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Ira Scheidig

Agentur für Text, PR und Kommunikation

E-Mail: info[at]agentur-scheidig.de, info[at]primetime-crimetime.de

Erstellungsdatum: 23.08.2012