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Knutschkugel mit Blaulicht

Deutschlands kleinster Streifenwagen: Olaf Theuring, Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Bremerhaven, ist mit dem neuen Polizei-Smart im Einsatz. Foto: Wolfgang Heumer
Deutschlands kleinster Streifenwagen: Olaf Theuring, Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Bremerhaven, ist mit dem neuen Polizei-Smart im Einsatz. Foto: Wolfgang Heumer

Deutschlands kleinster Streifenwagen ist in Bremerhaven im Einsatz. Der Polizei-Smart zieht alle Aufmerksamkeit auf sich.

Vor sechs Jahren rollte die Bremerhavener Polizei den letzten VW-Käfer-Streifenwagen in Deutschland ins Museum. "Jetzt haben wir endlich einen würdigen Ersatz gefunden", freut sich der Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Bremerhaven, Olaf Theuring. Da stört es ihn auch nicht, dass sein neuestes Dienstfahrzeug gelegentlich als "Knutschkugel mit Lampe" verspottet wird. "Das Auto ist ein echter Sympathieträger", lacht Theuring. Und Recht hat er: Theuring muss weder das Licht auf dem Dach noch das Martinshorn einschalten, um beachtet zu werden. Der blau-silberne Smart mit Blaulicht und dem großen Schriftzug "Polizei" bringt ihn überall schnell mit Passanten, Touristen, jung und alt ins Gespräch: "Neulich hat sogar der Beifahrer einer dicken Luxuslimousine aus dem Fenster ein Foto von uns gemacht", lacht Theuring.

Theuring und sein Kollege Ralf Spörhase aus der Verkehrssicherheitsberatung der Bremerhavener Polizei sind viel unterwegs in der Stadt. "Seitdem der Käfer im Museum steht, mussten wir uns dafür immer irgendein Auto organisieren", erinnert sich Theuring. Aber nicht allein deshalb kam er auf die Idee mit dem Smart: "Wir brauchen einfach ein Symbol, das uns schnell mit den Bürgern ins Gespräch bringt und sofort Hemmschwellen abbaut" sagt der Präventionsexperte.

Der Smart ist genau dieses Instrument. Natürlich ist er kein Neuwagen. 150.000 Kilometer ist das gute Stück bereits gelaufen. Der örtliche Händler überließ der Polizei das generalüberholte Fahrzeug zum Selbstkostenpreis. Mit viel Eigeninitiative, Erfindergeist und guten Kontakten zu Handwerksbetrieben schaffte es Theuring sogar, dass der rollende Winzling ein passendes Blaulicht bekam. "Wir können als Behörde nur begrenzt Geld für solche Dinge ausgeben, auch wenn sie für unsere Arbeit äußerst wertvoll sind", begründet Theuring, warum er nicht einfach einen neuen Wagen bestellt hat: "Wir müssen eben sparsam sein."

Dass Theuring nahezu den ganzen Tag mit dem kleinen Funkstreifenwagen unterwegs ist, liegt aber nicht am Fahrspaß, den die „Knutschkugel“ bietet, sondern an seinem dienstlichen Auftrag. Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle ist in der Verbrechensvorbeugung aktiv. Dabei geht es nicht nur darum, über den richtigen Diebstahl- oder Einbruchsschutz zu informieren, der Dienst will auch die Arbeit der Polizei transparent machen. „Wir begegnen immer noch Berührungsängsten“, weiß Theuring, „weil wir als Ordnungsmacht und staatliche Instanz gelten.“ Doch die Distanz ist nicht nur unnötig, sondern auch vielfach auch schädlich: „Wir sind auf die Mithilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen“, betont Theuring. „Je größer die Bereitschaft ist, uns anzusprechen, desto besser.“

Rollender Sympathieträger

Der Sympathieträger der Polizei in Bremerhaven: Die Knutschkugel mit Blaulicht bringt Aufmerksamkeit und schafft Vertrauen. Foto: Wolfgang Heumer
Der Sympathieträger der Polizei in Bremerhaven: Die Knutschkugel mit Blaulicht bringt Aufmerksamkeit und schafft Vertrauen. Foto: Wolfgang Heumer

Wenn man mit Theuring in der Knutschkugel in Bremerhaven unterwegs ist, ist die Wirkung des rollenden Sympathieträgers sofort zu spüren. Kaum hält der Wagen irgendwo, sprechen Passanten den Fahrer an, plaudern ein bisschen und kommen dann ganz häufig mit irgendeinem Thema, das sie schon längst mit der Polizei besprechen wollten. "Eine normale Funkstreife würde kaum jemand so direkt ansprechen", ist Theuring überzeugt.

Wenn sein Kollege Spörhase von der Verkehrsabteilung der Schutzpolizei mit dem Smart unterwegs ist, wirkt die "heiße Kiste" geradezu wie ein Eisbrecher. Spörhase betreibt die Unfallprävention in Bremerhaven; eine seiner wichtigsten Zielgruppen sind jugendliche Verkehrsteilnehmer. Würde Spörhase sie direkt in ein Gespräch über zu schnelles Fahren oder Alkohol am Steuer verwickeln – provokantes Schweigen, verlegenes Grinsen oder flott-dreiste Sprüche wären allzu häufig die Reaktion. Doch der Polizei-Smart ist sympathisch, sein Fahrer damit auch – und wer so daher kommt, mit dem kann man auch reden: "Wenn es dann um die ernsten Dinge geht, ist das Eis längst gebrochen", berichtet Spörhase.

Gelegentlich müssen die beiden polizeilichen Berater auch in den eigenen Reihen für Aufklärung sorgen. Jeder Beamte in der Bremerhavener Ortspolizeibehörde weiß um die Sparzwänge, denen die öffentlichen Haushalte unterliegen. "Bekommen wir die jetzt alle als Dienstwagen?", fragte bereits der eine oder andere. "Keine Sorge", antwortet Theuring: "Ihr braucht ja ab und zu eine Rückbank, wenn ihr jemanden nach einer Festnahme zur Wache bringt."

Mehr unter www.polizei.bremerhaven.de

4.434 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Pressestelle der Ortspolizeibehörde Bremerhaven

E-Mail: presse@polizei.bremerhaven.de

Erstellungsdatum: 23.08.2012